
Wer in der Hitze dieses Sommers von Bern hört, taucht in Gedanken intuitiv in die Aare ein: abkühlen, sich treiben lassen, den Kieseln lauschen. Doch auch aus architektonischer Sicht können wir einen Aareschwumm empfehlen. Am Gaswerkareal vorbei, unter der Monbijoubrücke hindurch, passiert man auf dem Weg ins Marzilibad Orte, an denen sich die Bundesstadt stark verändern wird.
Schon lange im Gespräch und jetzt im Bau ist die Wankdorf City 3 und das Viererfeld. Aus beiden Planungsprozessen lernte man für weitere Quartiere wie Weyermannshaus West, ein vielversprechender Stadtumbau, der auf bestehende Qualitäten setzt.
Neben den wichtigen städtebaulichen Entwicklungen bereichern kleine Projekte mit feinen architektonischen Nuancen die Stadt. Von der Aufstockung im Marziliquartier bis zu den Genossenschaftshäusern im Holliger klingen die grossen Fragen an: Wie wollen wir wohnen? Was macht eine lebenswerte Stadt aus? Und wie schonen wir Ressourcen?
Das Heft hat auch im Schwimmsack Platz; entdecken Sie Bern und verbringen Sie einen schönen Sommer!
Der Sitz der Landesregierung neben der Bundesverwaltung zeichnet Bundesbern aus. Laut Politologe Claude Longchamp wird Politik hier bescheiden repräsentiert und bleibt dadurch nahbar. Er erläutert dies an drei Orten: dem Bundesratszimmer, dem Bundesplatz und dem ehemaligen Progymnasium PROGR als Kulturzentrum.
Bern wächst moderat. Dennoch gibt es einige Hotspots der Stadtentwicklung, wie Jeanette Beck, Leiterin des Stadtplanungsamts, im Interview erläutert. Neue Quartiere wie das Viererfeld sind Resultat einer teils kontrovers diskutierten Planungsarbeit. Zudem werden Industrie und Gewerbegebiete wie Weyermannshaus West neu interpretiert und mit Wohnangeboten angereichert. Bereits im Bau befindet sich die Wankdorf City 3: Hier wird Bern gestapelt.
Seit 1939 ist es Teil der Silhouette im Bündner Bergdorf Grüsch: das dreissig Meter hoch aufragende Silo der Getreidemühle. Seit kurzem wird darin gewohnt. Die Transformation durch das Churer Architekturbüro Ritter Schumacher ist ein bemerkenswertes Projekt des zirkulären Bauens.
Redaktion werk, bauen + wohnen im Auftrag von EgoKiefer
Acht Projekte schaffen einen Überblick, was in Bern in den letzten Jahren entstanden ist. Diese und eine Auswahl weiterer haben wir im Stadtplan von Bern markiert. Onlinekarte
An der Monbijoubrücke liegt eine Schlüsselstelle der Stadtentwicklung Berns. Autor Simon Gysel zeigt, wie gegensätzlich hier das Oben und Unten bis heute ist. Jüngst hat das Büro Bauart den Brückenkopf West von Büros in Wohnungen umgewandelt. Darunter liegt eine Parkgarage, die bis zum Niveau der Aare reicht. Auf dem Areal des Gaswerks entwickelt die Stadt künftig Genossenschaftswohnungen: Der Ideenwettbewerb dazu ist entschieden.
Im einstigen Industriequartier Holliger trägt Berns Wohninitiative Früchte. Sechs Genossenschaften entwickeln hier Wohnraum für vielfältige Lebensformen. Als gemeinschaftliches Herzstück benennt Autorin Paula Sansano den Holligerhof, den die Bewohnerschaft in Eigenregie behutsam verwaltet und gestaltet. Wir stellen die besondere Programmierung von zwei Projekten vor: Wohnen am Laubengang von Studio Dia und dreigeschossige Maisonettes von Fritschi Beis.
Überall arbeiten Städte daran, ihre Wasserlagen neu zu denken und zu gestalten. Wie gelingt diese Transformation? Wo entstehen die Wasserzugänge von morgen, und wer treibt sie voran? Die internationale Konferenz WATER_CITY WHERE NEXT? bringt Menschen aus Planung, Forschung und Praxis am 28./29. September 2026 zusammen.
Angesichts des Hypes um Re-use darf der Umbau von Bauwerken nicht aus dem Blick geraten. Die Fachgruppe für Erhalt von Bauwerken des SIA (FEB) plädiert für mehr Reparatur und Weiterverwendung statt Wiederverwendung. Das bedingt aber einer Sensibilisierung für Qualitäten, die über das rein Materielle hinausgehen.
Die beiden Grafikduos Bänziger Hug und Kasper Florio erhalten in diesem Jahr den BSA-Preis, insbesondere für den grafischen Auftritt der Biennale in Venedig 2025. Gemäss dem Laudator Thomas Kramer weiss das Quartett genau, was es will, wie es aussehen soll und auch, wie es ans Ziel kommt. Von deren Expertise durften schon zahlreiche Architekturpublikationen, Bürowebseiten und Monografien profitieren. Artikel lesen
Um den kulinarischen Genuss nicht zu vermiesen, bleiben gigantische Gewächshäuser und voll automatisierte Ställe meist im Verborgenen. Eine Ausstellung in München zeigt nun diese Architektur des Essens und knüpft sie an die Bedingungen der Produktion und die globalen Zusammenhänge. Weitere Ausstellungen in Basel und Winterthur empfiehlt die Redaktion zum Besuch.
Der neunte Band zur Basler Stadtgeschichte ist erschienen. Er unterscheidet sich von seinen Vorgängern. Statt Bauten epochenweise zu betrachtet, untersucht er die Stadt nicht chronologisch und aus freiräumlicher Perspektive. Ausserdem stellen wir die St. Galler Stadtgeschichte und ein Fotobuch über das Berner Quartier Kirchenfeld von der Fotografin der Bildstrecke dieses Hefts, Yoshiko Kusano, vor.
An vier verschiedenen Orten eint vier Personen die Gewissheit, dass der Prozess wesentlicher Bestandteil der Architektur sein muss. In Workshops und Arbeitsgruppen mit den Bewohnenden setzten sie nun diese Überzeugung bei der Aufstockung eines selbstverwalteten Wohnhauses im Zürcher Langstrassenquartier um. Artikel lesen
Schweizer Architektur gilt weltweit als vorbildhaft. Doch Kulturtransfer ist keine Einbahnstrasse. Ciro Miguel untersucht, welche Spuren die brasilianische Moderne in der Schweiz hinterlassen hat. Die Suche beginnt nicht an der Copacabana, sondern beim Kongresshaus von Max Schlup in Biel. Originaltext Englisch