Keine Architekturschule, die etwas auf sich hält, vergisst heute einen Hands-on-Entwurfskurs mit Re-use. Solche Versuchsbauten im Massstab 1:1 eignen sich ideal, Materialkreisläufe und neue Fügetechniken praktisch zu erproben. Denn Re-use stellt verändert das Entwerfen: Es orientiert sich an der Verfügbarkeit von Material: Design by availability. Das Haus der Zukunft ist ein Hybrid aus alt und neu. Und damit es selbst künftig zu Mine werden kann, soll es möglichst schadenfrei auseinandermontiert werden können: Design for disassembly.
Nach ersten Pilotprojekten wie die Aufstockung K118 in Winterthur von Baubüro in situ sind nun die ersten grösseren Re-use-Projekte realisiert, einiges ist unterwegs. Zeit für eine Zwischenbilanz. Wir haben Wohnbauten in Basel und Winterthur besichtigt und ganz unterschiedliche entwerferische Herangehensweisen angetroffen. Zudem haben wir uns in der Re-use-Community umgehört: Was sind die Erfahrungen beim Planen und Bauen mit Re-use? Was kostet das Ganze? Steht der finanzielle Aufwand in einem Verhältnis zum ökologischen Nutzen? Sicher ist, dass Planungsprozesse grundlegend vom Kopf auf die Füsse gestellt werden.
Zwei neue Wohnhäuser mit Re-use könnten in ihrem Entwurfsansatz nicht unterschiedlicher sein. In Winterthur hat Pascal Flammer ein Genossenschaftshaus entworfen und die wiederverwendeten Bauteile mit weisser Farbe übertüncht. In Basel hingegen zelebrieren Loeliger Strub ihre Unterschiedlichkeit. Mit dem farbenfrohen Bau schliessen sie den Blockrand auf dem Lysbüchel-Areal. Bei beiden Projekten werden nicht nur beim Bauen Ressourcen geschont, sondern auch dank kleiner Wohnfläche.
Welche Erfahrung machen Architekten und Spezialistinnen beim Planen mit Re-use? Beteiligte zweier vielversprechender Projekte, die in Zürich im Werden sind, geben Auskunft: einerseits Graber Pulver, die das Recyclingzentrum auf dem Juch-Areal planen, andererseits Gigon Guyer, die in einem Gewerbehaus Schienen als Tragstruktur wiederverwenden. Welche Herausforderungen stellen sich und mit wie viel Mehraufwand ist zu rechnen?
Erbaut 1908 als Gendarmerieschule, wird ein vier Hektar grosses Gelände sukzessive zum Universitätsareal umgebaut. Die erste Etappe umfasste sieben historische Gebäude, die von EVR Architecten, BC architects & studies und Callebaut Architecten umgebaut wurden. Ihr Konzept folgt einem radikalen Kreislaufgedanken – so viel wie möglich wiederverwenden, sowohl, was Materialien, als auch, was Gebäudestrukturen angeht. Das Resultat ist ein Umbau, bei dem Alt und Neu Hand in Hand gehen.
Im waadtländischen Echallens haben Dettling Péléraux eine Industriehalle in eine Ausbildungsstätte für Bauberufe transformiert. Die Erweiterung ist teilweise aus in-situ-rückgebautem Material konstruiert. Ehemalige Betonfassadenteile werden zu Innenwänden entlang der Fassade, tragende Holzelemente zu einer Aussenüberdachungen und verzinkte Stahlbleche erneut zur Dacheindeckung. Der zurückhaltend einheitliche und immer noch industrielle Ausdruck der neuen Berufsschule überzeugt. Originaltext
Könnte uns die künstliche Intelligenz nicht dabei unterstützen, nachhaltiger zu bauen? Zu dieser Frage forscht die Assistenzprofessorin Catherine De Wolf an der ETH Zürich. Die Potenziale der KI findet sie an unerwarteten Stellen: Sie könnte uns dank Bildanalysen dabei helfen, die Stadt nach künftigen Bauteilminen abzusuchen, oder komplexe Bauteildatenbanken unterhalten. Originaltext
Auch beim Wettbewerb in Nyon war Re-use gefragt. Auf dem kleinen Industrieareal im Norden der Stadt soll künftig ein Zentrum für soziale Innovation und Solidarität entstehen. Die Fondation Esp’Asse hat als Bauherrschaft ein Projekt gesucht, in dem die Hochschulforschung mit lokalen Unternehmen zusammenspannen kann. Das Team von Comte/Meuwly hat gewonnen. Sie bauen den Ort weiter und verbinden ihn mit der Umgebung. Originaltext
Der Architekturbuchmarkt wird von Monografien geradezu überschwemmt. Redaktorin Lucia Gratz hat zwei davon exemplarisch unter die Lupe genommen und stellt fest: Monografie ist nicht gleich Monografie. Zudem hat sie mit Kennern der Branche gesprochen: zwei Verlagen und einer Architekturbuchhändlerin. Worin liegt der ungebrochene Reiz an diesen Werkschauen? Wer steht dahinter und was gibt der Markt heute überhaupt noch her? Daneben hat die Redaktion zwei Buchtipps: Frauenleben in Neubühl und Women Writing Architecture.
Das Architekturbüro von Lukas Imhof hat das Wachsen des Kräuterlikörherstellers in Appenzell auch architektonisch zum Thema gemacht. Die Holzschindeln der Erweiterung nehmen Anleihen an traditioneller Architektur der Region.
Die Frauenquote im BSA Ostschweiz liegt bei lediglich 10 Prozent. Gibt es dort wirklich nur so wenige Architektinnen? Das fragte sich Kunsthistorikerin und BSA-Neumitglied Nina Keel und lädt zum Stadtspaziergang durch St. Gallen ein.
Für ihr Erstlingswerk haben Luca Romano und Lisa Tiedje ihren Arbeitsort von Berlin nach Zürich verlegt. In der Nähe zur Kunstgiesserei Sitterwerk haben sie mit Sensibilität für den Kontext ein Mehrfamilienhaus entworfen. Artikel lesen