26.07.2019

Lernen vom fernen Land

Das Projekt «Learning from Mexico» ist aus Neugierde entstanden. Während einer Kaffeepause im Büro in Zürich blätterte ich durch das werk, bauen + wohnen. Der Blick und mein Interesse blieben an einem Artikel über junge mexikanische Architekten hängen. Meine Recherchelust wurde geweckt und liess nicht mehr nach. Was ich über mexikanische Architekten und ihre Arbeitsweise las, führte dazu, dass ich meine Arbeitsstelle kündigte und mir wenig später einen Flug nach Mexiko Stadt buchte.

Mein Name ist Laure Nashed. Ich bin eine junge, wissensdurstige, vielseitig interessierte, zielstrebige, etwas naive Architektin. «Learning from Mexico» soll eine Plattform darstellen, in der ich meine Erfahrungen, Erkenntnisse, Recherchen und Beobachtungen teilen kann. werk, bauen + wohnen begleitet mich bei meiner Lern- und Entdeckungsreise auf der Suche nach insprierender, authentischer und experimentierfreudiger Architektur, die echt für die Menschen gedacht ist. Wichtiger Bestandteil meines Blogprojektes sind Gespräche, die ich mit Architekten, Stadtplanern und Designern führe. Meine Gesprächspartner helfen mir zu verstehen, was wir von Mexiko lernen können.

Das erste Gesprächs-Duo bilden der Schweizer Jachen Schleich und der Mexikaner Derek Dellekamp vom erfolgreichen Büro Dellekamp Schleich mit Sitz in Mexiko-Stadt. Protagonist ihrer Architektur ist immer die Struktur, die nicht aus dem Budget gekürzt werden kann. Im Gespräch zeigen sie auf, wie sie persönlich mit den oftmals chaotischen Bedingungen in Mexiko umgehen. Luca Salas, mein nächster Gesprächsgast plant das Licht für mexikanische Architekten. Nachdem die deutsche Lichtplanerin Ulrike Brandi ihm ihr Wissen weitergegeben hat, kehrte er nach Mexiko-Stadt zurück. Er erzählt wie er seine Arbeit versteht und wie er mit den Architekten tanzt. Als Architektur-Aktivist wird der darauf folgende Gast beschrieben. Arturo Ortiz kritisiert offen und scharf die mexikanische Architekturszene. Seine Kritik betrifft die Ignoranz der renommierten Architekten Mexikos in Bezug auf die omnipräsenten und wesentlichen Probleme der Hauptstadt. Die Sichtweise meiner zukünftigen Arbeitgeberin Tatiana Bilbao hoffe ich ebenfalls bald einfangen zu können. Mich interessiert nicht nur das Bauen und Entwerfen an sich sondern hoffe ich ebenfalls, Planer und Gestalter kennenzulernen, die mich in ihrer Haltung und ihrer Persönlichkeit inspirieren.

Seit März 2019 lebe ich nun in Mexiko. Ich hatte mich noch in der Schweiz im Architekturbüro von Tatiana Bilbao beworben und eine Zusage erhalten. Nach Ankunft in Mexiko-Stadt war ich zuerst einmal überwältigt von dieser unendlich grossen Stadt. Ohne die Sprache des Landes zu sprechen, erkundete ich die Hauptstadt und den geschichtsträchtigen Süden Mexikos. Der Plan, Anfang Mai meine Arbeitsstelle bei Tatiana Bilbao anzutreten, scheiterte jedoch an den Hürden des Visumsverfahrens, der Antrag auf eine Arbeitsbewilligung wartet seit nunmehr vier Monaten auf Antwort. Meinen Schritt ins Unbekannte habe ich jedoch noch keine Sekunde bereut. Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Offenheit meiner mexikanischen Freunde ist so überwältigend wie die kulturellen und architektonischen Schätze dieses Landes. Die Architekturszene in Mexiko-Stadt hat sich in den letzten zehn Jahren zu einer der wichtigsten in Lateinamerika entwickelt. Eifrig produziert sie trotz teils erschwerter Bedingungen hochwertige Architektur.

In der Hoffnung, Menschen mit meinem Entdeckungsprojekt inspirieren zu können, wünsche ich den Lesern und Hörern viel Vergnügen.

— Laure Nashed

Hier gehts zu Laure Nasheds Blog «Learning from Mexico».

© Laure Nashed
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