4 – 2015

Display

Als «Display» verstehen wir in diesem Heft die Ausstellung als räumliche Anordnung, die die Beziehung zwischen Objekten und ihrem Betrachter arrangiert. Als Architektur des Zeigens bildet das Display einen Rahmen, ein Passepartout, eine Bühne oder mindestens einen Sockel aus. Kurzum, es enthebt Dinge vom Alltag und exponiert sie. Damit löst es sie aus ihrem herkömmlichen Wahrnehmungs- und Sinnzusammenhang und macht sie gefügig für andere Erzählungen, andere Zusammenhänge, andere Nachbarschaften zu wiederum anderen Dingen. Dieses Heft ist der Architektur des Zeigens gewidmet. Wir versammeln Ausstellungsarchitektur und Szenografien, zeigen die Architektur von Museen und sinnieren über die Architektur als Exponat. Fünf Ausstellungsmacherinnen und -macher haben wir zum Spannungsfeld von Objekt und Erzählung befragt: Wie lassen sich im Rahmen von Ausstellungen Erlebnisse vermitteln? Wie kommt die Aura des Objekts überhaupt zustande? Wie verhält sich die Inszenierung zum Raum, in dem sie stattfindet?

Leseprobe

Zeichen und Dinge

Musée d'ethnographie in Genf von Graber Pulver Architekten

Marie Theres Stauffer, Leo Fabrizio (Bilder)

Das Haus als Zeichen: In Genf erzählt der Eingangstrakt des Musée d’ethnographie gesprächig von dem, was sich im Boden verbirgt: Vom Museum im Untergrund. Die Kulturgeschichte ferner Völker wird in der neutralen Black Box im Keller inszeniert, während die Hülle im öffentlichen Raum Assoziationen und Erwartungen weckt.

Die Struktur der Dachverkleidung erinnert an das Flechtwerk tropischer Hütten. Sie bildet die innere Tragstruktur ab, die die Kräfte des Dachs ableitet und die grosse Auskragung über dem Eingang ermöglicht.

Raum, Objekt und Erzählung

Fünf Statements zur Szenografie

Uwe Brückner, Bernadette Fülscher, Tristan Kobler, Stanislaus von Moos und Moritz Küng antworten auf Fragen zu Exponat und Exposition: Was ist Szenografie? Sollen Ausstellungen primär bilden oder dürfen sie auch unterhalten? Degradiert die Szenografie das Objekt zum Requisit? Und welche Rolle spielt der Raum als Bühne der Ausstellung?

Paläon – Forschungs- und Entwicklungszentrum Schöninger
Speere, Dauerausstellung (2013), Schönlingen (D).

Labor und Wunderkammer

Das Archiv von Herzog & de Meuron in Basel

Deyan Sudjic, Katalin Deér (Bilder)

Nicht die Werke zu zeigen, nicht die Architektur selbst, sondern die erfindungsreichen Prozesse zu dokumentieren, die zu deren Entstehung geführt haben, ist Aufgabe des Archivs von Herzog & de Meuron im Basler Dreispitz. Über eine Auswahl von Modellen und Mustern aus dem Arbeitsprozess werden kreative Entwicklungen angedeutet und in Beziehung gesetzt. Der Bau, der dieses beinhaltet, mutet fremd und unzugänglich an: Ist er Labor oder Museum?

Originaltext Englisch

Eine Art Schaulager der Architektur. Die Materialien werden in der zweigeschossigen Werkstatt-Halle angeliefert und im 3. Obergeschoss zur Erfassung und Einordnung ausgelegt.
Grosse Objekte und Materialmuster kommen in offenen
Regalen an den Aussenwänden unter, Materialproben und Formexperimente in dichter Anordnung in den Schaukästen: Erinnerungen blitzen auf und neue Beziehungen entstehen zwischen
den Exponaten.

Modellbauhaus

Meisterhäuser Bauhaus Dessau von Bruno Fioretti Marquez Architekten

Roland Züger, Christoph Rokitta (Bilder)

Häuser als Exponate: Die von Bruno Fioretti Marquez in verfremdeter Form rekonstruierten Meisterhäuser in Dessau sind Erinnerung an und Verweis auf Verlorenes, aber nicht das zu Zeigende selbst. Ihre abstrakte Erscheinung macht sie zu Modellen, die im Massstab 1:1 umgesetzt sind. So sind sie selbst Objekt und Exponat im Kontext der Siedlung.

Die Rekonstruktion in abstrakter Form stellt die Kompositionsidee der Moderne modellhaft zur Schau: Meisterhäuser Bauhaus Dessau von Bruno Fioretti Marquez Architekten.

Schaufenster für die Mode

Umbau Kunstgewerbemuseum Berlin von Kuehn Malvezzi Architekten. Wilfried Kuehn im Gespräch

Olaf Bartels, Ulrich Schwarz (Bilder)

Häuser im Haus: In den weitläufigen Ausstellungshallen des Berliner Kunstgewerbemuseums galt es eine Modesammlung einzufügen, den Ausstellungsobjekten eigene Räume zu ihrer Entfaltung zu bieten und dadurch neue Möglichkeiten der Vermittlung und der Wegführung zu eröffnen.

Die neue Modesammlung ist als Passage durch eine Abfolge von hell erleuchteten Schaufenstern inszeniert.

Nachrichten

In der Schweiz verbautes Holz stammt nur zum Teil aus einheimischer Produktion sowie das neue Raumplanungsgesetz sieht eine Mehrwertabgabe vor, die kommunale Infrastrukturvorhaben finanzieren kann.

Debatte

Ole W. Fischer, Architekt und Theoretiker, über die Frage «Was ist eigentlich Architekturtheorie?».

Wettbewerb

Die Kölner Domplatte. Städtebauliche Planungswerkstatt in Köln

Bücher

Kunst Bau Zeit 1914 – 2014: Das Zürcher Universitätsgebäude von Karl Moser

Ausstellungen

Afrikas Moderne. «Architektur der Unabhängigkeit» im Vitra Design Museum Weil am Rhein

Nachruf

Alfredo Pini, Architekt BSA, Atelier 5, 1932 – 2015
Otti Gmür, Architekt BSA, 1932 – 2015

Erstling: Une greffe en écusson

Extension d' un pavillon à Renens de xy architectes

Héloïse Gailing

Eine typische Erstling-Geschichte: Héloïse Gailing erzählt, wie ein junges Architekturbüro mit einer Handwerkerfamilie zusammenkommt, die mit wenig Geld und viel Eigenleistung ihr Haus erweitern möchte. Ihren Bericht drucken wir in der französischen Originalfassung.

Extension d’une petite villa : Malgré un contraste des matériaux et du vocabulaire architectural très présent, les deux volumes dialoguent au travers de l’harmonie des tons, des couronnements de toiture… Il n’y a pas unité mais continuité.

Kristall als Leuchtturm

Neue Philharmonie Stettin von Barozzi Veiga

Florian Heilmeyer, Simon Menges (Bilder)

Die neue Philharmonie in Stettin bezeugt nicht nur das erwachte Selbstbewusstsein zur zeitgenössischen Architektur in Polen. Eingebettet in einen strategischen Plan zu einer grenzüberschreitenden Metropolregion hat die westpolnische Stadt künftig eine Million Einwohner im Auge.

An die Polizeiwache schmiegt sich Stettins neue Philharmonie am Plac Solidarności. Eine doppelte Glashülle umspielt das Ensemble
mit seinen spitzen Dachgiebeln.

Kommendes Leuchten

Organische LED in der Praxis

Andrea Eschbach

OLED verspricht eine neueartige Beleuchtung – grossflächig, biegsam, beliebig geformt und damit perfekt integrierbar: in elegante Leuchten, aber auch direkt in die Architektur.

OLED-Leuchtelemente «Oviso» an der Decke der Hochschule Luzern

werk-material 02.02 / 650

Zurück in die Zukunft

Clea Gross, Thierry Leserf (Bilder)

Umbau Volkshochschule Munzinger Bern von Rykart Architekten, Liebefeld

Das Schulhaus Munzinger in Bern wurde 1917vom städtischen Hochbauamt in sachlichem Heimatstil erstellt. Die ehemalige Turnhalle dient jetzt als Aula.

werk-material 02.02 / 651

Zurück in die Zukunft

Clea Gross, Hannes Henz (Bilder)

Umbau Schulanlage Ilgen, Zürich von Wolfgang Rossbauer Architekten, Zürich

Repräsentation und klassische Symmetrie herrschen in den Ilgen-Schulhäusern in Zürich-Hottingen. Die purifizierte Turnhalle hat ihren baulichen Schmuck bei der Instandsetzung zurückbekommen.

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