12 – 2021

Hochhäuser

Wir haben uns gefragt, wie sich Hochhäuser von blasierten Fremden in freundliche Nachbarn verwandeln, wie sie in einen offenen Austausch mit ihrer Umgebung treten können. Und es war rasch klar: Die Antwort entscheidet sich nicht in den obersten zwanzig Metern, sondern an der Basis, dort wo das Hochhaus den Boden berührt und seine Haltung zum öffentlichen Raum ebenso preisgibt wie jene zur belebten Natur. Am Sockel entschei­det sich, wie abgehoben das Leben im Hochhaus ist. Erst auf der Schwellenzone wird deutlich, ob das hohe Haus einen Beitrag für die Stadt leistet, die es Kraft seiner Höhe visuell dominiert. Deshalb be­dürfen die Erdgeschosszonen, die Schwellenräume im Städtebau, besonderer Sorgfalt von Architek­turschaffenden. Deutlich wurde weiter: Hochhäuser scheinen verträglicher, wo sie in Gruppen auftreten und einen eigenen Horizont, eine neue Normalität ein­führen.

Leseprobe

Cluster, Stoppelfeld, Rhizom

Hochhaus-Leitbilder in den Schweizer Städten Genf, Basel und Zürich

Caspar Schärer, Tibor Joanelly

Wie werden die Hochhausleitbilder in Schweizer Städten legitimiert? Eine Umfrage bei einer Stadtbaumeisterin (Katrin Gügler, Zürich) und zwei Kantonsarchitekten (Beat Aeberhard, Basel, und Francesco Della Casa, Genf) zeigt, dass sich hohe Bauten vor allem dazu eignen, um bei hoher Dichte Freiräume zu sichern. Städtebauliche und architektonische Qualität werden dabei auf unterschiedlichen Wegen gewährleistet.

Genf setzt auf Vorbildwirkung und Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Vorne (grau) die Tour Opale von Lacaton & Vassal; sie steht direkt über dem Bahnhof von Chêne-Bourg und grüsst zum Entwicklungsgebiet Praille Acacias Vernets (PAV).
Bild: SITG (sitg.maps.arcgis.com)

Urbane Landschaft

Wolkenwerk in Zürich von Staufer & Hasler und von Ballmoos Partner mit Mavo Landschaften

Daniel Kurz, Roland Bernath (Bilder)

Das Wolkenwerk von Staufer & Hasler und von Ballmoos Partner mit mavo Landschaften ist mehr als nur eine Gruppe von Türmen am Rand von Zürich. Tiefe Sockelbauten verankern es im Stadt- und Grünraum, unterschiedliche Höhen prägen die Silhouette. Der öffentliche Park schafft Platz und ökologischen Mehrwert.

Der reich bepflanzte Leerraum des inneren Gartens kontrastiert mit der dichten Landschaft von Sockeln und Türmen.
Bild: Roland Bernath

Ensemble für die Stadt

Baloise Park in Basel von Miller & Maranta, Diener & Diener und Valerio Olgiati

Martin Tschanz, Walter Mair (Bilder)

Wo einst das Hotel Hilton stand, ordnen drei Neubauten gegenüber dem Bahnhof Basel die städtebaulichen Verhältnisse neu. Der Baloise Park in Basel von Miller & Maranta, Diener & Diener und Valerio Olgiati bildet ein Ensemble im besten Sinn: Enge Gassen stehen in dramatischem Kontrast zur Weite eines neuen Platzes.

Die Hochhausgruppe und ihr Vorplatz schaffen neue städtebauliche Bezüge und binden auch das bestehende BIZ-Hochhaus mit ein.
Bild: Walter Mair

Die Türme und die SOHO

Hochhausquartier Chapelle International in Paris, Masterplan von l’AUC

Susanne Stacher (Text und Bilder)

Djamel Klouche und sein Städtebaubüro l’AUC geben im Norden von Paris eine neue Antwort auf die Frage, wie Hochhäuser am Boden ankommen sollen. Im durchmischten Hochhaus-Quartier Chapelle International definieren Sockelbauten den öffentlichen Raum in menschlichem Massstab. Sogenannte SOHO (Small Office Home Office) geben der Vereinbarkeit von Arbeit und Wohnen einen typologischen Ausdruck.

Nur auf dem Foto scheinen die Türme so dicht zu stehen: Ihre Abstände und Orientierung lassen freie Aussicht – dicht sind die SOHO im Sockel. 
Bild: Arnaud Led
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Debatte

Mit den CAP talks hat werk, bauen + wohnen ge­meinsam mit Hochparterre auf die radikalen Forderungen der Klimastreik­-Bewegung reagiert. Axel Schubert, Mitverfasser des Climate Action Plans, und Astrid Staufer beenden die Serie – die Debatte über klimagerechtes Bauen ist damit aber noch längst nicht abgeschlossen, auch müs­sen jetzt konkrete Taten folgen!

Neu im BSA 2021

Dieses Jahr sind 28 neue Mitglieder in den Bund Schweizer Architektinnen und Architekten BSA aufgenommen worden.

Ausstellungen

Das Zentrum Paul Klee in Bern widmet dem Werk von Max Bill eine grosse Ausstellung. Ebenfalls in Bern, im Kornhausforum, geht es um Shared Spaces, wäh­rend im Arc'en Rêve in Bordeaux der Baum und die Architektur sich eine Ausstellung teilen.

Bücher

«Städtische Räume sind nicht per se öffentlich, man muss sie stets von Neuem zu öffentlichen machen», schlussfolgert die Kritikerin Sophie Wolfrum nach der Lektüre von Figurationen von Öffentlichkeit über die Gestaltung des Stadt­raums. Anzukündigen ist ausserdem das neue Jahrbuch Anthos für Landschaftsarchitektur des BSLA. Und eine Publikation zur Architekturpädagogik stellt den Raum als dritten Pädagogen ins Zentrum.

Nachruf

Robert Haussmann, 1931–2021

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Junge Architektur Schweiz

Batiments

Der Wohnturm von Batiments in St. Gallen ist gebauter Widerstand gegen die Banalisierung der Architektur im Zeichen der Rendite.

Ein Turm als entschiedenes Zeichen gegen eine gleichförmige Arealüberbauung. Batiments nannten ihren Erstling auch New Nail House. 
Bild: Batiments

Architektur als Ressource

Wohnhäuser aus tragendem Naturstein in Plan-les-Ouates von Atelier Archiplein und Perraudin architecture

Valéry Didelon, Leo Fabrizio (Bilder)

Würdevoll, nachhaltig, hochwertig: So präsentie­ren sich die zwei Wohnbauten aus massivem Stein von Atelier Archiplein und Perraudin Archi­tecture im Genfer Vorort Plan­-les­-Ouates. Originaltext Französisch

Gesimse und gekehlte Ecken verstärken den klassisch-urbanen Auftritt der Massivsteinhäuser, der einer städtischeren Lage würdig wäre. Die gestaffelte Volumetrie ist Vorgabe des Gestaltungsplans.
Bild: Leo Fabrizio

Massivstein ist längst modern

Bauen mit Naturstein im Frankreich der Nachkriegszeit

Marie Le Drean, Jonas Kuratli (Text und Bilder)

Natursteinbauten waren bis in die 1970er Jahre in Paris Alltag: Das zeigt eine bemerkenswerte Forschungsarbeit aus der EPFL. Originaltext Französisch

Cité Fort de Vanves, Châtillon-Malakoff, 1960. 652 Wohnungen, 20 cm Massivstein
Bild: Jonas Kuratli

werk-material 12.01/782

Ein besonderes Davoser Flachdach

Jenny Keller, Rasmus Norlander (Bilder)

Sporthalle Tobelmühle in Davos von Neff Neumann

Als neuer Teil im Bestand der Schule nimmt sich die Halle zurück und schafft auf dem Dach Mehrwert.
Bild: Rasmus Norlander

werk-material 12.01/783

Schnittfigur mit Raffinesse

Pauline Bach, Laura Egger (Bilder)

Mehrzweckhalle Pfyn von Lauener Baer

Dank der Gliederung des Volumens in Form mehrerer Giebel fügt sich der Neubau unaufgeregt ins alte Dorfgefüge ein.
Bild: Laura Egger

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