26.03.2021

Eine Ikone fast zum Anfassen

Ausstellung über Enzo Mari in Mailand

Wer die Ausstellung trotz Corona besuchen möchte, der findet auf der Webseite der Triennale bis zum 11. April eine online-Führung sowie einen virtuellen Rundgang. Auf die eine oder andere Art zeigt sich: Im Kontext der feierlich-ernsten Hallen des Triennale-Hauptgebäudes in Mailand wirkt das Werk von Enzo Mari wie die verspielte Antithese. Und doch unternimmt die Ausstellung von Hans Ulrich Obrist und Francesca Giacomelli vieles, um den Ende 2020 an Covid-19 verstorbenen italienischen Designer in eine zeitlose Dimension zu erheben.

Ein Begriff ist der 1932 geborene Mari manchen vielleicht wegen seines Holz-Puzzles 16 Animali von 1957 oder aufgrund der Anleitungen für den Selbstbau alltäglicher Gegenstände (Autoprogettazione, 1974); gerade letzteres stellt eine Verbindung zur Jetztzeit her. Die architektonisch gezähmte Bricolage von Latten zu Tischen, Stühlen und dergleichen kann gut und gern als stilbildend für jüngere Bemühungen einer inklusiven und nachhaltigen Gestaltung bezeichnet werden.

Die Ausstellung entstand aus einem längeren Dialog zwischen Künstler und Kurator. Sie profitiert von einer ebenso intimen wie panoramatischen Sicht und bildet damit auch ein gutes Stück Design- und Kulturgeschichte ab.

— Tibor Joanelly

Enzo Mari curated by Hans Ulrich Obrist with Francesca Giacomelli
bis 18. April 2020
Triennale Mailand, Viale Alemagna 6, 20121 Mailand
triennale.org

Katalog
Enzo Mari Curated by Hans Ulrich Obrist
Hans Ulrich Obrist, Francesca Giacomelli (Hg.)
544 Seiten, 20 × 30 cm
Electa, Mailand 2020
EUR 49.—
ISBN: 978-8-89189-008-5

16 animali, didaktisches Puzzle-Spiel aus Holz, 1957 (ab 1959 aus Polyurethan). Foto: Federico Villa
© Federico Villa
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Enzo Mari