Bakić & Kulstrunk Architekten, Baden/Zagreb

In die Stadt eintauchen

Heft 7/8 – 2017 Import – Export thematisiert internationale Erfahrungen und Beziehungen von Schweizer Architekten. Das junge schweizerisch-kroatische Büro Bakić & Kulstrunk verkörpert diese Multinationalität. Mit der Schwimmhalle Svetice haben Vjera Bakić und Matthias Kulstrunk unlängst in Zagreb ihr erstes grosses Projekt realisiert. Es zeugt von ihrer intensiven Auseinandersetzung mit der Stadt und lässt die öffentlichen Räume ausser- und innerhalb des Gebäudes ineinanderfliessen.

Was ist eure Herkunft?

Unsere unterschiedliche Herkunft aus der Schweiz und aus Kroatien führt uns immer wieder Unterschiede und Gemeinsamkeiten vor Augen. Die Gemeinsamkeiten überwiegen aber, so haben wir auch beide an der ETH Zürich das Architekturstudium abgeschlossen. Vjera diplomierte bei Marc Angélil, Matthias bei Adrian Meyer. Wir beide sind auch in der Lehre engagiert – Vjera seit 2009 als Assistentin an der Universität Zagreb bei Prof. Tonči Žarnić, Matthias von 2011 bis 2014 bei Annette Spiro an der ETH. Während des Projekts in Zagreb entwickelten wir ein grosses Interesse an der modernen Architektur der Region. Die Moderne Jugoslawiens stellte einen hohen gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsanspruch, was sich in vielen gelungenen Stadtentwicklungen äussert. Heute noch zehrt etwa Zagreb, das seit dem Zweiten Weltkrieg eine enorme Entwicklung durchgemacht hat, von den weitsichtigen Planungen der 50er- bis 70er-Jahre. Deshalb ist die Rezeption der Moderne tendenziell positiv, auch in der breiten Bevölkerung. Heute bewundern die kroatischen Kollegen die Schweizer Baukultur. Die umgekehrte Sicht von der Schweiz auf Kroatien versuchen wir durch Architekturreisen zu vermitteln, zwei Seminarreisen der ETH kamen so zustande und zuletzt die jährliche Studienreise des Architekturforums Ostschweiz. Wir stehen zu unserer binationalen Herkunft und wertschätzen die Bautradition unserer beiden Herkunftsländer, die wir weiterdenken wollen.

Was ist euch wichtig im Denken und Entwerfen?

Das Schwimmbad in Zagreb hat uns gelehrt, dass man zwar ohne ein tiefes Verständnis des Gebrauchs keine Basis hat für viele entwerferische Entscheidungen. Die Grundanlage eines Projektes kann aber nicht aus den Parametern einer Bauaufgabe gewonnen werden. Vielmehr muss man sich am Anfang des Entwurfs mit der ganzen Stadt auseinandersetzen. Das Haus soll als Erstes über die Zugehörigkeit zu seiner Stadt sprechen.

Wie zeigen sich diese Aspekte konkret im Projekt Hallenbad Svetice in Zagreb?

Beim Hallenbad Svetice in Zagreb haben wir versucht, der Schwimmhalle den Charakter eines Platzes zu geben, um den sich viele Aktivitäten gruppieren. Der Besucher erfasst die räumliche Einteilung auf den ersten Blick, nur die intimen Räume wie Garderoben und Wellnessbereich bleiben verborgen hinter den schweren Betonfassaden. Die Offenheit des Raumes in Nord-Süd-Richtung bindet die Schwimmhalle an den Grünraum des Maksimir-Parks an. Die Dimension des Innenraumes mit 37 Metern Spannweite liegt zwischen jener eines Zagreber Strassenzuges und der des Grünen Hufeisens, dem repräsentativen Grünraum, der das Stadtzentrum durchzieht. Durch die Vermischung von Innenräumen und Stadträumen werden die Teile des Gebäudes auch zu Teilen eines Ensembles, so wie die gegensätzlichen Architekturen des 19. Jahrhunderts und der Moderne in den für Zagreb typischen «Interpolationen» gemeinsam neue Qualitäten hervorbringen. In der Materialisierung transformiert das Projekt die lokale Tradition der Waschputze und Waschbetonfassaden aus unterschiedlichen Epochen. Die vorfabrizierten Betonelemente, die auch im Innenraum der Schwimmhalle zum Einsatz kommen, wirken durch ihre grobe Körnung und das Abschleifen und Polieren im Werk als edle Überhöhung dieser im Kontext allgegenwärtigen Materialien.

Städtisches Hallenbad Svetice in Zagreb, Kroatien

Bakić & Kulstrunk Architekten, Baden/Zagreb

www.bakickulstrunk.ch

Maksimirska cesta 126, 10000 Zagreb; Bauherrschaft: Stadt Zagreb; Architektur: Bakić & Kulstrunk Architekten, Baden/Zagreb; Chronologie: Wettbewerb 2005, Planungsbeginn 2005, Baubeginn 2009, Bezug 2016; Fotos: Tamás Bujnovszky, Marko Mihaljević

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