22.05.2020

In welcher Stadt will ich leben?

Endlich erwacht in Mitteleuropa wieder das Leben in den Städten. Die Lähmung der Coronakrise scheint verflogen angesichts der Rückkehr der Cappuccino-Kultur auf den Trottoirs und Plätzen der Stadt. Der staatlich verordnete Zwangsarrest hat uns vor Augen geführt, dass die privaten Aussenräume wie ein Balkon oder Terrasse, der Blick ins Grüne wertvoll sind. Noch eindrücklicher in Erinnerung bleiben jedoch die nachbarschaftlichen Verabredungen, zum Klatschen oder Singen auf dem Balkon oder zum Apéro, bei dem die Gläser – an langen Holzstangen geführt – zum Klingen gebracht worden sind. Solche Bilder unterstreichen unsere sozialen Bedürfnisse. Diese lassen sich nicht an abgelegenen Orten befriedigen. Dafür braucht es Nähe. Und Nähe bedarf der Dichte.

So fragen wir uns nun mit neuem Blick, welche Art von städtischer Umgebung wir angenehm, lebenswert, ja inspirierend finden. Ein guter Kompass bietet das aktuelle Heft «Dichte Quartiere» zu dichten Stadtquartieren. Nicht die mehr gefühlte, denn gemessene Dichte, sondern ihre Qualitäten hinsichtlich ihrer Zukunftstauglichkeit stehen dabei im Fokus: Wie sieht gelungene Dichte aus? Zeigt sie sich in Form weiter Boulevards und grüner Parks rund um hohe Häuser? Als dicht gesäumter Strassenraum im Sinn der Europäischen Stadt? Als kleinmassstäbliches Geflecht in der Art unserer gewachsenen Altstädte und Dorfkerne? Rezepte gibt es nicht, nur unterschiedlich gelungene Ansätze.

Klar ist: Für ein pulsierendes Stadtleben ist nicht die bauliche Dichte entscheidend, sondern jene an Bewohnerinnen und Bewohnern. Der gegenwärtige Bauboom neuer Wohnungen – meist in Monokultur ohne viel Durchmischung – lässt keine Stadt entstehen.

Wir knüpfen mit der aktuellen Ausgabe «Dichte Quartiere» an eine Reihe von Heften zum Städtebau an, wie etwa wbw 4–2019 (Im Stadtblock), 9-2018 (Ersatzwohnbau), 4-2017 (Stadträume) oder 5-2016 (Zwischenkritik). Auch diese Hefte können bestellt werden. Stöbern Sie in unserem Webshop und profitieren Sie von aktuellen Rabatten.

— Roland Züger
© Roland Züger
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