26.01.2016

Bedrohte Nachkriegsmoderne

Der Innerschweizer Heimatschutz kämpft um den Erhalt eines besonderen Denkmals der Nachkriegsmoderne: Das Wohlfahrtshaus von Schindler in Ebikon ist trotz Inventaraufnahme vom Abbruch bedroht. Der Fabrikkomplex des Liftherstellers zählt zu den bedeutendsten Industriearchitektur-Ensembles in der Zentralschweiz. Die von einer Architektengemeinschaft um Roland Rohn 1957 auf der grünen Wiese erstellte Anlage setzt mit dem 60 Meter hohen Liftprüfturm in der Landschaft einen starken Akzent.

Als Kontrast zum Funktionalismus der Hauptgebäude entwarf August Boyer das Wohlfahrtshaus auf einem polygonalen Grundriss, ähnlich dem Pavillon im Zürcher Letzibad von Max Frisch von 1942 (vgl. Werk 4–1957, S. 126–128). Boyer suchte mit der Anlehnung an den Landistil nach einem festlichen Ausdruck für sein Gebäude, das die Anlage ergänzt und beseelt.

Heute liegt das Areal inmitten eines kantonalen Entwicklungsgebiets, das seit Jahren von einem Bauboom heimgesucht wird, ohne an die architektonischen Qualitäten der Schindlerbauten anzuknüpfen. Während die Firmenleitung um den Wert der Rohnbauten weiss, bleibt diese Anerkennung dem Wohlfahrtshaus versagt. Nun soll ein wesentlicher Bestandteil dieser Ikone der Nachkriegsschweiz durch eine belanglose Architektur ersetzt werden, dagegen wehrt sich der Innerschweizer Heimatschutz mit einer Einsprache.

— Gerold Kunz
© Gerold Kunz
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