Anlässlich des Tags der Architektur am 7. Juni 2026 hat das Architekturinstitut Flandern VAi erstmals einen Architekturpreis vergeben. Zur Auswahl standen mehr als 300 Einreichungen aus Flandern und Brüssel. Daraus nominierte die Jury mit der neuen Vlaamse Bouwmeesterin Véronique Claessens, der Architektinnen Mechthild Stuhlmacher und Sumayya Vally zwanzig Projekte für eine Shortlist. In fünf Kategorien (Lernen, Treffen, Arbeiten, Leben, Fürsorge) ermittelte die Jury jeweils ein Siegerprojekt – hinzu kam der Publikumspreis. Auf der VAi-Webseite werden die Siegerprojekte mit Kurzfilmen vorgestellt.
Der Fokus der Jury lag auf dem sozialen Mehrwert der Architekturprojekte. Der Preis bringt somit nicht nur den Büros, sondern auch den Auftraggebenden Aufmerksamkeit. Dennis Pohl, Direktor des VAi, sagte dazu: «Ehrgeiz allein macht keine Architektur. Die ausgewählten Gebäude zeigen, wie Qualität aus einem gemeinsamen Engagement von Kundinnen und Kunden, Bauherrschaften, Architektinnen und Architekten, Verwaltungen sowie Nutzenden oder Bewohnenden erwächst.»
Beim Publikum fand das Projekt Usquare in Brüssel den grössten Zuspruch. Das Team aus EVR Architecten, BC architects&studies und Callebaut Architecten hat die ehemalige Gendarmerieschule im Süden der Metropole zum Universitäts-Hub transformiert. Genutzt wird er von der flämisch- und französischsprachigen freien Universität, die hier eine neue Anlaufstelle, Lernplätze und Wohnungen für Studierende erhalten hat. Viele Bauteile des Umbaus stammen direkt aus dem Bestandsareal, das so gewissermassen zum Steinbruch wurde. Dieses Weiterbauen mit dem Vorgefundenen demonstriert das Kreislaufdenken auf radikale Weise und zeigt, wie Ressourcen auf mehreren Ebenen geschont werden können. Wäre das nicht auch hierzulande ein inspirierendes Vorbild? Zu Recht preisgekrönt, empfehlen wir die Lektüre des Artikels über das Projekt Usquare in unserem Juniheft.