15.05.2018

Junge Denkmäler

Vier ganze Seiten des Feuilletons in der Neuen Zürcher Zeitung hatte die neue Feuilleton-Redaktorin Antje Stahl freigeräumt. Manch einer rieb sich die Augen am vergangenen Samstag, als er die Zeitung aufschlug. Die vier Seiten waren gefüllt mit Statements über Abriss oder Denkmalschutz ausgesuchter Bauzeugen. Die Denkmalschutz-Fragen im Allgemeinen, zum Umgang mit Bauten der Hochkonjunktur im Speziellen treibt viele derzeit um. 

Nun organisiert der Bund Schweizer Architekten BSA im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahrs 2018 eine Wanderausstellung. Die Tour beginnt am 25. Mai auf der Dachterrasse des Basler Universitätsspitals. Der BSA setzt damit das Thema weiterhin auf seine Agenda, mit verbreitertem Sendungsbewusstsein. Im letzten Jahr gab er bereits die Publikation zu seiner Tagung «Das 20. Jahrhundert unter Denkmalschutz?» heraus. Und: Ältere Leser mögen sich erinnern, vor fünf Jahren waren die zentralen Herausforderungen bei Jungen Denkmälern auch im wbw-Heft 10–2013 präsent.

Aber womit die Fachdebatten längst ganze Hörsäle füllen, kommt erst gemächlich in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger hierzulande an. Hier führen noch immer die Klischees das Regiment. Hinzukommt: In zahlreichen Kantonen werden die Inventare momentan nicht gerade ausgeweitet, damit auch jüngere Denkmäler Schutz finden. Das Gegenteil findet statt: Inventarentlassungen oder -reduktionen. Schlechtes Omen für die Baukultur.

So ist es umso wichtiger, dass eine breitere Wirksamkeit für baukulturelle Anliegen erzielt werden kann. Hier gibt es viel zu tun, die Argumente der Fachdebatten der Allgemeinheit zu vermitteln. Derzeit ist das Erbe der Aufbruchsjahre unter Druck, und mit ihm der Optimismus, wie der BSA in seiner Medienmitteilung zur Ausstellung treffend schreibt. 60 Prozent der Bausubstanz der Schweiz entstanden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie prägen das Gesicht unseres Landes. Die gemeinsame Sorge darum soll unser Ansporn sein. Die BSA-Wanderausstellung «Junge Denkmäler – Architektur des Aufbruchs» macht einen wichtigen Schritt.

— Roland Züger

Vernissage der BSA-Wanderausstellung
Freitag, 25. Mai 2018, 18:30 Uhr

Terrasse des Universitätsspitals Basel, Spitalstrasse 21

Die Stationen der BSA-Wanderausstellung

Basel, Universitätsspital
, 25.5. – 4.6.
Bellinzona, Piazza Governo
, 7.6. – 18.6.
Luzern, Schulhaus Grenzhof
, 21.6. – 24.6.
Bern, Meret-Oppenheim-Brunnen
, 5.7. – 18.7.
Genève, Plaine du Plainpalais
, 31.8. – 6.9.
Zürich, Seepromenade / Höschgasse
, 15.9. – 24.9.
Lausanne, f'ar forum d'architectures
, 24.9. – 30.9.
St. Gallen, Architekturforum Ostschweiz
, 22.10. – 1.11.
Langenthal, Designer’s Saturday, 2.11. – 4.11.
Basel, S AM, 
10.11. – 12.11.

BSA-Wanderausstellung
© BSA-FAS
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