16.03.2016

Prix Meret Oppenheim für Martin Steinmann

Er ist ein Mann der leisen Töne und trotzdem einer, der sich Gehör zu verschaffen weiss. Jetzt hat ihn das Bundesamt für Kultur mit der höchsten Kunstauszeichnung des Landes, dem Prix Meret Oppenheim geehrt.

Steinmanns erste Ausstellung mit dem Titel «Tendenzen, Neuere Architektur im Tessin» machte 1975 die Tessiner Tendenza über Nacht international bekannt. Als Redaktor der archithese hat Martin Steinmann ab 1980 auf subtile und wirksame Art die Schweizer Architekturdebatte belebt und mit monografischen Heften über Hans Bernoulli, Franz Scheibler oder auch Kay Fisker die Geschichte der Moderne aufgearbeitet.

Im Wohnungsbau fand Martin Steinmann ein unerschöpfliches Forschungsfeld. Dabei interessiert ihn das Regelhafte mehr als das Auffallende. «Einfache Architektur», entwickelt aus der Konstruktion und zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Bewohner, steht im Zentrum seiner Recherchen. Dies erklärt Steinmanns Nähe zur Architektur von Roger Diener, mit dem zusammen er im vergangenen Sommer die Erweiterung des Stadtmuseums Aarau entworfen und realisiert hat.

Martin Steinmann plädiert für eine phänomenologische Wahrnehmung von Architektur. Sie fokussiert auf die unmittelbar körperlich empfundenen Eigenschaften von Räumen – jenseits oder vielmehr vor den Bedeutungen und Referenzen, die sich darin manifestieren. Ein subjektiver Zugang, der an den Erklärungen der Architekten vorbei direkt auf die Qualität des Raums selbst zielt und überraschende Architekturanalysen ermöglicht.

— Daniel Kurz
© Tabea Feuerstein
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