04.09.2019

Streiten, bevor es zu spät ist

Am 29. August lud der BSA Zürich zu seiner Monatsveranstaltung mit Titel «Hochschulquartier Zürich – Rückblick und Stand der Dinge» ins Cabaret Voltaire ein. Die Diskussionsrunde widerspiegelte in ihrer Grösse und Zusammensetzung die Komplexiät der Aufgabe, was dazu führte, dass man nicht wirklich zum Abschluss gelangte. Und das ist wohl auch richtig und gut so, denn die hitzige Debatte um das Hochschulquartier muss weitergehen; streiten soll man schliesslich, bevor es zu spät ist.

Der BSA pflege die kontroverse Diskussion sagte Obmann Daniel Bosshard zu Beginn des Abends. Und ja, die Diskussion war kontrovers – kein Wunder bei einer derart komplexen Aufgabe mit diversen Akteuren, die unterschiedliche Interessen verfolgen und ungleiche Sprachen sprechen.

Engagiert Euch!

Was es braucht bei städtebaulichen Grossprojekten wie dem Zürcher Hochschulquartier sind Spiel- und Denkräume, kein starres Korsett, die Eigeninitiative von Architektinnen und Architekten, und ausserdem die Fähigkeit, Fehler einzugestehen im Dienst der Sache. Mike Guyer blickte kritisch zurück, ganz im Gegensatz zu Wilhelm Natrup, der nur von «Learnings» sprach. Nicht zur Freude des Publikums. So lobte Guyer, der eine Vertiefungsstudie mit seinem Büro Gigon Guyer zur städtebaulichen Verträglichkeit des Masterplans 2014 durchführte, Lorenzo Giulianis Engagement. Als Jurymitglied für das Universitätsspital (USZ Kernareal), den das Team Christ & Gantenbein mit b+p Baurealisation zu Beginn des Jahres für sich entscheiden sollte (vgl. «Gebändigte Klumpen», wbw 3–2019), wollte Giuliani «mit einem guten Gefühl an den Wettbewerb herangehen» und forderte, mit dem Büro Roger Boltshauser eine Studie durchführen zu können. Ergebnis: die Hauptnutzfläche wurde im Gegensatz zur Testplanung um rund einen Drittel reduziert.

Wo sind die Jungen?

Wir schrieben an dieser Stelle (vgl. «Zürcher Hochschulgebiet: Planer fordern mehr Qualität», werk-notiz vom 14.7.2017), «die Planer fordern mehr Städtebau». Nach diesem Abend muss es heissen: Planende, engagiert Euch, für architektonische und städtebauliche Qualität braucht es gute Jurys, die Planenden sollen nicht zu Erfüllungsgehilfen der Besteller werden, ein intellektueller Aufwand der Bauherrschaft(en) ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Testplanung, Betrieb und Städtebau sind als Entität zu sehen.

Eine grosse Frage bleibt mit Blick ins doch eher gesetzte Publikum des Abends: Wo sind die Jungen? Die Realisierung dieses Mehrgenerationenprojekts wird in Etappen erfolgen, voraussichtlich von 2030 bis 2045. Die heute Dreissigjährigen sind dann im baufähigen Alter. Ihre Kinder und Enkel werden im neuen Hochschulquartier leben, studieren oder medizinisch betreut werden. Wäre es da nicht angebracht, mitzudiskutieren oder immerhin zuzuhören?

— Jenny Keller
© HGZZ
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