Minergie-Areal: durchdacht klimafreundlich

Planen und bauen mit dem Label Minergie-Areal bedeutet gut durchdachte Gebäude, ein koordiniertes Arealmanagement, Fossilfreiheit, Effizienz, einen mitgedachten Aussenraum und die Förderung nachhaltiger Mobilität.

Wer ein Areal nachhaltig bauen, entwickeln und betreiben möchte, kann seit Herbst 2023 auf zwei neue Labels zurückgreifen: ab mindestens zwei Gebäuden und mehr als 3000m2 Energiebezugsfläche auf das Minergie-Areal, ab 10000 m2 auch auf das SNBS-Areal. Minergie-Areale zeichnen sich durch hohe Anforderungen an die Energieeffizienz, die Treibhausgasemissionen und die Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien aus. Der überdurchschnittliche Hitzeschutz, die klimaangepasste Gestaltung des Aussenraumes und eine klimafreundliche Mobilität erhöhen zudem die Lebensqualität im Minergie-Areal.

Klimaschutz übers Gebäude hinaus gedacht

Um ein Minergie-Areal zu zertifizieren, sind Massnahmen festgelegt für das einzelne Gebäude auf dem Areal, im Bereich Energie und Treibhausgase, beim Management des Areals, zu den Themen Komfort und Klimaanpassung und bei der Mobilität.

Neubauten im Areal sollen dem Namen von Minergie gerecht werden und den entsprechenden Komfort bezüglich guter Raumluft und Hitzeschutz gewährleisten. Sie sind deshalb nach einem Minergie-Baustandard zu zertifizieren. Auch Bestandsbauten, die keinen Schutzstatus haben, sind möglichst nach Minergie zu erneuern. Hier kann jedoch auch mit dem GEAK (Gebäudehülle Klasse C) oder dem Label SNBS-Hochbau gearbeitet werden.

In den für den Komfort nicht relevanten Eigenschaften der Gebäude, wie Eigenstromproduktion und Treibhausgasemissionen in der Erstellung (THGE), sind jedoch Erleichterungen gegenüber dem Gebäudestandard festgelegt. Für diese beiden Kennwerte ist ein Grenzwert übers gesamte Areal definiert, d.h. die Einzelgebäude müssen die Anforderungen des Gebäudestandards nicht erreichen. Im Areal fliesst beim THGE-Grenzwert - abhängig vom Alter, der Verdichtung und Wiederverwendung - der Rückbau von Gebäuden ein. Das soll Anreize schaffen, die bestehenden Gebäude und damit die bereits verbauten THGE weiterzuverwenden. In Bezug auf die Betriebsenergie ist ein Energiekonzept zu erstellen, welches u.a. Abwärmequellen und die Möglichkeit gemeinsamer Infrastrukturen mit benachbarten Liegenschaften abklärt. Alle Gebäude im Areal, auch solche mit Schutzstatus, müssen erneuerbar beheizt werden. Bei der Fernwärme sind fossile Energien zu max. 25% zugelassen.

Für das Areal-Management ist gefordert, dass das Minergie-Areal über eine Organisation verfügt, die in der Entwicklung und im Betrieb die Verantwortung für die Prozesslenkung, das Monitoring und die Betriebsoptimierung übernimmt. Strenge Anforderungen ans Energiemonitoring gewährleisten, dass die Grundlagen für einen optimierten Betrieb geschaffen werden.

Der klimaangepasste Aussenraum ist im Zusammenhang mit zunehmenden Hitze-/Trocken-perioden und Starkniederschlägen eine sehr wichtige Anforderung des Minergie-Areals. Hier sind mindestens 40% der Umgebungsflächen zu begrünen. Eine Kompensation auf Fassaden und Dächern ist möglich. Die Umgebungsfläche ist durch Bäume zu beschatten, Verkehrs- und Platzflächen sind soweit möglich mit versickerungsfähigen Belägen auszustatten. Ausserdem muss bei zwei Dritteln der überbauten Bereiche, wie z.B. Dächern, das Niederschlagswasser lokal bewirtschaftet werden.

Schlussendlich ist auch die Mobilität mitzudenken. Das Minergie-Areal verfügt über ein feinmaschiges, gut an die übergeordneten Netze angeschlossenes Fuss- und Velowegnetz. Es müssen genügend nutzerfreundliche Abstellplätze für Velos, Kinderwagen etc. vorhanden sein und neben der Möglichkeit Elektrofahrzeuge zu laden, ist ein geeignetes Fahrzeug-Sharing-Angebot zur Verfügung zu stellen, z.B. für Personenwagen, Lastenfahrzeuge oder E-Bikes.

Mehrwert für Nutzende, Bauherrschaft und Planende

Auf einem Minergie-Areal zu wohnen oder arbeiten bedeutet für Nutzerinnen und Nutzer, dass sie auf den bei Minergie bewährten doppelten Komfort zählen können: Im Innenraum profitieren sie von bedeutend weniger Sommerhitze und von der gesunden und frischen Luft dank der automatischen Frischluftzufuhr. Im Aussenraum unterstützen Begrünung und Beschattung dieses Wohlbefinden zusätzlich. Für Bauherrschaften, Städte und Gemeinden bedeutet das Label Orientierung, um die gesellschaftlichen Anforderungen im Bereich Klimaschutz und -anpassung zu erfüllen und die Energie- und Klimaziele in der Sondernutzungsplanung sicher zu stellen. Arealentwicklern und Investorinnen vereinfacht das Label die Arbeit, weil es viele Kriterien der EU-Taxonomie abdeckt, sowie auch viele Dimensionen von «E» und «S» der Environmental, Social und Governance- Kriterien (ESG). Planende schätzen den schlanken Vorgabenkatalog, der auch für kleinere Areale verhältnismässig ist und von Kompensationsmöglichkeiten bei den Gebäudeanforderungen.

Ambitioniert, aber gut umsetzbar

Der suissetec Campus in Lostorf SO hat als schweizweit erstes Areal die provisorische Zertifizierung als Minergie-Areal erlangt. Den Mehrwert einer Zertifizierung nach dem Minergie-Areal benennt suissetec-Direktor Christoph Schaer wie folgt: «Das Minergie-Areal ist ein wegweisendes Konzept, das einen ambitionierten und dennoch gut umsetzbaren Rahmen für die energetische Transformation von Arealen bietet. Es fordert, dass Neubauten nach den fortschrittlichsten Standards gebaut werden und lässt gleichzeitig zu, dass Bestandsbauten zeitlich und technisch sinnvoll in das Gesamtkonzept integriert werden können.»

Wer also bei der Transformation eines ganzen Areals konsequent auf Komfort, Effizienz und Klimaschutz setzt, erhält mit dem Minergie-Areal ein gut umsetzbares Instrument, um höchste Anforderungen an den Energieverbrauch, die Treibhausgasemissionen und Selbstversorgung mit erneuerbaren Energien zu erfüllen.

Erfahren Sie hier mehr zum Minergie-Areal.

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