Im Norden und Süden Luzerns herrschen die Gesetze der Agglomeration, wie anderswo auch. Ungleichzeitiges steht willkürlich nebeneinander; Autobahnzubringer neben Occasionscentern, Einfamilienhausquartiere neben Einkaufszentren, traditionelles Gewerbe neben schicken Neubauten. An beiden Polen der traditionsreichen Kantonshauptstadt grassiert zugleich das Baufieber, Investoren planen um die Wette. Die bis vor kurzem noch in ihrem Selbstbild noch durchaus ländlichen Vorstadtgemeinden haben grosse Herausforderungen zu packen. Im Norden wie im Süden Luzerns gibt es starke Bemühungen, die Dynamik zu nutzen, um aus dem chaotischen Bestand geordnete Stadträume wachsen zu lassen. Hier wie dort sollen Plätze und Strassenräume geschaffen werden, die Orientierung und Aufenthaltsqualität verbessern, und dem Langsamverkehr wird mehr Platz eingeräumt. Dabei wird eines deutlich: Gegenüber den enormen Kräften des Marktes, den vermeintlichen Sachzwängen des Individualverkehrs, dem Verhandlungsgewicht der Investoren und dem Desinteresse der Grundbesitzer haben Planerinnen und Planer im Kampf für städtebauliche Qualität einen schweren Stand.
An zwei heissen Sommertagen streifte der Zürcher Künstler Roman Keller durch die neuen Quartiere vor den Toren Luzerns. Sein Blick schliesst immer auch Passanten und ihren mobilen Untersatz mit ein: Töffli und Traktor hier, Trottinett und Rollator dort. Roman Kellers Bilder zeigen Architektur im Gebrauch, keine aseptischen Ikonen. Seine Architekturfotografie beschreibt eine Stadt im Werden. Mehr Bilder von Roman Keller sind im E-Paper in der werk-App.
Luzern-Süd heisst das Entwicklungsgebiet an den Grenzen von Luzern, Kriens und Horw, wo sich Gewerbe- und Logistikzonen in hohem Tempo verwandeln. Das Entwicklungskonzept von Ernst Niklaus Fausch Architekten verleiht dem Wandel räumliche Struktur. Ursina Fausch berichtet von der Herausforderung, mit eng begrenzten Mitteln und widerstrebenden Partnern die Konzeptideen zu verwirklichen.
Ein urbanes Gebiet ist Kriens schon lange. Doch es brauchte ein «städtisches Quartier» aussen auf der grünen Wiese, damit sich die Einwohner der neuen städtischen Qualität bewusst wurden. Seit 2019 nennt sich Kriens Stadt und bezeugt dies mit einem neuen Stadthaus. An den Rändern aber werden weiterhin Bilder des Ländlichen gepflegt. Ein Widerspruch? – Nein, findet unser Autor, der selbst ein Krienser ist.
Lärm und Leere beherrschen bis heute den mit 50 000 Fahrzeugen meistbefahrenen Verkehrsknoten Seetalplatz zwischen Luzern und Emmen. Mit dem Hochwasserschutz an der Kleinen Emme wurde ein neues Verkehrskonzept installiert. Aus der lärmigen Wüste soll ein städtischer Ort werden, Pool Architekten lieferten dazu den Städtebau. Und gleich nebenan sucht das grosse Fabrikareal Viscosistadt eine neue Identität als Ort für Kultur und Kreativgewerbe.
Eberhard Tröger entführt die aufmerksamen Leser und Leserinnen unserer Debatte-Rubrik ins räumliche Reich der Bäume – um mit einem fulminanten Plädoyer für die baumbestandene Strasse zu enden.
In Pratteln soll mit Salina Raurica Ost ein Quartier für 2'000 neue Bewohner und 3'000 Arbeitsplätze entstehen. Tanja Reimer kommentiert das Ergebnis des Verfahrens, das das Team um Hosoya Schaefer gewonnen hat – und bezweifelt die Transformationskraft des vorgeschlagenen Städtebaus.
Das Museum Bellpark in Kriens zeigt die Geschichte der Schweizer Einkaufszentren und fragt nach deren Zukunft in Zeiten des Online-Shoppings. Artikel online lesen
Sylvain Malfroy hat seinen Klassiker über die Morphoplogie der Stadt neu aufgelegt. Benedikt Boucsein sieht seine Aktualität in den nach wie vor funktionierenden Werkzeugen der Stadtanalyse und im Anreiz, die Grundlagen, die das Buch bietet, neu zu denken.
Paolo Fumagalli (1941–2019)
Originaltext italienisch