09.06.2021

Eine Ausstellung gewinnt den Binding-Preis für Biodiversität

Mit 100'000 Franken ist er hoch dotiert, der Binding-Preis für Biodiversität, der diese Woche erstmals verliehen wurde.  Und er steckt ein neues Feld ab, dass uns in den nächsten Jahren sehr viel mehr beschäftigen wird.

Zwar schlug schon 1962 Rachel Carson mit dem Bestseller The Silent Spring (Der stumme Frühling) erstmals Alarm. Sie schilderte die Ausplünderung der Natur und das lautlose Verschwinden zahlreicher Arten. Zur gleichen Zeit interpretierte Paolo Pasolini das Ausbleiben der Glühwürmchen als Zeichen für die zerstörerische Ausbreitung der Konsumgesellschaft. Aber trotz ausgebautem Umweltschutz schreitet die Verarmung von Natur und Landschaft erschreckend schnell weiter voran – ganz besonders in reichen und perfektionistischen Ländern wie der Schweiz. Ihre Agrarlandschaft verödet von Jahr zu Jahr mehr.

Die Jury der Sophie und Karl Binding Stiftung hat sich nun entschieden, nicht eine Biobäuerin, keine innovative Landschaftarchitektin und auch nicht die Besitzer eines Biotops als erste mit dem Preis für Biodiversität auszuzeichnen. Ausgezeichnet wurde vielmehr das partizipative Projekt, «Natur findet Stadt», das Gemeinden und Private im Aargau zum Mitmachen einlädt, Anregungen gibt und professionelle Beratung anbietet. Nicht nur an einem Standort, sondern überall im Kanton sollen sich Engagement und Wissen um Biodiversität ausbreiten. Im Fokus stehen die Gemeinden – auch als Vorbilder für Private.

Das Projekt «Natur findet Stadt» des Naturama Aargau gewinnt aus 74 eingereichten Projekten den erstmals ausgeschriebenen Binding Preis für Biodiversität.  Sein cleveres Konzept hat innert Kürze grosse Wirkung entfaltet. 15 Gemeinden und über 250 Private gestalteten bereits ihre Flächen für mehr Natur und Lebensqualität um. 

«Natur findet Stadt» lädt zum Mitmachen und Nachahmen ein, es erreicht die Menschen mit guten Ideen statt mit mahnendem Zeigefinger. Mit dem Erfolg, dass statt dem Wettbewerb um den perfekten Golfrasen neue Must-haves in privaten Gärten ihren Platz finden: Bienenhotels, Steinhaufen oder Schnittholz-Stapel sind heute der Stolz der Gartenbesitzer – und sie bieten Lebensraum für gefährdete Arten.

— Daniel Kurz
Der Naturgarten Miescherheimet in Rothrist kombinert Ruderalflächen mit Totholzbeständen, Trockenmauern mit vielfältigen Stauden und Sträuchern.
© Stefanie Würsch
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