15.09.2020

Der schöne Holzwerkstoff

Der Holzbau strebt nach immer neuen Herausforderungen. Das symbolisieren Hochhäuser wie die Suurstoffi in Rotkreuz (Burkart Meyer) und ganze Hochschulen wie die geplanten Projekte der BFH in Biel (pool architekten) oder der Campus Blue Factory in  Fribourg (Behnisch Architekten). Mit den neuen Dimensionen wachsen die Belastungen einzelner Bauteile, vor allem Stützen und Träger. Wenn man sie schlank, aber doch in Holz realisieren möchte, gibt es nur eine Antwort: Hartholz.

Buche, Eiche oder Esche bieten wesentlich mehr Festigkeit als die übliche Fichte und ermöglichen wesentlich schlankere Querschnitte. Doch um Laubholz für grössere Bauteile zu verwenden, ist eine Reihe von Problemen zu lösen: Die hochwertigen, geraden Stammabschnitte sind kurz, und das Laubholz verwindet sich beim Trocknen stärker als Nadelholz. Seit einigen Jahren gibt das deutsche System «Baubuche» – eine Art Sperrholz ­ – eine Antwort auf diese Probleme. Sie kam beispielsweise für die Unterzüge in der Suurstoffi Rotkreuz zur Anwendung. Die hässliche Seitenansicht und die grossen Mengen an Klebstoff können jedoch von diesem Produkt abschrecken.

Seit kurzer Zeit gibt es eine Schweizer Alternative zum deutschen Buchensperrholz: Die junge Firma FAGUS Suisse fertigt im jurassischen Les Breuleux ein wesentlich eleganteres Produkt, Stützen, Träger oder Platten aus massivem Laubholz – in fast beliebigen Dimensionen. Sie sind nicht nur aus einheimischer Buche (lat. Fagus sylvatica) gefertigt, sie zeigen diese auch gleichermassen von allen Seiten.

Die Bauteile sind aus kurzen, schlanken Stäben zusammengesetzt, die sich zu einem fugenlosen, technisch wie visuell homogenen Volumen verbinden. Ein Minimum an Leim reicht dazu aus, Holz liegt auf Holz; für die Festigkeit ist die Keilzinkung der Stirnseiten zusammen mit dem Versatz der Stäbe entscheidend. Die Verbindung von Stäben etwas unterschiedlicher Qualität zu einem grösseren Bauteil gleicht die Unregelmässigkeiten aus und garantiert ein technisch und visuell homogenes Produkt, das in verschiedenen Festigkeitsklassen bestellt werden kann. Das FAGUS-System empfiehlt sich für schlanke Stützen oder Unterzüge, es lässt sich aber auch flächig verwenden – etwa für Brettstapeldecken.

So bewahrheitet sich der Slogan der Firma: «Innovative Architekten und Bauingenieure finden bei ­FAGUS Suisse, worauf sie schon lange warten. Ein massives Schweizer Konstruktionsholz, das sehr hohe Festigkeit mit der natürlichen Ästhetik und den ökologischen Vorzügen von Holz kombiniert.» 

Für die Entwicklung des neuen Produkts arbeiteten Forscher der Berner Fachhochschule BFH (Biel) eng mit Hermann Blumer und weiteren Holzbauspezialisten zusammen. Sie antworten damit auf die Entwicklung im Schweizer Wald, wo im Gefolge der Klimaerwärmung und naturnaher Forstwirtschaft das Laubholz im Vormarsch ist. Den Waldbesitzern bereitet diese Entwicklung Sorgen, denn der Absatzmarkt für Schweizer Laubholz ist klein. Die schönsten Buchen- oder Eschenstämme müssen zu Holzschnitzeln zerhackt oder zu Schleuderpreisen nach Asien exportiert werden. Die Initiative zur FAGUS-Gründung haben daher die (öffentlichen) Waldbesitzer in der buchenholzreichen Nordwestschweiz ergriffen. Im Aktionariat sind auch Sägereien aus verschiedenen Schweizer Regionen vertreten – die geringe Dimension des Stabs als Grundmodul ermöglicht es ihnen, ihr Buchenholz optimal auszunutzen.

Neben den schlanken Querschnitten und der ausserordentlich schönen Oberfläche sind es natürlich auch ökologische Vorzüge, die für Hartholz-Teile von FAGUS Suisse sprechen: Der Rohstoff kommt auf kurzen Transportwegen aus nachhaltiger einheimischer Forstwirtschaft, das fördert die regionale Wertschöpfung. Vor allem aber bindet Buchenholz sehr viel CO2. Statt, wie Stahl oder auch Beton, die Klimabilanz zu belasten, bringt es Pluspunkte in die Nachhaltigkeitsrechnung ein.

Die hauseigene Produktion ist im Frühjahr 2020 im jurassischen Les Breuleux angelaufen – in den Franches Montagnes fand die Firma hier eine geeignete, leerstehende Parkettfabrik. Ein kleines, professionelles Team steuert den stark automatisierten Produktionsprozess.

Produkte, Planunghilfen und erste Referenzen finden sich unter: fagussuisse.ch.

— Daniel Kurz
© Fagus Suisse
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