Huber Waser Mühlebach, Luzern

Suche nach dem menschlichen Massstab

Seit 2010 arbeiten Thom Huber, Claudio Waser und Claudia Mühlebach im gemeinsamen Büro an jedem ihrer Projekte gemeinsam. Kommunikation als Prinzip eines produktiven Arbeitsumfelds liegt auch ihren Rhyboot-Werkstätten für Menschen mit Behinderung zugrunde. Die Auseinandersetzung mit der Perspektive der Nutzer führte sie zum Entwurf eines Holzbaus, der sich durch innere Durchlässigkeit auszeichnet, aber auch durch seine Hofform Geborgenheit bietet und mittels konstruktiver und farblicher Massnahmen die Orientierung vereinfacht.

Was ist eure Herkunft?

Zwei Urner, die sich vor dem Studium nicht besonders leiden können, und eine Aargauerin, die stets ihre Luzerner Herkunft betonte, lernen sich an der ETH kennen und werden Freunde. Nebst den Entwurfs-Semestern arbeiten wir für erste Kleinaufträge, Ideen- und Studentenwettbewerbe zusammen, der Wunsch für eine spätere Bürogründung keimt auf. Dennoch wählen wir sehr verschiedene Professuren, Praktika und erste Stellen aus – den gemeinsamen Nenner müssen wir bis heute immer wieder neu finden. So war auch Luzern ein guter Kompromiss in der gefühlten Mitte zwischen der Heimweh-Innerschweiz und unserer Studienstadt Zürich.

Was ist euch wichtig im Denken und Entwerfen?

Eine intuitiv entstandene Vorgehensweise leitet unser gemeinsames konzeptuelles Arbeiten. In Form von häufigen und häufig intensiven Diskussionen lenken wir die Entwicklung der Projekte. Es gibt keine klaren Abgrenzungen, wer in welchem Projekt wieviel zu sagen hat. Niemand arbeitet bei uns wochenlang im stillen Kämmerlein vor sich hin, denn wir sind davon überzeugt, dass sich aus dem ständigen Austausch immer wieder aufschlussreiche Erkenntnisse ergeben, die allen Projekten zugute kommen. Für uns steht immer das Projekt im Mittelpunkt. Dieses steht im Spannungsfeld zwischen seiner Umgebung, einer städtebaulichen Haltung und der Nutzung, dem eingeschriebenen Programm. Wir bauen für Menschen, und die Bauten wirken auf die Menschen, deshalb beschäftigt uns die Suche nach der richtigen (menschlichen) Massstäblichkeit stets. Uns interessiert die Ausarbeitung vom Grossen bis ins kleinste Detail, mit dem Ziel, die Konturen des Entwurfs zu schärfen und die ihm zugrunde liegenden Kernideen bis zuletzt zu behüten.

Wie zeigen sich diese Aspekte konkret im Projekt Werkstätten Rhyboot in Altstätten?

Für den Neubau der Rhyboot-Werkstätten für Menschen mit Behinderung haben wir versucht, uns in die zukünftigen Nutzer des Gebäudes zu versetzen und aus deren Sicht das Haus zu formen. So spannen die beiden Gebäudeflügel einen Hof auf, der Geborgenheit bietet, aber auch Begegnungen fördert. Über vier gleichwertige Haupteingänge erreicht man die insgesamt 200 Arbeitsplätzen in Werkstätten im hinteren, Wäscherei, Restaurant und Verwaltung im vorderen Gebäudeteil, die betrieblich über den Aussenraum verbunden sind. Die grosszügigen Arbeits- und Aufenthaltsbereiche winden sich als Raumfolge um die betonierten Erschliessungskerne, nur wenige strukturell bedingte Türen sind zu passieren. Durch die einfache Orientierung über den Hof und die unterstützende Farbgestaltung der künstlerisch bearbeiteten Eingänge, welche die Farben der Abteilungen aufnimmt, fühlt man sich im grossen Haus dennoch nie verloren. Der robuste Holzbau schafft eine angenehme Arbeitsatmosphäre und bringt durch seine rhytmische Gliederung Ruhe in die Räume.

Werkstätten Rhyboot in Altstätten

Huber Waser Mühlebach, Luzern

www.hwm-architekten.ch

Werkstätten Rhyboot in Altstätten

Adresse: Bleichestrasse 2, 9450 Altstätten; Bauherrschaft: Verein Rhyboot, 9450 Altstätten; Chronologie: Offener Wettbewerb 2013, Baubeginn Sommer 2015, Bezug Sommer 2017; Fotos: Roland Bernath

Anzeige