17.09.2019

Brüten zur Baukultur

Bis zum 20. September dauert die Vernehmlassung zur Kulturbotschaft 2021-24, die der Bund Ende Mai veröffentlicht hat. Zahlreiche Stimmen waren bereits dazu zu vernehmen. Angefangen bei einer gemeinsamen Erklärung zahlreicher Verbände und Institutionen, die seit dem 14. August unter dem Titel «Ja, aber» vorliegt. Damit die Verbände nicht politisch gegeneinander ausgespielt werden, haben sie am runden Tisch ein Papier verfasst. Unterschrieben haben es nebst dem BSA/FAS: Schweizer Heimatschutz SHS, Archijeunes, EspaceSuisse, BSLA/FSAP, KSD/CSCM, Materialarchiv, S AM, SIA, VSI/ASAI. Der allgemeine Tenor des Schreibens: Die Unterzeichner befürworten die verstetigten Bemühungen zur Förderung der Baukultur durch den Bund. Den hohen Ansprüchen würden jedoch keine angemessenen finanziellen Mittel gegenüberstehen, monieren sie mit ihrem «Aber».

Nun folgen seit dieser Stellungnahme noch detailliertere Mitteilungen und Hinweise der einzelnen Fachverbände zum Bundestext Strategie Baukultur. Der SIA hat die 48 Seiten am schnellsten gelesen und seine detailliere Exegese bereits Mitte August publiziert. Der Heimatschutz folgte am 12. September und sieht wegen gekürzter Mittel die Baudenkmäler in Gefahr. Der Bund schleiche sich aus der Verantwortung, argumentiert er, und hat naturgemäss auch keine Freude, wenn der Denkmalschutz zukünftig unter Baukultur subsummiert wird.

Schwarzbrot der Baukultur

Ein Abhandeln der einzelnen Punkte ist auch vom BSA nicht zu erwarten. Auf Nachfrage hin zeigt man sich auf der Geschäftsstelle zunächst einmal erfreut über die weiterführende Förderung und dass der kulturelle Wert der Arbeit der BSA-Mitglieder wertgeschätzt wird. Im Gegensatz zum Heimatschutz begrüsst der BSA die Zusammenlegung und Fokussierung unter dem neuen Leitbegriff, denn dieser könne Brücken schlagen in die Politik und die Zivilgesellschaft. Der BSA kritisiert aber gleichwohl die mangelnde finanzielle Unterstützung. Abhilfe könnte ein Fonds schaffen, ähnlich dem Fonds Landschaft Schweiz, mit dem gute Projekte gefördert werden können. Gleichwohl erinnert der BSA daran, dass gute Qualität ihren Preis habe und verweist damit auf den Angriff der Wettbewerbskommission WEKO auf die SIA-Honorarordnungen.

Darüber hinaus gilt ein wichtiger Eckpfeiler des Bundespapiers der Vermittlung. Auch in diesem Feld bietet sich der BSA als zentraler Partner an. In zahllosen Baukommissionen sitzen bereits jetzt schon BSA-Architektinnen und Architekten, die Gemeinden beraten und damit vielfach im Stillen das Schwarzbrot der Baukultur backen. Bei der Vermittlung an Jugendliche verweist der BSA auf den Verein Archijeunes, dessen Vorgängerorganisationen vom BSA gegründet und geführt wurden – heute ist Archijeunes ein etabliertes Instrument, das der Bund breiter fördern könnte.

Grosser Anlass zur Freude ist, dass der Architekturwettbewerb als wichtiges Instrument im Bundespapier verankert ist. Er dient der Qualitätssicherung und der Vermittlung. Doch müsste man hier nicht die Bundesbetriebe wie SBB oder die Post noch mehr in die Pflicht nehmen? Gerade sie könnten mit möglichst offenen Wettbewerben wieder für mehr Goodwill als jüngst sorgen und für die Baukultur einstehen.

Die Stellungnahme des BSA en detail wird demnächst auf der Webseite des BSA aufgeschaltet. Man darf gespannt sein, wie sich diese Anhörung auf den konkreten Verlauf im Weiteren auswirken wird. Bis diesen Freitag 20. September läuft die informelle Anhörung. Anregungen sind an Christina Haas vom Bundesamt für Kultur zu schicken: christina.haas@bak.admin.ch.

Baukultur messen

In der Zwischenzeit hat der Bund weitergebrütet und eine Tagung auf die Beine gestellt. Am 4.–5. November 2019 wird im Pavillon Sicli in Genf zum Thema «Getting the measure of Baukultur» gestritten. Ob und wie Baukultur messbar sei, ist die zentrale Fragestellung, gewürzt mit Vorträgen zum Einfluss des Digitalen auf den öffentlichen Raum und dessen Gestalt. Die Podien sind international besetzt. Beim Studium des Programms, drängt sich die Frage auf: Warum die einschlägigen Fachverbände nicht eingeladen sind, auf dem Podium mitzutun?

Wie vermitteln wir Baukultur?

Was soll überhaupt bei der Baukultur vermittelt werden? Was ist relevantes Wissen? Welche Begriffe, Kategorien, Kriterien sind anwendbar? Das sind die Fragen, die auf mehreren Podien am 8. November in Zürich anstehen. Wer es also etwas weniger abgehoben mag, reist in die Semper-Aula im Hauptgebäude der ETH Zürich. Hier findet die Tagung «Elemente einer baukulturellen Allgemeinbildung» statt, die Kathrin Siebert, die neue Geschäftsführerin von Archijeunes organisiert hat. Sie stellt die Eingangsfrage einer Handvoll eingeladener Professorinnen und Professoren von Architekturschulen. Am Donnerstag 7. November eröffnet die Soziologin Martina Löw um 18 Uhr den Reigen, den ganzen Freitag über wird debattiert. Mehr Informationen finden sich in Kürze auf der Webseite von Archijeunes.

— Roland Züger
© wikicommons
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