14.07.2017

Zürcher Hochschulgebiet: Planer fordern mehr Qualität

Der Kanton Zürich setzt seine Planung im Zürcher Hochschulgebiet (vgl. «Dichte Packung», wbw 4–2016) unbeirrt fort. Die grossen und überhohen Volumen der geplanten Neubauten von Hochschulen und Universitätsspital drohen das Quartier zu erdrücken. Nachdem das Kantonsparlament dem um 10 Prozent abgespeckten Programm im Richtplan seinen Segen gegeben hat, werden gegenwärtig parallel die Gestaltungspläne für die Teilareale festgesetzt und die ersten Wettbewerbe vorbereitet.
Jede Bauherrschaft ist bestrebt, ihre Bauvorhaben zügig abzuwickeln. Hier stellt sich dabei aber ein dopppeltes Problem: erstens geht es um ein ganzes Quartier, und zweitens setzt sich die Bauherrschaft selbst den planerischen Rahmen – Einsprachen sind nur begrenzt möglich.

Kritik der Planerverbände

Das Vorgehen des Kantons kritisierte jüngst die KZPV, der Zusammenschluss aller Zürcher Planer- und Architektenverbände, der auch die BSA Ortsgruppe Zürich angehört. Die Aufteilung des Gebiets in einzelne, eng gefasste Gestaltungsplanareale lasse eine Gesamtsicht vermissen, qualitätvolle Freiräume an den Schnittstellen seien nicht gesichert. Die KZPV zeigt sich zudem «befremdet über das rasche Vorgehen in der Nutzungsplanung» des Kantons. Die Gestaltungspläne wurden bereits öffentlich aufgelegt, noch bevor das Workshopverfahren «Stadtraumkonzept HGZZ» mit Betroffenen und Fachverbänden angelaufen war: Es ist so kaum vorstellbar, dass wesentliche Erkenntnisse dieses Verfahrens rechtzeitig in die konkrete Planung einfliessen.

Mehr Städtebau tut not

Die Verbände verlangen vor allem, dass die Gestaltungspläne nicht vor dem Abschluss des Workshopverfahrens zum Stadtraumkonzept festgesetzt werden. Und sie fordern, dass die Bearbeitungsperimeter weiter gefasst werden und sich auch über Strassen hinweg überlappen, «um stadträumliche Verknüpfungen zu ermöglichen». Kurz: Die Planer fordern mehr Städtebau!
Dass die Planerverbände eigens die an sich selbstverständlichen Forderungen nach Wettbewerben gemäss SIA 142, nach unabhängigen Fachpreisrichtern in den Jurys und nach der Öffnung des Teilnehmerfeldes auch für Nicht-Spitalspezialisten erheben müssen, gibt einen tiefen Einblick in die technokratisch geprägte Natur der Planung im Zürcher Hochschulquartier. Umso mehr ist zu hoffen, dass die geballte Fachkompetenz der KZPV bei den Verantwortlichen Gehör findet.

— Daniel Kurz
Hochschulgebiet Zürich, Übersicht der Gestaltungsplan-Perimeter.
© Baudirektion Kanton Zürich
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