08.03.2017

Produktive Fragen an die Architektur

Wir sind es gewohnt, dass Architektinnen und Architekten über sich selbst sprechen, über ihre Absichten, Theorien oder Referenzen. Seltener kommt es vor, dass sie miteinander reden, debattieren und Stellung beziehen. Dies geschieht, in ebenso anregender wie unterhaltsamer Weise an den «Blind Dates» im S AM Basel, den Begleitveranstaltungen zur aktuellen Ausstellung «Schweizweit». Zum nächsten Mal am Donnerstag 16. März.
Drei Fragen hatte das S AM den 162 meist jüngeren Schweizer Büros gestellt, die es in der aktuellen Ausstellung präsentiert. Fragen nach dem eigenen Beitrag, nach inspirierenden Bauten und nach Bildern des vernakulären Bauens, die für sie Bedeutung besitzen. Die Ausstellung im S AM breitet die Antworten als Bilderteppich vor den Besuchern aus und gibt so einen Überblick über die Breite des Schaffens. Die verschiedenen Ansätze, Orientierungen und Fragen lassen sich in der grossen Zahl erahnen: Vertiefte Einblicke in den Stand der Diskussionen geben die «Blind Dates»: An vier Abenden debattieren jeweils zwanzig Exponentinnen und Exponenten aus allen Landesgegenden über das, was sie beschäftigt.
Am zweiten Abend ging es zeitweise ziemlich heftig zu und her. Es waren Fragen nach Stadt und Land und nach der Bedeutung des Historischen, welche die Gemüter erhitzten. Harry Gugger und Matthias Müller (EM2N) provozierten mit der Behauptung, dass die ganze Schweiz eine Stadt sei – und das, was sich immer noch Land nenne, ein Ort verlogener Langeweile. «Es gibt Orte, aber nicht Stadt oder Land», so Harry Gugger. Ihm widersprach Roger Boltshauser: es gehe eben darum, klare Grenzen zu ziehen und Unterschiede und Identitäten zu stärken. Catherine Gay und Götz Menzel aus Monthey wiederum zeigten auf, dass die Kleinstadt auf dem Land durchaus eigene Probleme zu lösen hat. Während die etwas älteren Architekten offensiv mit Schlagworten operierten, suchten die Jungen nach Antworten im Konkreten, in der Architektur. Die Sehnsucht nach dem Schönen, nach einer heilen Welt vielleicht, traf hart auf den Realismus derer, die in den Widersprüchen des globalisierten Alltags ihre Themen finden.
Die Debatte geht weiter, das Format der grossen Runden steht relevanten Diskussionen nicht im Weg – es bringt Personen und Positionen zusammen, die sich sonst kaum begegnen. Und birgt Überraschungen – nicht nur, was die Namen der Teilnehmenden betrifft: diese werden erst am Abend selbst bekannt gegeben.

— Daniel Kurz
© S AM
Anzeige