12 – 2010

Nachgefragt

In der Regel verändert sich die Wahrnehmung der Dinge mit der zeitlichen Distanz, die wir zu ihnen gewinnen. Gebäude, die wir in der Kindheit als riesig erlebt haben, erscheinen Jahrzehnte später nicht mehr so gross. Dies ist nicht nur eine Frage des Massstabs und der unterschiedlichen Augenhöhe, sondern ebenso, ja mehr noch eine Frage der viel umfassenderen subjektiven Wahrnehmung. So verändert sich die Perzeption mit dem sich wandelnden Kontext unserer Vorstellungswelt und der entsprechend modifizierten Interpretation des Wahrgenommenen. Wir fragen nach, was heute aus bestimmten Glanzpunkten und kontrovers diskutierten Projekten von damals geworden ist. Nachzufragen lohnt sich meistens. Nicht zuletzt erlauben solche Erkundungen, den Blick für unsere Zeit zu schärfen, vielleicht sogar die Spreu vom Weizen zu scheiden. Der Blick zurück erklärt die Gegenwart.

Avantgarde, aber beständig

Zum Economist Building von Alison und Peter Smithon, London 1959–1964

Gian-Marco Jenatsch

«Davon ausgehend, dass die sich folgenden Generationen in jedem Kunstwerk etwas Frisches und Besonderes für sich selbst finden können, sollten wir in der Lage sein, in Mies' Bauten unmittelbar für uns etwas Nützliches zu finden … nicht notwendigerweise das, was Mies selbst beabsichtigte.» (Alison und Peter Smithson)

Plaza mit Durchblick in die Stadt zur Ecke Ryder Street und Bury Street.

Wohnungsbau der grossen Zahl

Ein Spaziergang durch die Genfer Ensembles des 1950er, 1960er und 1970er Jahre

Matthias Benz

Der Besuch von fünf grossen Wohnbauprojekten der Nachkriegsjahre verdeutlicht die spezielle Genfer Situation. Aus dem Blickwinkel des Fussgängers rückt neben dem Städtebau und der äusseren Erscheinung der Bauten vor allem die Gestaltung der Aussenräume in den Vordergrund.

Vermont-Parc, Luftaufnahme von Norden

Der Zauber von San Carlino

Mario Botta reflektiert sein Schaffen im Gespräch

Francesco Collotti

Das Thema «Nachgefragt» gibt uns die Gelegenheit, zu den Ideen, den Projekten, den realisierten Bauten zurückzukehren und über das Werk nachzudenken.

Originaltext Italienisch

Mario Botta

Verdichtung in Monte Carasso

Ein städtebauliches Konzept der Achtziger Jahre reüssiert

Jachen Könz

Vor dreissig Jahren hat Luigi Snozzi das Zentrum von Monte Carasso leergeräumt und wenige demokratische Regeln zur planerischen Entwicklung des Dorfs aufgestellt. Heute zeigt sich, dass dank diesen Regeln rund um den Siedlungskern ein lebendiges, dichtes Gewebe individueller Wohnbauten entstanden sind.

Casa Fiorini, Giacomo und Riccarda Guidotti, 2010.

Olympiadorf München – erneuert und verdichtet

Studentenwohnanlage in München der Arbeitsgemeinschaft Werner Wirsing / bogevischs buero hofmann ritzer architekten und stadtplaner, München

Christof Bodenbach

Für das Olympische Dorf in München, 1972 erstellt, war von Beginn weg ein zweites Leben nach den Spielen als studentische Wohnsiedlung vorgesehen. In den vergangenen zwei Jahren wurden die rund 1000 Reihenhäuschen der Teppichsiedlung originalgetreu ersetzt. Sie sind begehrt wie vor vierzig Jahren.

Studentenwohnanlage in München, das ehemalige Olympiadorf.

Kindergerechter Funktionalismus

Schulhäuser der Fünfziger Jahre in der Stadt Zürich

Daniel Kurz

Ob als kleinmassstäbliche Pavillonschule oder als campusartige Schulgemeinschaft – die Schulhäuser der Fünfzigerjahre vereinen beispielhaft architektonische Postulate ihrer Zeit. Ihre ausgeklügelten räumlichen Systeme geraten jedoch im Rahmen laufender Erneuerungen unter einen starken Forderungsdruck.

Primarschulhaus Chriesiweg in Zürich-Altstetten von Cramer Jaray Paillard (1957).

Bauten

Transformierte Tradition, Einfamilienhaus in Wetzikon von Vetter Schmid Architekten

Wettbewerb

Ein Häuserblock – neu interpretiert. Zum Studienauftrag für die Überbauung «Matze» in Sitten. Siegerprojekt: «Paparazzi», Bonnard & Woeffray Architectes, Monthey
Originaltext Französisch

Bauten

Vom Rohstoff zum Bauwerk. Ferienheim in Büttenhardt von bernath + widmer Architekten

Umbauten

Parasitiert. Umwandlung eines Supermarkts zu fünf Wohneinheiten in Winterthur von EM2N

Innenarchitektur

Sehen und gesehen werden. Restaurant «Stucki» in Basel von Wyss+Santos Architekten

Verluste

Bagger gegen Maillarts Wasserschloss. Robert Maillarts einzigartige Filteranlagen der Stadt St. Gallen sind zerstört

werk-material 01.08 / 566

Mit Blick auf Bungert und Berge

Andreas Skambas

Seniorenzentrum in Thusis von der ARGE Iseppi-Kurath GmbH / Marugg / Hauser

Blick vom bestehenden Obstgarten auf die neue Anlage: Seniorzentrum Compogna, Thusis von ARGE Iseppi-Kurath GmbH / Marugg / Hauser.

werk-material 01.08 / 567

Identitätsstiftender Wohnmäander

Klaus Spechtenhauser

Ersatzneubau Alterswohnungen der Stiftung Obesunne in Arlesheim von Mathias E. Frey mit muellermueller Architekten

Hangseitige Fassade mit Terrassen: Alterswohnungen in Arlesheim von Mathias E. Frey

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