05.09.2018

Zu besichtigen: Vielfalt

Das letzte und die drei kommenden Wochenenden stehen ganz im Zeichen der Baukultur und des Europäischen Kulturerbejahres. Die diesjährigen Denkmaltage stellen das Gemeinsame in den Vordergrund und machen eine Vielzahl von Bauten zugänglich. Wer im Schweizer Programm blättert oder scrollt, der findet weniger die bedrohten als die unbestrittenen Beispiele historischer Bausubstanz.

Ganz so vorbildlich, wie sich unser Denkmalbestand präsentiert, ist der Umgang damit aber nicht. Es fällt auf, dass politische Entscheide noch immer oft eher entlang von Erwägungen zu Kosten und Nutzen erfolgen statt nach solchen des kulturellen Werts. Ein Beispiel unter anderen gibt die Kontroverse um das Schulhaus Grenzhof in Luzern Littau, eine Anlage, die 1964 und 1967 durch die Luzerner Architekten Friedrich E. Hodel und Hans U. Gübelin gebaut worden ist. Die bedrohte Schule ist mit ein Grund, weshalb sich 2017 aus SIA, Werkbund, BSA und Heimatschutz die IG Baukultur der Moderne Zentralschweiz formiert hat. Zum Grenzhof organisiert sie am 20. September ein Podium.
Der Zusammenschluss der Verbände in der Zentralschweiz müsste Schule machen. Eine gemeinsame Haltung zur Baukultur (der Moderne) wird so besser von der Politik gehört, und nicht zuletzt wird das Wort «Baukultur» durch konkretes Engagement vor Sinnentleerung geschützt.

Dass sich die Architekten- (und Ingenieur-)Verbände dem jüngeren Baudenkmal verschreiben, hat weiterreichende Gründe. Zuerst einmal werden die guten Bauten von heute potenziell die Denkmäler von morgen sein; und dann sind es auch die Denkmäler, von denen nicht nur Architekturschaffende lernen können. Ihre Pflege und Erneuerung sind in der Praxis herausfordernd bis entdeckungsreich – und schaffen darum gesellschaftlichen Mehrwert auch über das Metier hinaus.

Der jährlich wiederkehrende Reigen der Denkmaltage stellt mittlerweile den Courant normal dar. So gesehen ist es nicht weiter schlimm, dass das Motto Ohne Grenzen sehr weit gefasst ist und mehr die Vielfalt von Programm und Engagement abbildet, als eine aktuelle Ideologie oder Lehre. Gerade das zeigt aber, dass Baudenkmäler mitten in der Gesellschaft stehen, zu mehr als kultureller Bereicherung beitragen und so eine wichtige Aufgabe erfüllen. Und das weit entfernt von Retro-Chic oder Nostalgie.

— Tibor Joanelly

Europäische Tage des Denkmals
Ohne Grenzen
8./9., 15./16. und 22./23. September
Programm

© Hans Eggermann, Fotodok / Stadtarchiv Luzern
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