09.12.2015

Mehr als Architektur

Simple Things: So lautete der Titel des Beitrags über die junge britische Architektur-Avantgarde in werk, bauen + wohnen 5-2015 über Knappheit. Genau diese Einfachheit, diese Direktheit und ja – auch diese Freude an der Aktion, am Verändern, am Stören – zeichnen das Wirken der Londoner Architektengruppe Assemble aus. Ihre Bauten und Aktionen sind das Gegenteil von autonom: Sie wachsen aus einem Ort hervor und haben einen unmittelbaren Bezug zu den Menschen dort. Sie wandeln im Grenzbereich zwischen Kunst und Architektur, agieren jedoch weit weg von den ausser Rand und Band geratenen Kunst- und Immobilienmärkten – jener Welt, die uns zunehmend verstört und abstösst. Assembles Aktionen finden auf der Strasse statt und verteidigen so aktiv die Öffentlichkeit dieses Raumes, der zunehmend privatisiert wird.

Umso mehr freuen wir uns, dass ausgerechnet das Kollektiv Assemble dieses Jahr den renommierten Turner-Preis erhält. Den mit 25'000 Pfund dotierten Preis vergibt die Tate Britain an Künstlerinnen und Künstler unter 50 Jahren. Wir gratulieren, senden unsere besten Wünsche nach London und wünschen uns, dass wenigstens ein bisschen dieses aufmüpfigen Londoner Geistes in die Schweiz schweben möge.

— Caspar Schärer
© Herald St, London
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