Unabhängig, komfortabel und klimafreundlich

Der Verzicht auf fossile Energien ist endlich Konsens – aber vieles bleibt zu diskutieren auf dem Weg zu Netto-Null.

Wie viele Treibhausgasemissionen darf die Erstellung verursachen? Geht nur noch Holz? Gehört PV auch in die Fassade? Bleibt Energieeffizienz im Betrieb wichtig? Bedeutet Klimaschutz frieren und schwitzen? Viele Fragen begleiten die Baubranche in eine klimaoptimierte Zukunft.

Erneuerbare Energien machen unabhängig

Das Klima schützen heisst, möglichst kein CO2 in die Atmosphäre zu emittieren. Im Gebäudebereich bedeutet das, konsequent auf fossile Energieträger zu verzichten. Im Neubau ist dies bereits in über 90% der Fälle so. Mit dem Ukrainekrieg wird wohl der Wille zur Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus autoritär regierten Ländern auch in der Sanierung die Dekarbonisierung beschleunigen. Die Minergie-Standards lassen seit 2017 keine fossilen Brennstoffe mehr zu.

Aber effizient, bitte!

Ein effizienter Betrieb der Gebäude ist trotz Umstellung auf erneuerbare Energien wichtig. Denn erneuerbare Energie ist viel zu wertvoll um sie zu verschwenden. Weil, so sauber diese Energien auch sind, irgendwo muss man sie produzieren - und dafür Dächer und zum Teil Fassaden mit Modulen bedecken, Täler mit Wasser fluten, Turbinen auf die Hügel setzen. Zudem wird der Bedarf an erneuerbarer Energie mit der Abschaltung der AKW und dem Umstieg auf Elektromobilität und Wärmepumpen stark ansteigen. Die einfachste, günstigste und wirtschaftlichste Lösung ist und bleibt die Effizienz. Minergie-Gebäude sind hoch effizient im Betrieb und produzieren einen erheblichen Teil ihrer Energie selbst, auf dem Dach und vermehrt auch in der Fassade. Bei Minergie-A übertrifft die Produktion den jährlichen Verbrauch.

Es geht aber auch um die Erstellung

Die Treibhausgasemissionen für die energetische Ertüchtigung eines Gebäudes kann man nahezu vernachlässigen. Der Aufwand für die Produktion von PV-Modulen, Dämmstoffen, Wärmepumpen, Holzöfen oder hoch effizienten Fenstern amortisiert sich über ihre Nutzungsdauer. Bei der Erstellung von Neubauten sieht das anders aus. Vor allem, wenn man als Messgrösse die Treibhausgasemissionen nimmt (und nicht wie lange üblich die graue Energie), macht die Erstellung einen erheblichen Anteil der Gesamtbilanz eines modernen Gebäudes aus. Der Bau eines Gebäudes ganz ohne Emissionen ist noch auf viele Jahre hinaus utopisch – aber das Potenzial, die Treibhausgasemissionen erheblich zu reduzieren, muss ausgeschöpft werden. Das bedeutet nicht, dass man nur in Holz bauen kann, es geht vielmehr um einen effizienten Materialeinsatz.

Minergie hat über 2’000 Minergie-ECO-Projekte systematisch ausgewertet und darauf basierend ein einfaches Verfahren entwickelt, das eine Optimierung der grauen Treibhausgasemissionen erlaubt. Auch die Kohlenstoff-Speicherung kann so ausgewiesen werden. 2023 wird ein Grenzwert eingeführt.

So viel Technik wie nötig

Klimaschutz und auch die Anpassung an den Klimawandel bedingen den Einsatz von Technik. Nicht im Sinne von «so viel Technik wie möglich», aber im Sinne von «so viel Technik wie nötig». Das Zusammenspiel von intelligent gesteuerten PV-Anlagen und Wärmepumpen, nutzungsoptimierten Lüftungen mit Wärmerückgewinnung oder klugen Beleuchtungssystemen führt meist zu effizienten Gebäuden mit optimalem Komfort. Dabei gilt: Je früher Architektur und Technik aufeinander abgestimmt werden und je kompetenter die Beteiligten, desto günstiger und besser das Ergebnis. Minergie lässt sowohl wenig technisierte (Low-tech) als auch hoch technisierte Lösungen zu.

Klimaverträglich kühlen

Für den Hitzeschutz sind jene Gebäude ideal, die eine gute Gebäudehülle aufweisen, Wärme speichern können, einen ausgewogenen Fensteranteil haben und deren Fenster an den richtigen Stellen im richtigen Moment beschattet sind. Zudem spielt eine gute Nachtauskühlung eine wichtige Rolle. Die Kühlung wird in der Schweiz immer mehr Verbreitung finden. Wenn sie gut ins System integriert ist, dann ist das ökologisch kein Problem, weil genau an den heissen Sommertagen das Dach Sonnenstrom produziert. Minergie fordert einen vierfach höheren Sommerlichen Wärmeschutz als die Norm – und lässt integrierte Kühlsysteme zu.

Aber warum nicht nur übers Fenster lüften?

Eine zeitgemässe Bauweise bedingt eine luftdichte, gut gedämmte Gebäudehülle. Doch laut BAG treten wegen fehlenden Luftaustauschs Feuchtigkeit und Schimmel in der Schweiz in jedem vierten bis fünften Haushalt auf – mit hohen Folgekosten im Gesundheitswesen und bei der Schimmelsanierung. Die Corona-Pandemie hat zudem gezeigt, dass ein kontinuierliches Abführen von Aerosolen aus Bürogebäuden und Wohnbauten die Ansteckungsgefahr mit Viren erheblich reduziert.
Rein manuell lüften über Fenster geht am Tag, wenn wenige Leute im Raum sind, die Aussentemperatur angenehm ist und es draussen ruhig ist. Wenn man schläft, ein Büro oder ein Schulzimmer dicht belegt ist, man kalte Zugluft nicht mag oder an lärmbelasteten Standorten lebt, ist eine kontinuierliche, automatische Lüftung nötig.

Minergie schreibt einen solchen kontinuierlichen Luftwechsel vor. Alle normkonformen Konzepte werden akzeptiert, von Komfortlüftungen bis zu einfachen Abluftanlagen mit Aussenluftdurchlässen; in der Sanierung auch die sogenannte Grundlüftung. Bewährt haben sich einfache Systeme mit wenigen Luftauslässen, kurzen Kanälen und ohne Kreuzungen.

Und warum am Ende zertifizieren?

Die Minergie-Standards bieten Orientierung und mit über 53'000 Anwendungen viele Anwendungsbeispiele. Nur wer sein Gebäude auch zertifiziert, bekommt eine unabhängige Qualitätssicherung und die Bestätigung, dass drinsteckt, was draufsteht. Das Minergie-Zertifikat schafft Zugang zu Fördergeldern, welche in Kombination mit den tieferen Betriebskosten und dem guten Innenraumklima die Mehrkosten mehr als kompensieren.

Neugierig geworden? Mehr zum Thema erfahren Sie auf unserer Webseite, an den Minergie-Veranstaltungen oder einem der zahlreichen Kurse.

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