04 – 2014

The Eighties Today

In the 1980s a kind of state of suspense prevailed: the old had not yet completely vanished, while the contours of the new were only beginning to emerge. Seen in this light the carefree postmodern games played with forms in fashion, music and architecture appear understandable, volatile and, on a deeper level, full of life. Neither before nor afterwards did architects have such a relaxed and easy relationship to form. But the 1980s were also a time of gnawing doubts and discussions about fundamentals, the belief in a society beyond growth and the market, and in the power of smaller, alternative communities. It is still too early to archive the 1980s. Today we ask young architects how they view this period that they themselves did not experience. In his research work Tibor Joanelly found more than just traces of the 1980s in highly contemporary architectural production. Jacqueline Fosco-Oppenheim examines the raw subtlety of sand-lime brickwork, while Adrian Streich together with Roland Züger recalls the great care taken in designing the surroundings of housing. ETH Professor Marc Angélil offers a view from outside and in his essay takes a self-critical look back at this decade.

Nineteen Eighty-Four

Von der Form zur Politik: Die 1980er im Rückblick

Marc Angélil

Fern von postmodernem Formenkult suchte Marc Angélil ebenso wie andere junge Intellektuelle in den USA der Achtzigerjahre neue Freiheiten in den entwerferischen Methoden des Dekonstruktivismus. Der bedeutendsten Umwälzung der Zeit – der neoliberalen Wende und der neuen Allmacht des Ökonomischen –, konnten sie sich damit aber nicht entziehen. Heute gilt es Widerstand gegen die von George Orwell in seinem legendären Buch beschriebenen Zustände zu leisten.

Im Spiegelkabinett

Themen der Architektur der 1980er – und von heute

Tibor Joanelly 

Gibt es eine Rückkehr der Achtziger in der Architektur? Junge Büros arbeiten heute auf der Suche nach Authentizität mit Montagen von Bildern und Ideen, die wie in einem Spiegelkabinett auf bereits Zusammengesetztes zurückverweisen. Vermutungen und Fährten führen zu Tauchgängen vom Zürcher- bis zum Genfersee. Die Erkundungen fördern Indizien zu Tage mit Spuren zu drei Architekturbüros: Alles irgendwie Achtziger.

Architekturwunder am Rhein

Igor Ponti (Bilder), Carl Fingerhuth (Kommentar) 

Ein Tessiner Fotograf mit Jahrgang 1981 besucht in Basel Architekturikonen der 1980er Jahre. Die Bauten sind aus dem Gewebe der Stadt nicht mehr wegzudenken und zeugen von der erfolgreichen Rückbesinnung auf das Urbane – und von den Anfängen einer neuen Wettbewerbskultur. Der Stadtbaumeister weist auf die städtebaulichen Debatten hinter den Bildern hin und sieht heute die Gefahr der selbstgefälligen Autonomie der Architektur wieder am Horizont.

Innen wie aussen

Die Geschichte mit dem Kalksandsteinmauerwerk

Jacqueline Fosco-Oppenheim

Einfachheit und Klarheit, die Übereinstimmung von Zielen und Mitteln, von Struktur, Konstruktion und Ausdruck: Das waren Motive, die zum Bauen mit Kalksandstein führten. In der Siedlung Auf dem Höli in Scherz von Benno und Jacqueline Fosco-Oppenheim und Klaus Vogt wurde der Stein zum Modulor, der alle Masse und Details der Häuser bestimmte. Kein anderes Baumaterial ist mit den Achtzigern inniger verbunden als der sogenannte KS – ein Ausflug in das Reich des Zweischalenmauerwerks.

Architektur des sozialen Raums Wohnumfeld

Wohnumfeld um 1980

Adrian Streich, Roland Züger 

Die Grenze zwischen der privaten Sphäre und dem öffentlichen Raum ist eine empfindliche Zone: Feine Gradierungen der Öffnung sind entscheidend dafür, ob Kontakte entstehen und der Aufenthalt im Schwellenbereich der Architektur als angenehm empfunden wird. In den Achtzigerjahren wurde diesen Abstufungen noch viel planerische Aufmerksamkeit geschenkt – im Kontext der dichten Innenstadt ebenso wie in ländlichen Gemeinschaftssiedlungen.

Nachrichten

Der BSA schreibt unter jungen Architektinnen und Architekten das Forschungsstipendium 2014 aus.

Debatte

Nicht die Geschwindigkeit des Trams, sondern die Zeit von Tür zu Tür ist für ÖV-Benützer entscheidend. Rupert Wimmer plädiert für die Koexistenz von Trassee und Strasse.

Wettbewerb

Das Areal der ehemaligen Basler Kaserne zum Rheinweg hin zu öffnen war die Herausforderung für den Umbau zum Kulturzentrum. Focketyn del Rio entwarfen eine dreigeschossigen Eingangshalle.

Recht

Konsumentenschutz beim Kauf ab Plan

Markt

Zwischennutzungsindustrie? Chancen und Nutzen temporärer Verwertung

Zeitzeichen

Mehr Zeit! Weniger Absicherung! Aus dem Beruf des Architekten.

Hans Bernoulli (1944) und Annette Spiro (2014) 

1944 beschreibt Hans Bernoulli mit einer Mischung aus Spott und Ehrfurcht die Grenzen und Möglichkeiten des Architektenberufs. Annette Spiro sieht 2014 die Potenziale der Architektur durch Zeitdruck und obsessive Sicherheitsansprüche bedroht.

Nach dem White Cube

Neuere Galerien in London

Rosamund Diamond

Von namhaften Architekten entworfene Galerien und Ausstellungsräume entstehen in den jeweils angesagten Quartieren: Die Szene wandert von West nach Ost, weiter in den Süden und wieder zurück in den Westen der Stadt. Wir zeigen die Victoria Miro Gallery von Trevor Home Architects, South London Gallery von 6a architects, Edmund de Waal von DSDHA und die Blain|Southern Gallery von Caruso St John Architects.

Kontrastierende Stadtvisionen

Neue Planwerke für Genf und Zürich

Yves Dreier, Andreas Wirz 

Höchst unterschiedliche Entwicklungsvisionen prägen den Genfer Plan Directeur 2030 und die Teilrevision der Zürcher Bau- und Zonenordnung: Verdichtung, Durchmischung und Wachstum hier – sorgfältiges Bewahren dort. Beide Perspektiven zur Raumplanung lösen Kontroversen aus.

Originaltext Französisch

werk-material 12.03 / 632

Bewegung als Gestaltungsparameter

Annabelle Steinbach, Ralph Feiner (Bilder)

Sportzentrum Promulins in Samedan von Mierta & Kurt Lazzarini Architekten, Samedan

werk-material 12.03 / 633

Aus spitzem Winkel

Katharina Marchal, Martin Friedli (Bilder)

Garderobengebäude Buschweilerhof in Basel von ps architektur, perroneschneider GmbH, Basel

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