24.05.2019

Raum für Experimente

Bereits zum vierten Mal schreibt der Schweizer Werkbund einen Aufenthalt in der Siedlung Neubühl in Zürich-Wollishofen aus. Personen mit gestalterischen Berufen haben dort die Möglichkeit fünf Monate lang das sogenannte Experimenthaus zu bewohnen. Es geht um eins der Reihenhäuser mit drei Zimmer, Küche, Bad und Garten – doch um in der Vorzeigesiedlung des Neuen Bauens einziehen zu dürfen, braucht der Artist in Residence in spe ein überzeugendes Konzept für drei öffentliche Salons zum Thema Wohnen. 

Die Auseinandersetzung mit Wohnfragen hat in der Siedlung Tradition. Unter dem Patronat des Schweizer Werkbundes zwischen 1929 und 1931 von einer jungen Schweizer Architektur-Avantgarde erbaut, stand das Neubühl in der Reihe von internationalen Wohnausstellungen zum Neuen Bauen. Neues Bauen hiess auch Neues Wohnen. Als Ausdruck dafür umgab man sich in den hellen, kargen Wohnungen mit einer neuen Dingwelt aus reiner Form und Zweckmässigkeit. 

Während ihres Aufenthalts sind die Bewohner auch Saloniérs. Sie organisieren im weitgehend original erhaltenen Experimenthaus öffentliche Salons, laden Gäste ein oder organisieren Diskussionsrunden; man bereitet gemeinsam den Apéro vor, macht einander bekannt und tauscht sich aus. Zusätzlich sollen künstlerische Auseinandersetzungen als Ausstellungen oder freie Darbietungen die Besucher zur Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen anregen.

Das Haus lässt sich für wenig Geld allein oder zu zweit bewohnen; man kann sich auch zu dritt als Gruppe bewerben. Hat man sich mal eingelebt, lässt sich der Aufenthalt auf zehn Monate und weitere Salons verlängern. Zögern lohnt sich nicht, denn der Bewerbungsschluss ist bereits am 30. Juni.

— Lucia Gratz
Blick aus dem Wohnzimmer des Experimenthauses
© Reto Gadola
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