Barbara Buser, die berühmte Basler Architektin und Re-use-Pionierin, geht in Rente. Was geschieht nun mit ihren vier erfolgreichen Firmen, den zahlreichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und vor allem ihrem Geschäftspartner Erich Honegger? Das ist die Prämisse des Dokumentarfilms Barbara Buser. Pionierin der Nachhaltigkeit der Berner Regisseurin Gabriele Schärer. Darin geht sie dem persönlichen und beruflichen Werdegang der ganz und gar untypischen Architektin auf die Spur.
Barbara Buser studierte in den späten 1970er Jahren Architektur an der ETH Zürich und diplomierte zu einer Zeit, in der es mehr Absolventen als Absolventinnen und mehr Absolventinnen als Jobangebote gab. Also zog es sie zunächst ins Ausland. Sie fand einen Job in der Entwicklungszusammenarbeit und koordinierte frischdiplomiert ein Brunnenbauprojekt in Südsudan. Bevor sie lernte, Häuser zu planen, lernte sie also, grosse Teams zu führen, zu improvisieren und das Potenzial in Menschen und in den bescheidenen, vorhandenen Dingen zu erkennen. Nach über zehn Jahren – mit weiteren Stationen in Tansania und Portugal – kehrte sie nach Basel zurück. Im Gepäck das Wissen, dass es so etwas wie Müll nicht gibt. «Was für den einen Abfall ist, ist für den anderen ein Rohstoff», sagt sie in einem der zahlreichen Interviews im Film. Man merkt schnell, wo die Weichen für ihr späteres Schaffen gestellt wurden.
Die zweistündige Dokumentation erzählt von den vielen Projekten, an denen Barbara Buser in und um Basel gewirkt hat. Unter anderem dem Gundeldinger Feld, der ehemaligen Maschinenfabrik. Dort bewies sie mit Erich Honegger und ihrem Team, dass eine gemeinwohlorientierte Transformation auch wirtschaftlich tragfähig ist. Der Film zeigt sie als Macherin, die nie auf nur architektonischer Ebene an Projekten wirkt. Umbauten entwirft sie ebenso wie Gastronomiekonzepte oder Finanzierungspläne. Innerhalb irgendwelcher Grenzen der Disziplin bewegte sie sich nie, also war es auch kein Problem, darüber hinauszugehen. Ihr grösstes Talent: Sie ist Visionärin und Realistin zugleich, versteht sich auf die Sprache der Investorinnen genauso wie die Sprache der Handwerker. Es überrascht also nicht, dass es für die Zeit nach ihrem Ruhestand bereits viele Ideen gibt.
Dieses Porträt bietet sowohl Architekturschaffenden als auch einem breiteren Filmpublikum inspirierende Einblicke in die grosse Persönlichkeit hinter dem Baubüro in situ. Eine Kinoempfehlung. Infos zu Vorführzeiten- und Orten finden sich auf dieser Webseite.