9 – 2011

Spielplatz Alpen

«Wenn Bauern spielen, spielen sie Streiche.» So schreibt der britische Romancier, Soziologe und Kunstkritiker John Berger, der seit den Siebzigerjahren in einem kleinen Bauerndorf in den savoyischen Alpen lebt. Die Lust am Streiche spielen ist den Einwohnern seiner alpinen Wahlheimat in den letzten Jahrzehnten jedoch zunehmend vergangen. Die landwirtschaftliche Ökonomie vermag in der globalisierten Welt immer weniger zu bestehen, der Alpenraum wird mehr und mehr fremdbestimmt: als Freizeitpark und Spielplatz für Städter, als Kompensationsgebiet für das Schweizer Mittelland, die Poebene, den Grossraum München oder das Rhonedelta. Mitunter drohen die Event- und Funspektakel überhandzunehmen – und in all dem Trubel scheint es, dass diejenigen, die in und mit den Alpen leben, immer öfter den Kürzeren ziehen. «Zum ersten Mal überhaupt ist es möglich, dass eine Klasse von Überlebenden vielleicht nicht überlebt», schreibt John Berger über die savoyischen Alpengemeinden. «Bald könnten die ländlichen Gebiete der Welt auf die Städte angewiesen sein, sogar hinsichtlich der Nahrungsmittel, die die eigene Landbevölkerung braucht.»

Bevölkerung im Alpenraum

Eine kommentierte Karte zur Bevölkerungsdichte

Marco Zumaglini

Die Bevölkerung wird üblicherweise als ein Schlüsselindikator für die aktuelle Situation einer Gemeinde betrachtet. Genauer betrachtet hat sie vielfältige Auswirkungen.

Die Karte zeigt die in der Alpenkonvention definierte Abgrenzung des Alpenbogens.

Lebensraum im Herzen Europas

Zwei Jahrzehnte Alpenkonvention und Perspektiven für die nächsten zwanzig Jahre

Werner Bätzing

Der Stellenwert der Alpen hat sich in einem immer stärker globalisierten und metropolitan geprägten Europa von 1991 bis 2011 stark gewandelt. Wie sich der Alpenraum in Zukunft entwickeln könnte, zeigt ein Ausblick ins Jahr 2031.

Die Stadtregion Lugano gehört zu den stark wachsenden Alpenregionen, denen auch in Zukunft ein weiteres Wachstum prognostiziert wird.

Im Nordwesten viel Neues

Zur Wiederaufwertung des alpinen Lebensraums – eine Reportage aus dem Piemont

Maurizio Dematteis, Simone Perolari (Bilder)

Abwanderung, Bevölkerungsschwund sowie wirtschaftlicher, sozialer und landwirtschaftlicher Zerfall prägen die norditalienischen Alpentäler seit hundert Jahren. Nun aber gibt es erste Anzeichen der Hoffnung auf eine Umkehr dieser Negativtrends: Vier Beispiele aus den Cottischen Alpen zeigen, wie die Menschen allmählich in den Lebensraum auf 1500 Meter über Meer zurückkehren.

Originaltext Italienisch

Der Quarzit (im Vordergrund) aus den Steinbrüchen der benachbarten Täler Brenda und Infernotto, auf dem die wirtschaftliche Prosperität des Dorfes Gründet, wird heute praktisch ausschliesslich von chinesischen Arbeitern aus dem fernen Xi Jiang verarbeitet.

Gegenräume, Gegenträume

Verdichtete Freizeitanlagen in den Alpen

Marco Bakker

Die logistische und atmosphärische Konstruktion des Alltags in einem touristischen Resort ist ein Laboratorium des modernen Denkens. Resorts sind spezielle Spielräume, kleine Welten, die in unterschiedlichen Schattierungen besonderen Bedürfnissen des Menschen entgegen kommen.

Zwei Rundtürme als Ferienkolonie in Sistiere von Vittorio Bonadé Bottino, 1931–1936.

Masterplan für Wanderer

Die Ruinaulta rüstet sich für nachhaltigen Tourismus

Stefan Kurath, Ralph Feiner (Bilder)

Naturmonument und Tagesausflugsziel: Der Konflikt birgt vordergründig Probleme. Ein regionaler Richtplan von Hartmann & Sauter und ein Erschliessungsweg des Ingenieurs Walter Bieler erweisen sich als Chance für elf Gemeinden in der Surselv.

Von Walter Bieler entlang den Bahngleisen angelegter Fussgängersteg in der unteren Rheinschlucht.

Alpine Gentrifizierung

Multilokales Wohnen zwischen Landschaftsliebe und Prestige

Manfred Perlik

Kleine Metropolregionen integrieren das Umland bis in die alpinen Regionen hinein als Freizeitlandschaften und schaffen so einen attraktiven Mehrwert. Entsprechend verändern Zuzüger aus den Agglomerationen – Multilokale, Pendler und Pensionierte – die Ansprüche, die an die Berggebiete erhoben werden.

Zweitwohnungsbau für Pendler und Multilokale.

Alpine Suburbs

Der Zermatter Gemeindepräsident Christoph Bürgin im Gespräch 

Nott Caviezel

Mehr und mehr haben touristische Destinationen mit hausgemachten baulichen, infrastrukturellen und sozialen Problemen zu kämpfen. Der Druck auf den Immobilienmarkt wächst, preiswerte Unterkünfte gehen verloren. Einheimische und Arbeitskräfte des Gastgewerbes müssen auf die Vororte ausweichen.

Täsch

Showtime On The Mountain Top

Unterwegs durch die Ideenzonen der hochalpinen Sport- und Tourismusspektakel 

Paul Divjak

Ein Essay von Paul Divjak, geb. 1970, Autor, Konzeptkünstler und Kulturwissenschaftler. 

Schlachtenbummler am Zeitfahren auf der Alpe d\\\\\\'Huez.

Bauten

Zeitgenössische Wohnraumkonzeption. Haus in Küsnacht von Käferstein Meister

Wettbewerb

Ein Zeichen der Zukunft. Neubau Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz. 1. Rang Giuliani Hönger Architekten, Zürich

Umbauten

Engadinerhäuser in Madulain und Tschlin

Bauten

Meditation im Garten. Der Serpentine-Pavillon 2011 von Peter Zumthor
Originaltext Englisch

Bauten

Ruta del Peregrino. Florian Heilmeyer im Gespräch mit dem Fotografen Iwan Baan

Innenarchitektur

Ein Hauch von Orangerie. Das neue Restaurant Casino Zug von Edelmann & Krell

Nachruf

Frank Krayenbühl, 1935 – 2011

werk-material 06.05 / 580

Eckwerte

Alois Diethelm

Bürogebäude Delphin in Zürich von Stücheli Architekten, Zürich

Ansicht vom Talacker

werk-material 06.05 / 581

Halten und Gestalten

Nott Caviezel

Geschäftshaus Bahnhofstrasse in Visp von Vomsattel Wagner Architekten, Visp

Strassenfassade

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