12 – 2016

Denys Lasdun

We stroll across endless areas of carpeting, past groups of sofas and pockets of noise. Visitors of different ages and origins are sitting all around the foyers of the National Theatre in London. Nobody appears to be waiting for a performance, everyone seems busy. The National Theatre is an open place for all; its sweeping terraces make a demonstrative invitation. Today this gesture, monumental and symbolic but at the same time entirely permeable, functions better than ever before. The completion of Denys Lasdun’s opus magnum in 1976 marked the end of an epoch, a short time later the English Conservatives began to dismantle the welfare state. Through the recently completed remodelling by architects Haworth Tompkins this building has, so to speak, found itself again. For us this provided reason enough to rediscover the work of Denys Lasdun. Unfortunately, not all of his buildings have been so well renovated. Originally a social housing block, Keeling House is today a privatised gated community. The money needed to maintain the (state-run) Hallfield School is simply lacking. Important works such as Fitzwilliam College in Cambridge have not even been declared listed buildings. In his day Lasdun was present also in Switzerland, but was known largely as an architect of university buildings. However, his work reveals a far wider range of design themes, which continue and develop the vocabulary of modernism. During our research work we made a number of typological finds, which are worth discovering, especially for a younger generation. The condition of his buildings today is shown in recent photos taken by London-based photographer Ioana Marinescu. For us she took a new look at Lasdun’s principal buildings.

Angekommen in London

National Theatre: Revitalisierung durch Haworth Tompkins

Rosamund Diamond

Schon zur Zeit seiner Erstellung wurde das National Theatre in London mit scharfer Kritik bedacht – ein Jahrzehnt später hielt Prinz Charles das Hauptwerk Denys Lasduns gar für eine «schlaue Methode, um in der Innenstadt ein Atomkraftwerk zu bauen». Die jüngst erfolgte Renovierung durch die Architekten Haworth Tompkins offenbart nun die seit jeher schlummernden Qualitäten: Die grosszügigen Foyers sind neu mit dem Uferbereich an der Themse räumlich verknüpft und ohne Einschränkung öffentlich zugänglich.

Originaltext Englisch

In der Ära des Skeptizismus

Lasduns Londoner Hinterlassenschaft

Irina Davidovici

Inmitten der stürmischen Zeiten des postmodernen Relativismus hat Denys Lasdun ein Buch mit dem Titel Architecture in the Age of Scepticism veröffentlicht. Darin sind rund ein Dutzend Stimmen versammelt, vereint in ihrer Haltung als Praktiker und beschäftigt mit der materiellen und sozialen Dimension der Architektur. Einen solchen generationenübergreifenden Dialog hatte Irina Davidovici im Sinn und hat wiederum ein Dutzend Architekten aus der Londoner Praxis von heute nach dem Stellenwert von Lasduns Werk befragt: Die Wertschätzung ist gross, das Wohlgefallen hat freilich den Charakter einer Neuentdeckung.

Ungekürzte Fassung

Kontrollierte Kraft

Über Denys Lasduns Entwurfshaltung

Barnabas Calder

Von der Postmoderne verfemt, wird Denys Lasduns Werk heute wieder entdeckt und gewürdigt. Er war ein Architekt, der wenig über seine Arbeit sprach oder schrieb, aber umso genauer zuhörte, um auch die unausgesprochenen Wünsche seiner Auftraggeber zu erfüllen. Dabei entstanden Bauten von grosser expressiver Kraft; ihre Präzision bis in die konstruktiven Details beeindruckt im heutigen Umfeld umso mehr. Ein Bericht aus der Werkstatt.

Originaltext Englisch

Triumph der Skulptur

Keeling House: Vom Sozialexperiment zum Luxusturm

Owen Hatherley

Der Cluster ist ein Lieblingsthema des Brutalismus. Vom amerikanischen Theoretiker Kevin Lynch übernahm der britische Kritiker Reyner Banham den Begriff – und Denys Lasdun setzte ihn zum ersten Mal architektonisch um: Das Keeling House im armen Londoner Stadtteil Bethnal Green gilt als ein Versuch, Arbeiter-Reihenhäuser in die Vertikale zu stapeln. Dabei legte Lasdun Wert auf die organische Gliederung der sozialen Räume und unterzog damit den Funktionalismus einer Aktualisierung und Revision.

Originaltext Englisch

Master of his Age

Biografische Betrachtungen zu Denys Lasdun

Florian Dreher

Lasduns Suche nach formaler Eigenständigkeit führte ihn bereits als jungen Architekten weg von den damals aktuellen Positionen und kann als Kommentar zum herrschenden Funktionalismus verstanden werden. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens vollzog Denys Lasdun eine Wende von einer geologisch anmutenden Architektur hin zu einem gefälligeren Stil in Stahl und Glas. Dieser liest sich wie ein persönlicher Kommentar zur aufkommenden Postmoderne in den 1980er Jahren.

Interviews mit und Filme zu Denys Lasdun

Die eigens für diese Ausgabe gemachten Fotos von Ioana Marinescu setzen sechs ausgewählte Bauten von Lasdun ins Bild. Um jedoch die Erfahrung der Recherchereise erlebbar zu machen bieten sich die zahlreichen Links an, die im Netz zu finden sind:

Zu einem legendären Vortrag an der AA in London

aus dem Jahr 1989 oder seinem Radiointerview für BBC nach Eröffnung des National Theatres in London

Oder im Gespräch von Jill Lever mit Denys Lasdun im hohen Alter im Jahr 1996

Auch Filme von Lasduns Bauten von sind im Netz zu finden:
Zum Royal College of Physicians, London von Rachel Dowle, 2014

über die Modell vom Royal National Theatre, London

über das Keeling House, London aus dem Baujahr 1958

Und über einen nachbarlichen Schwatz in luftiger Höhe im Keeling House, kommentiert von Lasdun

Vorstellung von Denys Lasdun bei seiner Ernennung als Architekt der neuen Universität von East Anglia (UEA), Norwich 1963

Eine Vorstellung der UEA im Film über britische Universitäten des Belgischen Fernsehens 1974

sowie zum Fitzwilliam College der University von Cambridge.

und der Vortrag des Lasdun-Spezialisten Barnabas Calder über das College in Cambridge, gehalten am Symposium zum 50. Jubiläum im Jahr 2013.

Ausgestattet mit Heft, Poster und Links lassen sich Sir Denys Lasduns Bauten nun bereisen.

Debatte

Carl Fingerhuth, ehemaliger Stadtbaumeister von Basel, fordert für den Missing Link zwischen Städtebau und Raumplanung eine Betreuung der Transformation der Stadt. Dabei geht es um Emotionalität, Sinnlichkeit, Spiritualität und Mitsprache – um eine neue Erzählung, die sich von aktuellen Planungen unterscheidet.

Nachruf

Raphaël Berclaz, 1967–2016

Neumitglieder BSA

Zwölf neue Mitglieder und vier Assoziierte fanden 2016 Aufnahme in den Bund Schweizer Architekten – dieses Jahr gehören auch zwei Londoner zum illustren Kreis.

Bücher

Vier Buchtipps der Redaktion zu Weihnachten

Kolumne: Architektur ist … Schwimmen

Daniel Klos, Johanna Benz

Unser Kolumnist träumt – und findet sich am Ufer eines gewaltigen Stroms wieder. In der Ferne sieht er eine Schar Menschen, die im Fluss fischen. Seltsame Dinge geschehen ...

Vertikaler Meeting Place

Erweiterungsbau der Tate Modern in London von Herzog & de Meuron

Florian Dreher, Iwan Baan (Bilder)

Mit dem Erweiterungsbau der Tate Modern ist die Runderneuerung am südlichen Themseufer abgeschlossen. Der angedockte Turm im rustikalen Backsteinkleid beherbergt weniger Ausstellungsflächen als offene Angebote für Kommunikation und Austausch.

Kleinstadt am Steilhang

Hans Ulrich Scherer und das Terrassenhaus

Lorenzo Stieger

Hans Ulrich Scherer gilt mit seinen Siedlungen seit den 1950er Jahren als Pionier des Terrassenhausbaus. Weniger bekannt sind seine ganzheitlichen Strategien für eine nachhaltige Planung. Sie gründeten auf einem interdisziplinären Ansatz, der heute wieder von Interesse ist, genauso wie seine Vorstellungen zur Verdichtung.

werk-material 13.10 / 684

Die Maschine im Dorf

Daniel Kurz, Thomas Jantscher (Bilder)

Bergbahnstation Sorebois in Grimentz VS von GD Architectes, Neuchâtel

werk-material 13.10 / 685

Nobilitierte Industriearchitektur

Caspar Schärer, Alder Clavuot Nunzi (Bilder)

Gesamterneuerung der Werkseilbahn Albigna, Vicosoprano GR von Alder Clavuot Nunzi, Soglio

Das Architekturbüro Alder Clavuot Nunzi finen Sie auch in unserem Schaufenster JAS Junge ArchitektInnen Schweiz

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