Was heisst das eigentlich, «Wohnen im Alter»? Für die allermeisten älteren Menschen eigentlich nichts anderes als das Gewohnte: den Tag verbringen, Lesen, Hobbies pflegen, Freunde empfangen, Ausgehen. Nur eben oft allein, nach dem Ende der Familienzeit, vielleicht dem Tod des Partners. Und oft mit kleinen oder grösseren Einschränkungen. Die Mobilität nimmt ab, die Reichweite täglicher Verrichtungen wird enger, und im «fragilen» Alter über 85 tritt die Sorge hinzu, wie lange die Selbstständigkeit noch ohne Hilfe zu bewältigen sein wird. Das alles ruft nach einem Wohnungsangebot, das sich nur wenig vom gewöhnlichen unterscheidet: integriert ins öffentliche Leben, aber hindernisfrei und in geeigneter Grösse für eine oder zwei Personen. Vor allem aber mit sozialem Anschluss und der Chance, in gesundheitlich schwierigen Zeiten Unterstützung in Pflege oder Haushalt zu beanspruchen. Könnte da nicht eine gemeinschaftliche Wohnform die passende Lösung bieten?
Mehr als Alterswohnen: In der Bülacher Siedlung Bergli kocht die Krippenküche Mittagessen auf Bestellung, der Hauswart bietet technische Hilfe. Und im Gemeinschaftsraum sind die jungen Nachbarn willkommen. Meier Hug Architekten haben zusammen mit zwei Genossenschaften vorgemacht, wie eine zeitgemässe Strategie für Wohnen und Pflege im Alter umgesetzt werden kann.
Seit Jahrzehnten arbeiten Architekturschaffende an Typologien für das Wohnen im Alter. Doch die bemerkenswerten Resultate dieser Recherche verdecken die eigentlichen Aufgaben: Gefragt sind Nähe und Austausch mit Menschen anderer Altersgruppen, alltägliche Normalität. Gerade unter dem Vorzeichen der Innenverdichtung ergeben sich Chancen für neue integrative und gemeinschaftliche Lebensformen.
In Castel San Pietro hat der Tessiner Architekt Edy Quaglia das Gehöft der Masseria Cuntitt mit Respekt und Erfindungsreichtum umgebaut. Über der Ebene des Mendrisiotto ist am Rand des alten Dorfkerns ein neues Zentrum entstanden, das mit Alterswohnungen, Restaurant, Weinhandlung, Kinderkrippe und Gemeindesaal für alle zugänglich ist. Originaltext: Italienisch
35 Wohnungen mit Service für Betagte und ein Sozialzentrum mit Restaurant im Erdgeschoss: Für die Planung einer städtischen Wohnanlage im flämischen Aarschot haben DVVT aus Gent mit dem Londoner Studio DRDH zusammengespannt. Entstanden ist eine Anlage aus weissem Klinker mit Doppelgiebeln, die der Stadt einen Platz schenkt und Wege entlang der alten Stadtbefestigung weiterspinnt.
Vor rund zwanzig Jahren gründeten die Architekten Sonja und Urs Grandjean zusammen mit Freunden die Hausgemeinschaft «Füfefüfzg» als Wohnform für die zweite Lebenshälfte. Autonomie und gemeinsame Aktivitäten finden darin zusammen; eine neue Erschliessung ermöglichte die freie Grundrisseinteilung. Wie bewährt sich die Wohnform nun, da das hohe Alter mit seinen Einschränkungen näher rückt?
Bauteil-Recycling zum Zweiten: Marc Loeliger und Andreas Sonderegger berichten aus ihrem Entwurfsstudio an der ZHAW und plädieren für umfassende Wertstoffkreisläufe auch in der Architektur. Dabei zeigt die Digitalisierung ihre nützliche Seite.
Jan Geipel erklärt die Architektur von BIG anhand der grossen Schau im Dänischen Architekturzentrum Kopenhagen. Nicht minder gewichtig sind Ausstellungen über Lacaton & Vassal und die Filmarchitektur des Expressionismus.
Endlich liegt eine umfassende Monografie zu Hans Bernoulli vor. Was sie einlöst und was darin fehlt, sagt Daniel Kurz. Vorgestellt werden zudem Bücher über Wiener Architekturdiskurse und das weithin verkannte Werk Ricardo Bofills.
Benedikt Huber, 1928 – 2019
In Hasselt, der «lebenswertesten Stadt Flanderns» hat die Genueser Architektin Francesca Torzo das Museum Z33 für zeitgenössische Kunst erweitert und umgebaut. Entstanden ist eine sehenswerte Raummaschine mit diskreten aber effektvollen Bezügen zum Stadtraum.
Mit der denkmalgerechten Instandsetzung von Le Corbusiers Maison d’homme durch Silvio Schmed und Arthur Rüegg findet der Zürcher Pavillon eine definitive Bestimmung und seine turbulente Geschichte ein einstweiliges Ende.