12.06.2017

Kunstpreis für Architektur

Im Rahmen der ART BASEL verlieh das Bundesamt für Kultur heute Montag, 12. Juni an der Ausstellung Swiss Art Awards die Schweizer Kunstpreise. Wie jedes Jahr ist ein Hauptpreis für die Kategorie Architektur reserviert – es handelt sich übrigens um die einzige Architekturauszeichnung des Bundes.
Gewonnen hat ihn das junge Team von Charlotte Truwant und Dries Rodet, ein Belgier und eine Französin, die beide unter anderem bei Pascal Flammer gearbeitet haben und in Basel eine offene Bürogemeinschaft pflegen. Ihre Installation Pavilion beherrscht die gesamte Ausstellungshalle, sie strahlt wie die aufgehende Sonne über die Kojen und Kabinette hinweg, in denen die rund 50 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke ausstellen: Es ist eine riesige, metallisch spiegelnde Kugel, die aus der Ausstellungskoje hinauswächst und das Geschehen in der Halle wie ein Fischauge verkürzt wiedergibt. Betritt man die Koje selbst, fühlt man sehr körperlich das lastende Volumen der Kugel, und ihre spiegelnde Oberfläche gibt jetzt die grossformatigen Pläne an den Innenwänden wieder, die gebaute Projekte des Architektenteams zeigen. Beim Umhergehen wechselt das Gefühl mit jedem Schritt zwischen Dunkel und Helligkeit, Enge und Weite. Mit ihrer im Grunde einfachen Intervention ist es Dries Rodet und Charlotte Truwant gelungen, vielschichtig erlebbare Raumeindrücke zu erzeugen und damit Architektur nicht nur zu zeigen, sondern zu schaffen.
Am Wettbewerb beteiligte sich das Tessiner Studio Inches mit einer feinsinnigen Arbeit über die Verantwortung des Architekten im gebauten Kontext – zum Ausdruck gebracht mit einer tiefen Verneigung vor dem Meister Livio Vacchini. Das Genfer Jungbüro saas spielt ironisch mit den Grundelementen der Architektur – Säule, Wand, Boden: Die polierten Marmorplatten lagern auf einer Dämmschicht aus Kunststoff, und der bedeutungsvolle Schrein in der Mitte ist aus Marmor und Styropor – er enthält eine teerartige Ölmasse. Das schweizerisch-russische Büro Kosmos baute eine ebenso zerbrechlich wie abweisend wirkende Mauer aus Materialien, die Schutz oder Abwehr versprechen: vom Schaumstoffpolster bis Natodraht. Weniger zugänglich erweist sich der Beitrag von Naoko Hara, die mit Werkplänen und Frottagen den Umbau eines Maiensäss in den Bergen dokumentiert.
Natürlich lohnen insbesondere die sehr viel zahlreicheren Beiträge in der Kategorie Kunst den Besuch der Ausstellung – ebenso wie jene des Designpreises Schweiz, die parallel ausgestellt sind. Wer die Doppelausstellung selbst sehen möchte, muss sich freilich beeilen: Sie dauert wie die ART BASEL nur bis zum 18. Juni.

Ausstellung
13. bis 18. Juni, täglich 10-19 Uhr; Eintritt frei

— Daniel Kurz
© Courtesy BAK, Guadalupe Ruiz
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