11 – 2012

Im Notfall

Katastrophen sind komplexe Ereignisse. Ihre Wahrscheinlichkeit lässt sich zwar kalkulieren, aber ihr Verlauf ist chaotisch und nicht vorhersagbar. Mit einer Zusammenstellung von Erlebensberichten haben wir in diesem Heft versucht, dem menschlichen Entsetzen über das Schicksal eine Stimme zu geben und zu zeigen, dass der Eintritt des Undenkbaren immer auch die Menschen verbindet. Ein Bericht aus Haiti schildert, wie Schweizer Know-how an der Entwicklung von neuen, erdbeben- und wirbelsturmsicheren Schultypen beteiligt ist. Und ein Gespräch mit dem Risikoexperten zeigt auf, dass gesellschaftlich breit abgestützte Präventionsstrukturen nicht nur für kurzfristige Notsituationen hilfreich sind, sondern auch für eine erfolgreiche Anpassung an den Klimawandel die beste Voraussetzung bilden. In der Schweiz und in Siebenbürgen dienen Schutzbauten als eine Art Versicherung gegen kriegerische und andere Unbill. Darüber hinaus stellen wir Notunterkünfte in Japan vor.

Das Itakura-Haus

Notunterkünfte des Architekten Kunihiro Anno für die Opfer des Tohoku-Erdbebens in Japan

Momoyo Kaijima

Bislang wurden Notunterkünfte in Japan bis auf wenige Ausnahmen als konfektionierte Leichtbaueinheiten aus Stahl erstellt. Die nach der Katastrophensequenz in Iwaki geplanten Holzbauten widersprechen diesem Muster; sie beziehen sich auf eine traditionelle Konstruktion und Typologie. Die Häuser sind durch lokale Handwerker erstellt, können durch die Bewohner angepasst werden und ermöglichen eine längere Nutzung.

Das Bausystem aus vorgefertigten Holzpaneelen und -pfosten folgt traditionellen Bauprinzipien wie Kleinteiligkeit und Modularität, so dass sich mit dem offenen Dach die typische Atmosphäre eines japanischen Bauernhauses einstellt.

Feste Grundlagen

Ein System von Erdbeben- und wirbelsturmsicheren Schulen für Haiti

Sabine Rosenthaler

Beim grossen Erdbeben in Haiti wurden im betroffenen Gebiet 80 Prozent der Schulhäuser zerstört oder beschädigt. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA des Bundes entwickelt mit Architekten und Ingenieuren ein Modul, das sich auf die sehr unterschiedlichen Verhältnisse im Land anpassen lässt.
Das Projekt der beiden Hauptgebäude der Schule Berquin in Miragoâne: Der Kindergarten ist in eingefasstem Mauerwerk.

La Querelle

Debatten zum Wiederaufbau in Frankreich nach zwei Weltkriegen

Rémi Baudouï

Zwei Mal mussten sich französische Architekten und Ingenieure im 20. Jahrhundert mit grossen Wiederaufbauprojekten auseinandersetzen. Die Moderne und ganz besonders Le Corbusier arbeiteten sich intensiv am Wiederaufbau ab, wurden aber regelmässig von rivalisierenden Architekten zurückgebunden.

Originaltext Französisch

Die Moderne in Warteposition: Urbanisierung von La Rochelle-Pallice, Projekt von Le Corbusier 1945-46.

Architektur der Angst

Kirchenburgen in Siebenbürgen, Rumänien

Robert Stollberg und Roland Züger

Um sich gegen die Mongolen- und später die Türkeneinfälle sowie vagabundierende Räuberbanden zu behaupten, wurden in den Dörfern Siebenbürgens die Kirchen massiv befestigt. Die Kirchen stammen vielfach aus dem 12. oder 13. Jahrhundert und sind als dreischiffige romanische, später als gotische Basiliken oder Hallenkirchen erbaut.

Pfeilerbasilika des 14. Jahrhunderts mit als Wehrturm ausgebautem Chor.

In einem Nu …

(Un)Vermittelte Katastrophen

Rosmarie Zeller

Naturkatastrophen ereignen sich zumeist unangekündigt. Das Leid, das sie mit sich bringen rief seit jeher nach metaphysischen Deutungen und literarischer Verarbeitung. Sieben Texte zeigen, wie sich diese über die Jahrhunderte verändert haben.

Risiko und Präventionskultur

David Bresch im Gespräch 

Daniel Kurz

David Bresch, Head Sustainability bei Swiss Re, zeigt auf, dass Risiko und Risikokultur nicht in allen Ländern das Gleiche bedeuten. Eine breite und solidarische Präventionskultur ist meist billiger als das Versichern von Schäden. Das gilt auch und ganz besonders für die Bedrohungen durch den weltweiten Klimawandel.

Die britische Küstenstadt Null liegt an einer Flussmündung und ist Hochwasser und Sturmfluten ausgesetzt, die mit dem Klimawandel zunehmen werden. Die Grafik aus der eca-Studie zeigt auf, dass sich 65 Prozent der in Zukunft erwarteten Schäden mit organisatorischen und baulichen Präventionsmassnahmen kosteneffizient vermeiden lassen.

Träumende Riesen

Die Notfallinfrastruktur in der Schweiz

Tibor Joanelly

Die Schweiz wäre wohl Weltmeisterin, gäbe es einen Wettbewerb in der Disziplin der Katastrophenübung. Auch wenn ein Ernstfall nicht simuliert werden kann, so schaffen Anstrengungen zur Katastrophenvorsorge doch Sicherheit. Das Ineinandergreifen von Behörden- und Milizstrukturen führt hierzulande zu einer Organisationsform, die durch stete Übung und Bereitschaft physisch und geistig eine Art Architektur der Latenz entstehen lässt

Diverses Elektromaterial (Kabelrollen, Verteiler, Belichtungsmaterial und Kleinteile).

Material

Zur Entwicklung von Hochleistungsbeton

Wettbewerb

Turm als Zeichen des Aufbruchs. Studienauftrag zum Bahnhofsareal von Freiburg

Bauten

Die Klosteranlage Sonnhalde in Baldegg von Marcel Breuer

Bauten

Die Städelerweiterung in Frankfurt von Schneider + Schumacher

werk-material 13.03 / 604

Werkstatt und Herberge

Kaspar Helfrich

Bâtiment d'infrastructure, Gland, bunq architects, Rolle (Mehrzweckgebäude in Gland VD von Bunq Architectes, Rolle)

Bâtiment d\\'infrastructure, Gland.

werk-material 12.01 / 605

Eines für alles

Stephan Rutishauser

Dorfzentrum Rüedismatt, Krauchtal von wahlirüefli Architekten und Raumplaner, Biel

Blick vom bestehenden Schulhaus über den Festplatz auf das neue Dorfzentrum Rüedismatt im Krauchtal von wahlirüefli Architekten und Raumplaner, Biel.

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