Zonenpläne sind wichtige Planungsinstrumente. Als man sie vor etwa hundert Jahren erfand, waren die Städte bunt durchmischt, doch auch laut und verschmutzt. Gesünder wohnte man im Grünen. Die funktionale Entflechtung löste Probleme und schuf neue: Schlafstädte, unbelebte Geschäftsviertel, lange Wege. In wachsenden Städten ist Boden heute rar und teuer. Knappe Landreserven für Wohnungen und öffentliche Nutzungen animieren zu unkonventionellen Lösungen. Die Stapelung unterschiedlicher Funktionen ist ein Weg, der Synergien erzeugen kann. Doch stecken hybride Bauten auch voller Herausforderungen, denn vielschichte Bedürfnisse und Anforderungen begegnen sich auf engem Raum. In Zürich zog jüngst eine Schule in ein achtstöckiges Bürohaus und gewohnt wird neuerdings auf einem Tramdepot. Man stellt fest: Bodensparend und durchmischt zu planen, stärkt die urbane Vielfalt und die soziale Dichte. Leerstehende Flächen lassen sich hybrid nutzen und dadurch gewohnte Nutzungsschemen hinterfragen. Eine komplexe Idee von Stadt, die den Bestand neu verwebt, zeigt sich bei den Projekten, die wir in diesem Heft vorstellen.
Mit dem Projekt ZIN transformierten 51N4E und l’AUC zwei Türme samt zwischengestecktem Neubau im bisher monofunktionalen Büroquartier Nord in Brüssel. Obwohl nicht so viel vom Bestand erhalten werden konnte wie geplant, entsteht durch das Schichten von Büros, Wohnen, Hotel und öffentlicher Sockelzone eine neue, urbane Vielfalt. Artikel lesen
Das Tramdepot Hard in Zürich von Morger Partner macht es vor: Infrastrukturen müssen keine blinden Flecken auf dem Stadtplan sein. Kombiniert mit bezahlbaren Wohnungen, Gewerbe, Büros und begrünten Freiräumen tragen sie aktiv zu einem lebenswerten und durch mischten Umfeld bei. Die Stapelung brachte aber auch grosse statische, geometrische und ökonomische Herausforderungen mit sich.
Trotz Wirtschaftskrise schwappte die New Yorker Grossstadteuphorie Anfang der 1930er auch nach Basel über: Mit dem Rialto entstand ein gemischt genutztes Hallenbad mit Läden, Café, Büros und Wohnungen. Der kürzlich abgeschlossene Umbau durch Reuter Architekten hat den Nutzungsmix neu kuratiert. Die Struktur des Hauses hat sich dabei als flexibel und dauerhaft erwiesen.
In seinem preisgekrönten Erstlingstext reflektiert Architekt Simon Rott seine New-York-Reise: Trotz geografischer Grenzen entfaltet Manhattan scheinbar endlose Möglichkeiten. Überraschend: Die Insel ist genauso gross wie Zürich – beide Städte zeigen die Kunst, ihre Begrenzung als Ressource zu verstehen.
Nutzungshybride entstehen, wenn Flächen knapp sind: Schule über Supermarkt, Büros über Feuerwehr. In guten Fällen entstehen durch Nutzungsmischung Synergien und eine belebende Vielfalt. Wir zeigen Beispiele aus Basel, Bern, Fribourg, Genf, Winterthur und Zürich.
Im Sinne einer nachhaltigeren und zirkulären Bauwirtschaft muss Re-use das neue Normal werden. Zeit also, es nicht nur als Wiederverwendung von Bauteilen zu verstehen, sondern als umfassende, gesellschaftliche Praxis. Zur Debatte stellt Philippe Simay, Dozent für Philosophie und städtische Kultur, eine philosophische, historische und politische Betrachtung zum Re-use.
Hochschulen beziehen sich immer weniger auf Standard-Konstruktionsfibeln, sondern produzieren eigenes Wissen und teilen dieses fleissig in Publikationen. Drei davon stellen wir vor: Made of Solar, Mass Made Units – Studies on Assemblies und The Art of Connecting. Zudem empfiehlt die Redaktion Grüne Dächer sowie A Moratorium on New Construction.
Der Ringturm in Wien widmet Heinrich Kulka, dem österreichischen Architekten und der rechten Hand von Adolf Loos, eine Ausstellung. Die Architectural Association in London beschäftigt sich mit den Aufnahmen des zeitgenössischen Architekturfotografen Max Creasy. Dort zu sehen sind Werke hiesiger Büros wie Sauter von Moos, Weyell Zipse oder Lütjens Padmanabhan.
Das von Blerta Axhija und Nina Guyot gegründete Kollektiv erforscht an der Schnittstelle von Architektur und Stadtplanung kollektive, experimentelle Praktiken. Mit dem Verein PAV living room aktiviert es durch performative Interventionen urbane Gebiete in Genf, die sich in Phasen des Übergangs befinden. Artikel lesen
Das Restaurant am Caumasee, entworfen von der Architektin Corinna Menn, scheint über dem Terrain zu schweben. Die raffinierte und expressive Konstruktion aus Holz, Beton und Stahlmacht die Einkehr im Gasthaus zum Erlebnis – nicht zuletzt durch den freien Blick über den vielbesuchten See hoch über Flims.
Nach drei Jahren ist es wieder so weit, die Preisträger des Architekturpreises Kanton Zürich stehen fest. Drei Auszeichnungen und «den Grünen Leu» vergab das Komitee. Wir berichten von den Jurierungstagen, die unter anderem um die Frage kreisten: Was bedeutet «Nachhaltigkeit» heute?