5 - 2013

Dauerhaft

Architekturportale und Newsletter überfluten uns täglich mit Ankündigungen von neustem Design – doch was bleibt von diesem Bildersturm? In der globalisierten Hektik hat Architektur zwei Optionen: Mitspielen in der kompetitiven Produktion grosser Gesten und verführerischer Bilder – oder sich Besinnen auf das, was ihr eigenes ist: Die Dauer. Was heute entsteht, soll morgen noch Bestand haben. Es soll nicht nur Wind und Wetter trotzen und in Würde altern, sondern sich auch an veränderte Bedürfnisse anpassen lassen – und auf die Herausforderungen der Zukunft heute schon mögliche Antworten bereithalten. Der französische Begriff der Architecture durable lädt mehr als der deutsche dazu ein, über die Ebene der Ökologie hinaus der Nachhaltigkeit auch eine historische Dimension abzugewinnen. Diesem Doppelsinn möchten wir in diesem Heft nachgehen.

Häuser bauen heisst Räume umarmen

Plädoyer für eine ganzheitliche Sicht auf die Architektur

Adrian Meyer

Wirklich dauerhafte Architektur verpflichtet sich gegenüber dem grösseren Ganzen, der Stadt und damit dem öffentlichen Raum. Verdichtung im Bestand der Städte ist die grosse Chance der Architekten, um räumlichen und sozialen Mehrwert zu erschaffen.

Anselm Kiefer, The Seven Heavenly Palaces, 2004.

Mit angemessenen Mitteln

Architekturqualität aus Enkelsicht

Katrin Pfäffli, Hansruedi Preisig 

Dauerhaft und damit nachhaltig investiert, wer auf bauliche und funktionale Qualität setzt und dabei die Sicht der Enkel einnimmt, die das Bauwerk einmal nutzen und unterhalten werden.

Kreuzgang des Minoritenklosters in Graz (1607).

Mit Geschichte aufgeladen

Ein historisches Museum als Reflexion über den Abrisswahn in China

Eduard Kögel

Im heutigen China sind Bauwerke selten von langer Dauer. Traditionelle Bausubstanz wird bedenkenlos dem Fortschritt geopfert, selbst neuere Bauten werden oft nach kurzer Zeit wieder ersetzt. Der Pritzker-Preisträger Wang Shu setzt der rasenden Entwicklung eine an historischer Tradition und handwerklicher Bauweise orientierte, moderne Architektur entgegen.

Die Kulturzitadelle des Gesichtsmuseums Ningbo (2003-08) aus Abbruchmaterial – als Erinnerungsspeicher für den verschwundenen Baubestand der traditionellen Architektur.

So schallt's aus dem Wald heraus

Kreisläufe der Bau-Kultur im Bregenzerwald

Florian Aicher 

Der Bezirk Bregenzerwald in Vorarlberg besticht seit einigen Jahren international aufgrund seiner Handwerkskultur. Den Kern bilden – im Gefolge der Vorarlberger Baukultur - Bauhandwerk und Einrichtung, mit Ausstrahlung auf weitere Branchen. Das Neue Handwerk ist Wirtschaftsfaktor sowohl in der Region als auch beim Export.

Präzise Forschung und gekonnte Improvisiation – Thomas Mennel auf seiner Experimentalbaustelle.

Laubengänge mit Aussicht

Fabrikumnutzung in Dulliken durch Adrian Streich Architekten

Martin Bruhin

Nach jahrelangem Leerstand, gescheiterten Nutzungskonzepten und abtrünnigen Geldgebern wird in den vier gestapelten Fabrikationshallen nun gewohnt. Der kluge Umbau zur neuen Nutzung, der Anforderungen an Denkmalschutz und Ökologie vereint, ist vorbildhaft für leere Fabriken in ländlichen Regionen.

Raumartige Erschliessungsschicht als Identitätsträger: Laubengänge mit Sichtschutz aus Streckmetall in den vier gestapelten Fabrikationshallen in Dulliken von Adrian Streich Architekten.

Starke Hüllen

Gedanken zum Ausdruck nachhaltiger Architektur

Dieter Geissbühler

«Energie» ist neben der technischen Anforderung auch eine die Gestalt von Bauten prägende Komponente. Das 16-geschossige Wohnhochhaus in Schlieren von Dietrich Schwarz und ein Bürogebäude in Lustenau von Baumschlager Eberle loten auf unterschiedliche Weise die Möglichkeiten von Industrie und Handwerk aus.

Die vorfabrizierten tragenden Betonelemente wurden geschossweise versetzt und mit den Deckenstirnen kraftschüssig ausbetoniert. Ein «fliegender» Teil des 16-geschossigen Wohnhochhauses in Schlieren von Dietrich Schwarz.

Wie kommen Geschichten in den Entwurf?

Partizipatives Wohnen in der «Giesserei» Winterthur

Andreas Hofer 

Für den Verein Mehrgenerationenhaus bzw. die Genossenschaft GESEWO bauten Galli Rudolf Architekten in Winterthur eine grosse Wohnsiedlung als reinen Holzbau, der den Minergie-P-eco-Standard erfüllt. Partizipationsprozesse banden die künftigen Bewohner schon früh in die Planung ein und legten die Grundlagen für das spätere Gemeinschaftsleben.

Gemeinschaftliche Balkone mit gefiltertem Licht bietet die Giesserei Winterthur von Galli Rudolf Architekten.

Gemeinsam geplant

Bewohnerpartizipation bei der Genossenschaft CoDHA

Yves Dreier 

Die genossenschaftliche Wohnanlage Pommier in Grand-Saconnex zeichnet sich nicht nur durch hohe ökologische Standards aus: Sie wurde mit der Partizipation der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner geplant – mit Auswirkungen auf die Architektur.

Originaltext Französisch

Reisen

Soulangy, Frankreich

Material

Prunkvoller Gips. Stuckmarmor, eine Technik und eine Kunst

Wettbewerb

Stabilisierungen. Städtebaulicher Studienauftrag Zeughausareal Uster

Innenarchitektur

Mehr als Orientierung. Signaletik hat in räumlich-konstruktiven Kategorien denken gelernt

Umbauten

Schematisch reich. Umbau einer Genosschenschaftssiedlung in Zürich von Rofl Schaffner, Zürich 

Forum

100 Jahre Werkbund. Claude Lichtenstein befragte SWB-Exponenten zur heutigen Rolle des Vereins

Nachruf

Max Schlup (1917–2013)

bauen+rechnen

Vom vermeintlich schnellen Erfolg. Industriebrachen als Baulandreserven

bauen+rechten

Pläne im Grundbuch. Neue Anforderungen an Plandokumente

werk-material 01.02 / 614

Fertig – oder nur fast?

Clea Gross

Wohnhaus Avellana, Zürich-Schwamendingen von Edelaar Mosayebi Inderbitzin Architekten, Zürich 

Ansicht der Nordostfassade am freigelegtem Bach. Wohnhaus Avellana in Zürich-Schwamendingen von Edelaar Mosayebi Inderbitzin, Zürich.

werk-material 01.03 / 615

In der Dorfgemeinschaft

Daniel A. Walser

Genossenschaftliches Wohnen 55+ in Bonaduz von Bürgi Schärer Architektur und Planung, Bern

Ansicht von Westen mit der Hofstatt und dem drei- und viergeschossigen Neubau. Genossenschaftliches Wohnen 55+ in Bonaduz von Bürgi Schärer Architektur und Planung, Bern.

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