1/2 – 2019

Seams

In preparing this issue, we needed criteria that would enable us to make a selection from the overwhelming amount of important conversions and, as is so often the case, a single building provided us with these: the small group of the Maisons Duc in Saint-Maurice. To the remnants of a historical group of houses the architects Gay Menzel added a building volume of a similar size. In doing this they did not clearly distinguish the new from the old but, by engaging in a dialogue in which the different temporal layers are mixed, the new also provides a new interpretation of the old. Their work becomes interesting and explanatory at the seams, where old and new touch each other.
The overlaying achieved is plausible because the extension continues the concept of the old house and also conceives it in a new way, making both into a new whole. As Martin Boesch writes in his essay the basic requirement for an approach of this kind is a sensitive understanding of what already exists even, and especially, if this is not already defined and prescribed by conservationists and legislation.
What interests us about the conversion projects in this issue is the structural understanding of the old building fabric, whose own life, in some cases secret, becomes visible through a new function or the measures required to preserve it. The buildings presented have, so to speak, been brought to life by new demands and the interventions they necessitate, and as a result, they first appear on our conversion radar.
And so, each of the projects presented here is a distinct personality, is worked out caso per caso, as Martin Boesch writes, case by case, room by room, detail by detail. This is what Czech means by the statement quoted initially: it is always the specific that makes designing interesting and that anchors it in an architectural culture.

Relief und Raum

Umbau und Erweiterung des Museums Plantin Moretus in Antwerpen von noAarchitecten

Christoph Grafe, Filip Dujardin (Bilder)

In welcher Sprache greift man in ein Ensemble ein wie jenes des Museums Plantin Moretus in Antwerpen, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt? Das Brüsseler Büro noAarchitecten setzte auf Kontinuität statt Kontrast und schuf eine subtil materialisierte Architektur, die sich im Inneren atmosphärisch angleicht und nach aussen die Trennungslinie zwischen den Zeitschichten auch als Parzellengrenze lesbar macht.

Das Neue im Alten

Zum architektonischen Umgang mit Bestehendem

Martin Boesch

Die Charta von Venedig aus dem Jahr 1964 stellt noch immer die massgebende Wegleitung für den Umgang mit historischer Bausubstanz dar, die im konkreten Fall der Interpretation durch das Projekt bedarf, schreibt Martin Boesch. Er formuliert fünf Regeln zur Auseinandersetzung mit dem Bestand und beschreibt am Beispiel des Zürcher Komplexes Tonhalle / Kongresshaus den schwierigeren Weg des Verbindens.

Weg durch die Geschichte

Das Parlamentsgebäude des Kantons Waadt von Atelier Cube und Bonell i Gil

Martin Tschanz, Lluís Casals (Bilder)

Nach dem Grossbrand von 2002 beschloss das Parlament des Kantons Waadt, seine historische Tagungsstätte durch einen Neubau zu ersetzen. Der Entwurf von Atelier Cube und Bonell i Gil wurde in einem langen demokratischen Prozess zu einem monumentalen Bau, der die Silhouette von Lausanne prägt, ohne sich aufzudrängen. Zudem verknüpft das Projekt den Ort räumlich und zeitlich mit der Stadt.

Über Kreuz verflochten

Umbau der Maisons Duc in Saint-Maurice VS von GayMenzel

Daniel Kurz, Eik Frenzel, Robert Swierczynski (Bilder)

Die Unterwalliser Gemeinde St-Maurice will mit der Instandsetzung einer historischen Häusergruppe der Verödung ihres Ortskerns entgegenwirken. Die Neuinterpretation des Komplexes durch GayMenzel verleiht ihm Würde und setzt innenräumlich ungeahnte Energien frei. Die Eingriffe fügen sich zu einem ebenso irritierenden wie spannungsvollen Ganzen, das Widersprüche zwischen Bestandespflege und Brüchen zulässt.

Die Nabelschnur

Erweiterung der Royal Academy in London von David Chipperfield

Daniel Kurz, Simon Menges (Bilder)

Mit einer klugen Intervention im Schnitt durch die Londoner Royal Academy und ihr vor zwei Jahrzehnten erworbenes, ebenso historisches Nachbargebäude gelingt David Chipperfield die Neuordnung einer verstaubten britischen Institution. Wo sich zuvor die zwei Rückseiten voneinander abwandten, führt nun eine Brücke durch einen neuen Skulpturengarten.

Debatte

Barbara Meyer, Stadtplanerin der Gemeinde Schlieren, schaltet sich mit einem Zwischenbericht aus dem städtebaulichen Labor im Zürcher Limmattal in die Agglo-Debatte ein. Verdichtung, schreibt sie, findet Akzeptanz nur, wenn dabei Defizite behoben, Mehrwerte geschaffen und Qualitäten bewahrt werden.

Wettbewerb

Mit den zwei Studienaufträgen Am Walkeweg wurde in Basel gleich nach und neben dem Areal Nordspitze der nächste grosse städtebauliche Entscheid gefällt.

Ausstellungen

Mit einer Schau über Lüge und Wahrheit öffnet das Stapferhaus in Lenzburg erstmals die Tore seines Neubaus von pool Architekten. Das Haus spielt als begehbares Denkgebäude mit.

Bücher

Zwei neue Bücher arbeiten das Problem der Nachverdichtung von Siedlungen aus der Nachkriegszeit auf. Ihre Lektüre zeigt den Wert anwendbarer Forschung zum Thema – und lässt auf eine Synthese-Publikation hoffen. Zwei weitere Tipps: Storytelling in Schnittperspektiven und Stadtwandern mit Walter Benjamin.

Jenseits der Symbolik

Zum Tod von Robert Venturi ein Blick auf sein Erbe

Frida Grahn

Für junge Büros wie Lütjens Padmanabhan ist Robert Venturi ein Fixpunkt. Zum Tod des Amerikaners lohnt sich ein Blick auf die heutige Auseinandersetzung mit seinem Werk.

Viel Raum auf wenig Fläche

Siedlung Flarzett in Elsau von Staufer & Hasler Architekten

Hubertus Adam, Roland Bernath (Bilder)

Die Siedlung Flarzett im Winterthurer Vorort Elsau von Staufer & Hasler interpretiert einen traditionellen Haustyp neu und erzeugt dabei Räume jenseits jeder Konvention.

Postdramatisch weiss

Villa Hammer von Herzog & de Meuron und Sauter von Moos

Tibor Joanelly, Max Creasy (Bilder)

Herzog & de Meuron und Sauter von Moos haben in einem engen Basler Hof einen schönen Erweiterungsbau realisiert. Und ein Stück durch und durch konzeptionelle Architektur.

werk-material 01.02 / 726

Palast ohne Schnörkel

Fabian Ruppanner, Rory Gardiner und Ruedi Walti (Bilder)

Wohnhaus Amtshausquai in Olten SO von Buchner Bründler

werk-material 01.02 / 727

Andeutungen montiert

Gerold Kunz, Rasmus Norlander (Bilder)

Wohnhaus am Kolinplatz in Zug von Lando Rossmaier Architekten

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