9 – 2012

Holz als Kleid

Der Baustoff Holz erlebt unter dem Gebot der Nachhaltigkeit eine Renaissance, die ihn mitten in die Städte trägt. Von dort ist er – bis auf wenige Ausnahmen für Bedarfsbauten – lange verbannt geblieben. Mit gutem Grund: Im alten Bern wurden im Jahr 1405 bei einem Brand mehr als 600 Häuser zerstört. Neue Technik, hybride Konstruktionsweisen und neue Typologien haben das Brandrisiko nun fast auf dasjenige des Massivbaus gesenkt; Holz ist in städtischer Dichte ein brauchbarer Baustoff geworden. In diesem Heft fragen wir nicht nach den konstruktiven und technischen Möglichkeiten des Bauens mit Holz. Uns interessiert vielmehr, welches Potenzial Holz oder die daraus gefertigten Produkte für den architektonischen Ausdruck im städtischen Kontext besitzen.

Holz. Hölzern. Städtisch. Wohnen. Urban.

Über die Verwendung von Holz in modernen Innenräumen

Bettina Köhler

Für die Architektur der klassischen Moderne musste der Baustoff Holz bei der Verwendung in Innenräumen entweder «abgekühlt» werden oder seine Bedeutung wurde kleinbürgerlich-ruraler Gemütlichkeit unterstellt. Damit setzte sich die Moderne ab von einer Tradition städtisch-bürgerlicher Interieurs. In heutigen Innenräumen wird Holz sowohl entmischend als auch homogenisierend eingesetzt.

Adolf Loos, Wohnung Teichen in Pilsen, Speisezimmer, 1931.

Was vom Holz übrigbleibt

Trends in der Holzforschung

Christoph Wieser

Beim Holz gab es bis vor wenigen Jahren keine eigentliche Werkstoffentwicklung. Dies hat sich, auch aufgrund des Nachhaltigkeitsgebots geändert. Auf der molekularen wie makroskopischen Ebene wird geforscht und nach neuen Einsatzgebieten gesucht. Damit stellt sich die Frage, ob neue Generationen von Holzwerkstoffen und Holzbauten weiterhin die Bedeutung von Holz als natürliches Material vermitteln können.

Sichtbare Holzkonstruktion am Tamedia-Neubau in Zürich von Shigeru Ban. Das Massivholzskelett mit seinen auffälligen Knoten, in Zusammenarbeit mit Hermann Blumer entwickelt, kommt ohne Stahlverbindungen aus.

Struktur und Ornament

Neubau einer Schule in St. Denis (Paris) von AAVP architectes

Francis Rambert

Holz als Konstruktionsmaterial und als Ornament, das nicht nur volkstümliche Reminiszenen transportiert, sondern auch von historischen Industriebauten inspiriert ist: In St. Denis bei Paris schuf der portugiesische Architekt Vincent Parreira eine Schulanlage, die formal irritiert und doch Geborgenheit bietet.

Originaltext Französisch

Porosität: Fassadendetail mit handgedrechselten Stäben.

Neues altes Kastenbad

Kritische Rekonstruktion von Bosshard & Luchsinger Architekten in Luzern

Patrick Schoeck-Ritschard

Nach umfassender Erneuerung ist das historische Seebad Luzern, ein Holzkastenbad des 19. Jahrhunderts, in alt-neuer Gestalt wiedererstanden. Hierfür musste das Kastenbad vollständig zerlegt und mit neuer Tragkonstruktion und Aussenhaut wieder aufgebaut werden. Mit dem Einbau originaler Bauteile gelang eine unerwartete Konfrontation von altem und neuem Holz.

Nichtschwimmerbecken, Aufgang zum Sonnendeck auf dem Dach.

Innere Stärke

Um- und Neubauten für das Zürcher Obergericht von Felber Widmer Schweizer Architekten

Tibor Joanelly

Der Erweiterungsbau für das Zürcher Obergericht führt funktional zu einer Klärung der betrieblichen Abläufe. Der nüchtern gehaltene Bau nimmt sich gegenüber der bestehenden Substanz und der angrenzenden Altstadt fast zu sehr zurück. In seinem Innern und in den bestehenden Bauten setzen die Architekten dagegen auf aufwändig gearbeitete Einbauten aus Nussbaumholz.

Personalcafeteria im Untergeschoss des Ergänzungsbaus.

Nach aussen gewendet

Studentenheim des Sommerville College in Oxford von Niall McLaughlin Architects, London

Rosamund Diamond

Das Wohnhaus für Studierende schafft an einer Nahtstelle des Universitätsgeländes eine neue städtebauliche Situation. Die raumhaltige Konstruktion von Backstein und Holz greift lokale Traditionen auf und stellt gleichzeitig die kategorische Trennung des häuslichen Inneren von dem öffentlichen Äusseren in der Stadt in Frage.

Originaltext Englisch

Tektonische Schichtung: Erker aus Hartholz in gemauertem Rahmen

Malerische Materialisierung

Arbeiten des Künstlers Markus Müller

Roland Züger

Gemalte Holzimitationen sind uns aus der barocken Kulissenmalerei vertraut,in der Architektur des Klassizismus repräsentieren sie kultivierte Bürgerlichkeit. Im Sinn der Semperschen Stoffwechseltheorie tritt die gemalte Holzimitation neben Furnieren und Laminaten am äussersten Ende der Skala auf, indem die Idee das Material übertrifft.

Durchbruch, 2001: Tannenholz bündig in die Wand eingelassen, Kunst am Bau, Neugestaltung der Stephanuskirche in Basel.

Material

Leiste leiste! Eine neu Karriere für die Leiste?

Wettbewerb

Behaglichkeit spendende Maschine. Wettbewerb für den Neubau des Kinderspitals Zürich. Gewinner der 2. Stufe ist Herzog & de Meuron, Basel

Umbauten

Wandel der Landschaft. Umbau des Weilers Curzutt San Barnàrd durch Luigi Snozzi und Giacomo und Ricarda Guidotti

Innenarchitektur

Ein Bild von einem Atelier. Jörg Boner gestaltet die Remise beim Museum Rietberg in Zürich neu

Bauten

Lust auf gewagte Konstruktion. Die Warschauer Bahnhöfe von Arseniusz Romanowicz und Piotr Szymaniak

Ausbildung

Zwei neue Direktoren an der Architekturabteilung der EPF Lausanne: Roberto Gargiani und Luca Ortelli. Artikel online lesen

werk-material 01.08 / 600

Gekonnt gefügt

Anja Meyer

Alterswohnungen, Siedlung «Frieden» in Zürich-Affoltern von pool Architekten, Zürich

Ansicht vom Park im Westen: Siedlung «Frieden» in Zürich-Affoltern von pool Architekten.

werk-material 01.08 / 601

Punktgleich im Park

Dalia Chebbi

Alterswohnungen in Adliswil von Elmiger Tschuppert Architekten, Luzern/Zürich

Ansicht von Nordosten mit der Einfahrt in die Tiefgarage. «Wohnen am Bad» in Adliswil von Elmiger Tschuppert Architekten.

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