Schneider Türtscher Architekten, Zürich

Von der Dauer erster Gedanken

Ein verschlossenes Couvert, überreicht nach einem Mittagessen … Monate später wandert es vom Stapel für kleine Mehrfamilienhäuser auf denjenigen für unsere neue Web-Rubrik: Der Entwurf von Claudio Schneider (*1981) und Michaela Türtscher (*1984) zeugt nicht nur von grosser Reife, nein – ohne ihn gäbe es die JAS (noch) nicht.

Was ist eure architektonische Herkunft?

Wir führen seit 2013 ein Architekturbüro in Zürich. Im Verlauf unserer Ausbildung entwickelten wir ein starkes Interesse für die städtebauliche und soziale Dimension jeder architektonischen Intervention. Die Auseinandersetzung mit dem Aussenraum und seinen Grenzen vertieften wir im Studium bei Peter Märkli; der Frage nach einem spezifischen und differenzierten Ort gingen wir im ETH-Studio von Gion A. Caminada nach. Neben der Tätigkeit im Büro sind wir in der Forschung respektive in der Lehre an der ETH Zürich aktiv: Michaela Türtscher als Doktorandin bei Laurent Stalder, Claudio Schneider als Entwurfsassistent bei Adam Caruso.

Was ist Euch bei der Arbeit wichtig?

Unsere Herangehensweise an eine architektonische Aufgabe basiert auf dem vorgefunden räumlichen und sozialen Kontext sowie dem Programm; aus beiden formulieren wir eine städtebauliche Idee. Ein Eingriff soll zu lesbaren und differenzierten Raumkonfigurationen führen. Erste Gedanken sind dabei entscheidend, da sie Antworten auf Fragen vorwegnehmen – wie etwa der Ausdruck des Gebäudes oder die Ausrichtung der Innenräume. Die städtebauliche Idee bildet eine Art Leitfaden, der uns durch den Entwurfsprozess begleitet. 

Wie zeichnet sich diese Gedanken im vorgestellten Projekt ab?

Die Grundidee für die Mehrfamilienhäuser in Rüthi SG basiert auf einem gemeinschaftlichen, klar gefassten Aussenraum. Er wird formuliert durch Zwei Wohnhäuser, die sich in ihrer Volumetrie an den nachbarschaftlichen Wohngebäuden orientieren und begrenzt durch einen Portikus im Osten. Dieser dient als gedeckte Erweiterung des gemeinschaftlichen Aussenraums, als Unterstellplatz und Zugang. Die Grundrisse der Häuser sind dreigeteilt und nützen die qualitativen Möglichkeiten eines langen Baukörpers: Mit Haupträumen, die sich entlang der Längsfassaden ausdehnen und Sequenzen dienender Räume in den Mittelteilen. Hierarchien, verschiedene Wege und unterschiedliche Nutzbarkeit führen zu Grosszügigkeit und Flexibilität und erlauben differenzierte Lebenskonzepte. Aussen wie innen bestimmt die angewandte Konstruktion unmittelbar das Erscheinungsbild der fertigen Oberflächen. Farbakzente verändern die Raumwahrnehmung, indem sie etwa einen Sockel andeuten oder von einem Raum in den nächsten leiten. Sie entmaterialisieren die roh belassenen Oberflächen.

Zwei Mehrfamilienhäuser in Rüthi SG

Schneider Türtscher Architekten, Zürich

http://schneidertuertscher.com

Zwei Mehrfamilienhäuser in Rüthi SG

Adresse: Werkstrasse 3 und 3a, 9464 Rüthi; Bauherrschaft: Privat; Architektur: Schneider Türtscher Architekten, Zürich; Bauleitung: Baumanagement Peter Büchel, Schaan; Bausumme total (BKP 1-9): CHF 2'350'000; Chronologie: 2013–14 Planung, 2014–15 Ausführung; Fotos: Johanna Muther, Zürich

Anzeige