Weyell Zipse & Hörner, Basel

Manabar

Der JAS-Redakteur stutzt: Spielkulturzentrum nennt das Architekturtrio ihre im Dezember eröffnete Manabar in Basel. Perfekt für einen Jass, denkt er sich, oder liegt er falsch? Handelt es sich bei der Bar um eine Spielhölle der anderen Art? Grund genug nachzufragen bei Weyell Zipse & Hörner in Basel.

Wie habt ihr zusammengefunden?

Wir kommen alle drei aus Deutschland. Stefan Hörner studierte an der ETH, Christian Weyell und Kai Zipse zusammen in Darmstadt. Durch Praktika während dem Studium sowie diversen Büroanstellungen sind wir jedoch alle der Schweiz schon lange verbunden. Stefan war lange Zeit bei Herzog & de Meuron und hat mit Harry Gugger gelehrt, Christian arbeitete bei HHF und später als Assistent an der ETH mit Kees Christiaanse, Kai war nach dem Studium bei Graber Pulver, bei Caruso St John in London und Miller Maranta in Basel sowie zuletzt an der ETH als Assistent bei Adam Caruso.

Was ist Euch wichtig im Denken und Entwerfen?

Uns interessiert die Frage, was ein Gebäude heute leisten können muss – was eine zeitgenössische Position in Abhängigkeit zur jeweiligen Bauaufgabe sein könnte. Gleichzeitig bewundern wir Gebäude, die trotz eines spezifischen Programms die Zeit zu überdauern scheinen, deren Gerüst so robust ist, dass sie fähig sind, unterschiedlichste Nutzungen und ihre Mutation aufzunehmen. Wir haben Freude daran, uns gute Architektur anzuschauen und von ihr zu lernen. Uns gefällt daher die Sichtweise auf Geschichte als zeitgenössischer Freund, da wir sie immer hier und jetzt betrachten und damit ins Heute zurückholen. Ebenso gefällt uns die Idee einer Architekturproduktion als eine Synthese kultureller Komponenten, wie Literatur, Musik, Filme, Fotografie oder Kunst. Welche Dinge ihren Weg in ein Projekt finden, ist abhängig von der jeweiligen Situation und Thematik, manchmal konkret und manchmal schwammig und schwierig präzise zu benennen.

Und wie zeigen sich das konkret in der Manabar?

Wie erzeugt man räumlichen Reichtum auf kleinem Raum? Wie schafft man Ordnung in Räumlichkeiten, die durch Spuren vorheriger Umbauten und räumlicher Unordnung geprägt sind? Unsere architektonische Antwort resultierte in einer scheinbar widersprüchlichen Strategie: Klare Zonierungen bei gleichzeitiger Auflösung derselben. Als Vorbilder dienten Projekte der frühen Moderne: Theo van Doesburg, Gerrit Rietveld und vor allem Eileen Gray mit der Villa E.1027. Unterschiedliche Farbnuancen definieren Raumzonen am Boden, deren Grenzen jedoch nie eindeutig sind. So erzeugen Farbflächen an den Wänden eine neue räumliche Logik, und das spezifisch entworfene Mobiliar überlagert verschiedene Zonen oder greift um Raumecken. Spiegelflächen steigern diese Überlagerungen visuell. Der Raumeindruck ist quasi konstant in einem Schwebezustand. Uns interessiert dieses Verschwimmen von Grenzen. Wir empfinden das als sehr zeitgenössischen Zustand – nicht nur auf architektonische und städtische, sondern ebenso auf politische und soziale Räume bezogen.

Weyell Zipse & Hörner, Basel

https://wz-h.ch

Manabar, Basel

Standort: Güterstrasse 99, 4053 Basel; Bauherrschaft: Verein für Aufklärung über Internet und Spielkultur, Basel; Chronologie: Direktauftrag 2018, Realisierung: 2019;
Fotograf: Daisuke Hirabayashi

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