7/8 – 2014

Freiburg

Der Kanton Freiburg hat im letzten Jahr 25 offene Wettbewerbe durchgeführt; bei einer Einwohnerzahl von rund 300'000 Menschen ist das eine sensationelle Quote. Die Attraktivität des Kantons als Firmensitz oder Wohnort in Pendlerdistanz zur Genferseeregion wie zur Bundeshauptstadt ist hoch – und ebenso die Bautätigkeit. Freiburg ist ein Phänomen der Gegensätze: Die Sprach-und Religionsgrenzen überlagern sich hier. Und ebenso durchdringen sich Landschaft und Stadt. Selbst vom urbanen Quartier Pérolles fällt der Blick über die Einschnitte überdeckter Bachtobel hinweg unmittelbar auf die grüne Umgebung des Saanetals. Freiburg ist innovativ: Das Agglomerationsgesetz hat einen Planungsverbund entstehen lassen. Diese neuartige Institution mit demokratisch gewählten Gremien koordiniert über Verkehrsfragen hinaus die räumliche Entwicklung im erweiterten Umkreis der Kantonshauptstadt. Ein Plan zu den Bauten ist mit diesem Heft zur Hand.

Leseprobe: Auferstanden

Auferstanden

Streiflichter einer Psychogeografie Freiburgs

Walter Tschopp, Primula Bosshard (Bilder)

Der Sensler Kunsthistoriker Walter Tschopp hat in Freiburg studiert und lange Jahre in der Stadt gewirkt, unter anderem für die Gruppe «Pro Fribourg». Auf seinem Stadtspaziergang kommt Walter Tschopp an drei Schlüsselstellen seiner Erinnerung vorbei: eine Psychogeografie der Stadt Freiburg.

Universitätsgebäude Miséricorde der Architekten Denis Honegger und Alexandre Dumas, 1937-41. Der vornehme, grosszügige Zentralkorpus auf mächtigen Pfeilern ist in Stahlbeton ausgeführt und mit Stahlgittern des Atelier Bonnet geschmückt. Er beinhaltet vornehmlich das Rektorat und, im hinteren Teil, die grosse Aula der Universität. Im Hintergrund ruht der Seminartrakt mit seinen charakteristischen Hebefenstern.

Pariser Atem

Zur Entwicklung des Pérolles-Quartiers

Robert Walker, Michel Bonvin (Bilder)

Das Porträt des Fotografen Michel Bonvin des Quartiers Pérolles im Süden der Stadt wird begleitet von zwei historischen Plänen. Unser Autor Robert Walker erläutert die Entstehungsgeschichte. Besuchen Sie mit uns Freiburgs Quartier der Zukunft: Im Pérolles werden in den nächsten Jahren zahlreiche Areale neu bebaut.

Der Mario-Botta-Bau von 1982 markiert den Auftakt des Boulevards am Bahnhof.

Hohe Schule

Technik und Sakralkunst in Freiburg

Olga Cafiero

Olga Cafiero, die Waadtländerin mit italienischen Wurzeln, findet in Freiburg den idealen Stoff für ihre Methode der Bildfindung. Sie kombiniert unterschiedlichste Bildwelten, die nur durch die subjektive Neugier ihres Blickes zueinanderfinden – und lässt dadurch unerwartetete Bezüge und Verwandtschaften entstehen. Ein spannender Fotobeitrag einer jungen Fotografien.

Kunst und Gebrauch

Zwei neue Kindergartengebäude

Robert Walker, Roland Bernath und François Vermot (Bilder)

Stärkster Motor der aufstrebenden Architekturszene Freiburgs ist die lebendige Wettbewerbskultur. Wir stellen zwei Ergänzungsbauten bestehender Schulhausensembles junger Architekten vor. Mazzapokora hat das Schulhaus «Botzet» um zwei Pavillons bereichert, und Maskin erweiterte die Anlage «Heitera» um einen strengen Kubus mit Lernlandschaften.

Schulhaus Heitera: Der Neubau im Schönberg-Quartier bildet den Abschluss einer im geneigten Terrain angelegten Abfolge von Schulen und weiteren öffentlichen Gebäuden.

Nah am Leben

Wohnformen im Freiburgischen von LVPH und 0815 Architekten

Tibor Joanelly

Zwei Wohnhäuser, die gegensätzlicher nicht sein können. Doch beide zeugen von der Wohnbautätigkeit im Freiburgischen. Hausen rund um einen Hof eines Mehrfamilienhauses von 0815 Architekten oder in Tuchfühlung mit Pferden im Gebäude von LVPH architectes. Beide Bauten stehen stellvertretend für Wohnmodelle der Region, städtisch oder ländlich geprägt, und beide operieren mit verschmitzten Verfremdungen.

Geschosswohnungen in der Stadtvilla von 0815 Architekten.

Suprakommunal

Die Agglomeration Freiburg: ein einzigartiges Planungsinstrument

Christoph Allenspach

Die Agglomeration als Planungsinstrument: Die einzigartige Konstruktion schweisst zehn Gemeinden rund um Freiburg zusammen, um das drohende Szenario der Schlafstadt abzuwenden. Es fehlt an Arbeitsplätzen und am zusammenhängend gedachten Verkehr. Wie können die reichen Umlandgemeinden bei der Stange gehalten werden?

Reiseführer Freiburg

Die Versammlung von vier Dutzend Projekten von gestern, heute und morgen kartiert die Marksteine der architektonischen Entwicklung von Freiburg: Ein unentbehrlicher Reiseführer zur Stippvisite.

Debatte

Die Schweiz – ein alpiner Stadtstaat? Der «Salon Suisse» an der Architekturbiennale Venedig debattiert über die Zukunft des Landes. Wir dokumentieren drei Statements vom Eröffnungstag.

Wettbewerb

Am Rande der Allmend im Süden Luzerns plant das Departement Musik der Hochschule Luzern einen Neubau. Enzmann Fischer und Büro Konstrukt setzten sich im Wettbewerb durch.

Recht

Gesetzgebung unter dem Druck der Energiewende: Die Regulierung der Solaranlagen im neuen Raumplanungsgesetz und in der Verordnung dazu verletzt verfassungsmässige Kompetenzen und Hierarchien.

Markt

Der Kanton Freiburg wächst schneller als der Rest der Schweiz und übertrifft sogar Zug. Er profitiert zunehmend von seiner Lage zwischen dynamischen Wirtschaftsregionen und von der Lage an der Autobahn.

Zeitzeichen

Monotonie

Stanislaus von Moos (1977) und Vittorio Magnago Lampugnani (2014) 

1977 und 1978 widmete Stanislaus von Moos dem Kampfbegriff «Monotonie» zwei Hefte und entlarvte diesen als polemische Figur. 2014 plädiert Vittorio Magnago Lampugnani für eine «gute Monotonie» und einen sensiblen Umgang mit Konventionen.

Kunst der Fügung

Zum neunzigsten Geburtstag von Werner Blaser

Jean-Pierre Wymann 

Aus Anlass des neunzigsten Geburtstags des Architekten Werner Blaser würdigt Jean-Pierre Wymann dessen Verdienste als Vermittler besonders zwischen Ost und West.

Werner Blaser mit seiner Kamera.

Erneuert, nicht modern

Renovierung des Primarschulhauses Hebel in Riehen durch MET Architects

Tibor Joanelly, Ruedi Walti (Bilder) 

Die jungen MET architects passten ein Schulhaus aus den 1950er Jahren in Basel an aktuelle Standards an; dabei blieben sie dem Bild der ursprünglichen Architektur treu.

Sanierung und Umbau des 1953 erbauten Schulhauses erzeugen ein Vexierbild: Die Anlage scheint mit grösster Akribie in ihren herkömmlichen Ausdruck aufgefrischt – Umgebungsgestaltung und Seitenfront der Turnhalle allerdings sind neu, letztere beherbergt neu ein Foyer für Veranstaltungen, und der «Kamin» ist ein hinzugefügter Liftschacht.

werk-material 02.06/636

Mehrfach Kodierung

Gabriela Güntert, Thomas Telley (Bilder)

Schweizerische Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften von Boegli Kramp Architekten, Fribourg

Der Neubau ist auf jedem Geschoss mit den bestehenden Bauten der Anlage verbunden.

werk-material 02.06 / 637

Schwere Hülle

Daniel Kurz, Bruno Klomfar (Bilder)

Scuola agraria cantonale in Coldrerio von Conte Pianetti Zanetta Architetti, Lugano

Ein niedriger Komplex aus drei Pavillons duckt sich neben der historischen Gutsvilla.

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