23.03.2017

Umsichtig gewerkt

Tue Gutes und berichte daüber! Zum vierten Mal hat der SIA die Auszeichnung Umsicht-Regards-Sguardi vergeben. Mit dem Preis werden Arbeiten gekürt, die ökologisch und sozial nachhaltig und interdisziplinär geplant wurden. Die diesjährigen Projekte spannen von der Flussrevitalisierung der Aïre in Genf (federführend: Atelier Descombes & Rampini) über die Entwicklung einer Plattform für Haustechnik an der EMPA (Gramazio Kohler Architekten) bis zum bahntechnischen und städtebaulichen Ausbau des Bahnhofs Oerlikon (10:8 Architekten). Letzteren stellen wir im kommenden Heft vor, das am 7. April erscheint.
Bezeichnend für die prämierten Arbeiten ist die Umsicht, mit der zu Werke gegangen wurde. So hat man beim Ausbau des Kraftwerks Hagneck bei Biel (durch Penzel Valier Architekten und Bauingenieure) Biologen und Wasserbauingenieure ebenso grundsätzlich in die Projektierung einbezogen wie die Denkmalpflege und Landschaftsarchitekten (Raymond Vogel Landschaftsarchitektur). Oder bei den Ricomposizioni von Tessiner Alpen hat eine Gruppe um den Tessiner Architekten Martino Pedrozzi die verstreuten Steine der einstigen Alphütten sorgsam zu Gevierten zusammengetragen, die nun von der einstigen Nutzung zeugen und zugleich einen aktiven Beitrag zur Landschaftspflege leisten (die Arbeit erhielt eine Anerkennung). Soziale Umsicht zeigten Nickisch Walder Architekten bei der Renovation des alten Schulhauses Valendas – oder besser Voraussicht: Der lange leer stehende Bau ist nun das Besucherzentrum des Naturparks Beverin und Symbol für eine beginnende nachhaltige Entwicklung der ganzen Region. Ein ähnlicher Gedanke steht auch hinter der Wohnsiedlung Zwicky Süd von Schneider Studer Primas: Als Trittstein für Urbanität sorgt die Siedlung für soziale Kohäsion in der durch private Interessen geprägten Agglomeration. Zwicky Süd war auch der Star im aktuellen Heft über nachhaltig günstiges Wohnen.
Allen Projekten gemeinsam ist der architektonische Modus, in dem die Arbeit angegangen wurde. Ob beim technischen Laborbauwerk oder der Siedlung: Architektur ist mehr als gute Gestaltung der Form; sie bedeutet ein grundsätzliches Einstehen für Lebensqualität, Dauer und die Schönheit von Prozessen. Da freuen wir uns mit den Preisträgern und dem SIA und berichten gerne davon!

Die ausgezeichneten Projekte werden in einer Wanderausstellung vorgestellt, erste Station ist der Stadtmodellraum im Zürcher Amtshaus IV (27.3.–30.3.2017). Danach ist die Ausstellung in verschiedenen Regionen zu Gast.

— Tibor Joanelly
© Pino Brioschi
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