Beschwingt und spielerisch

BSA-Preis 2026 an Kasper-Florio, Bänziger und Hug

Der BSA-Preis 2026 geht an vier – für BSA-Verhältnisse bemerkenswert junge – Menschen, deren Schaffen mit der medialen Vermittlung und Ausstrahlung von Architektur zu tun hat. Aber nicht nur.

Samuel Bänziger, Olivier Hug, Larissa Kasper und Rosario Florio sind Gestalterinnen, Gestalter und Vermittelnde, die auf überaus frische Art Bücher, Ausstellungen, Magazine und Websites kreieren. Sie selbst formulieren ihren Fokus so: «Verwurzelt in der Architektur und ihren kulturellen, räumlichen und publizistischen Dimensionen, bewegt sich unsere Arbeit an der Schnittstelle von Grafik, Redaktion und kuratorischer Praxis.»

Das jugendlich Frische, das die vier kennzeichnet, bezieht sich dabei auf unterschiedliche Dinge: erstens auf die grafische Form und Erscheinung ihrer Arbeiten, zweitens auf die Unbeschwertheit bei gleichzeitiger Präzisionsarbeit in der inhaltlichen Konzeption und drittens auf eine Zugewandtheit im Umgang, auf Direktheit im Austausch und im kollaborativen Arbeiten.

Ihre Freundlichkeit kann durchaus eine spöttische Note bekommen – aber auch diese wird nie schlechtgelaunt, sondern bleibt stets neugierig und offen; bereit, sich Gegenmeinungen anzuhören und wirklich zu bedenken. Als Verleger mit Büchern von vielen Dutzend Gestalterinnen und Gestaltern aus diversen Ländern kann ich sagen: Niemand bleibt so fröhlich und verbindlich selbst im Streitfall und bei komplizierten, sich ewig hinziehenden Projekten wie Sämi Bänziger und seine drei Mitstreitenden. Und von niemandem bin ich schon liebenswerter ausgelacht worden!

Dabei wäre jedoch nichts falscher, als anzunehmen, dass die Freundlichkeit im Umgang mit einer Beliebigkeit und fehlender Strenge im Ästhetischen, Funktionalen oder Gestalterischen einhergehe! Im Gegenteil. Die vier mit dem diesjährigen BSA-Preis Ausgezeichneten wissen genau, was sie wollen, wie es aussehen soll, und fast immer auch, wie sie ans gewünschte Ziel gelangen.

Ein Ausflug ins Biografische

Bänziger Hug und Kasper-Florio sind eigentlich zwei unabhängige Duos. Samuel Bänziger und Olivier Hug kennen sich aus dem Kindergarten und sind gemeinsam in Berneck im Rheintal aufgewachsen. Während Hug an der HSG Banking and Finance studierte und sich das Programmieren beibrachte, absolvierte Bänziger eine Ausbildung zum Grafiker und machte sich selbstständig. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Christian Kerez nahm Sämi Bänziger den Kontakt zu Olivier Hug wieder auf – was zum Ausgangspunkt für ihre gemeinsame Tätigkeit im Bereich digitale Gestaltung wurde. Ihr erstes Büro richteten die beiden im leerstehenden Keller des Studios von Kasper-Florio ein.

Larissa Kasper und Rosario Florio – privat schon davor liiert – gründeten 2011 ein gemeinsames Grafikbüro. Larissa hatte an der ZHdK und der ECAL gelernt, Rosario eine Ausbildung zum Typografen absolviert und in St. Gallen Visuelle Kommunikation studiert. Während Kasper und Florio in der Folge vor allem in den Bereichen Kunst, Musik und Mode arbeiteten, entwickelten Bänziger und Hug eine eigenständige Praxis mit Fokus auf Websites und visuelle Identitäten für Architekturbüros. Und bald schon arbeiteten die beiden Büros an gemeinsamen Projekten, für die sie ihre jeweiligen Netzwerke und Kompetenzen einbrachten.

Eine Initialzündung für diese Kooperationen war das Buch A-Typical Plan, eine Studie zum Charakter von Bürogebäuden, die Jeannette Kuo an der EPFL erarbeitet hatte und herausgab. Bei der Arbeit an diesem Band – 2013 als eines der Schönsten Schweizer Bücher ausgezeichnet – habe ich das kreative Quartett zum ersten Mal persönlich getroffen. Ich sehe noch vor mir, wie sie im Herbst 2012 die Seitenabfolgen mit den Layoutkonzepten auf dem Boden unseres Sitzungszimmers auslegten.

Larissa Kasper und Rosario Florio waren in der Folge in einem breiteren kulturellen Feld und auch international tätig. Ihr Netzwerk führte zu ganz unterschiedlichen Auftraggebern, von Nike bis zum Strelka Institute in Moskau. Bänziger Hug ihrerseits konzipierten Webseiten für Grössen wie Miller & Maranta, Graber Pulver, Pool Architekten oder Meili, Peter & Partner sowie für verschiedene Institutionen im Umfeld der ETH Zürich.

In gleichbleibend schnellem Rhythmus haben die vier seit 2013 diverse Architekturbücher konzipiert und gestaltet; Monografien vor allem, aber auch thematische Bände, für Schweizer und internationale Auftraggeber wie etwa Iñaki Ábalos, Kashef Chowdhury oder das Römer Büro Labics. Praktisch jedes Jahr sind eines oder zwei (oder auch mal drei) ihrer Werke unter den Preisträgern der Wettbewerbe für die Schönsten Schweizer Bücher, die Schönsten Deutschen Bücher oder die Book Awards des Deutschen Architekturmuseums DAM. Bereits dreimal haben sie zudem die Bronzemedaille des Wettbewerbs Best Book Design from all over the World gewonnen, für den jeweils alle in den nationalen Concours ausgezeichneten Bücher nominiert sind. Wenn ich richtig gezählt habe, ist der BSA-Preis der dreissigste Award, den Larissa, Rosario, Sämi und Olivier entgegennehmen können. Dass es nicht noch mehr sind, liegt nur daran, dass es so wenig Wettbewerbe für Firmen-Websites und Magazine gibt.

Augenmerk auf konzeptioneller Verdichtung

Eine besondere Ehrung war der Jan-Tschichold-Preis des Bundesamts für Kultur. Diesen haben die vier 2024 für ihren gemeinschaftlich geführten St. Galler Verlag Jungle Books erhalten, der an den Schnittstellen von zeitgenössischer Kunst, Fotografie und Architektur operiert. Dort legen sie besonderes Augenmerk auf die konzeptionelle Verdichtung der visuellen und redaktionellen Inhalte der Publikationen, neben der hervorragenden Gestaltung selbstverständlich.

Aber die umfassend konzeptionelle Herangehensweise im Sinne eines filmischen Auteurs ist keineswegs auf die Veröffentlichungen im Eigenverlag beschränkt. Speziell gelungen ist dieses Vorgehen zum Beispiel im Buch «Die Rationalität des Baumeisterlichen», das Bänziger Hug in Zusammenarbeit mit dem Architekten Thomas K. Keller über dessen Schreiben und architektonisches Schaffen erarbeitet haben. Dieser mehrfach ausgezeichnete Band steht exemplarisch für die wechselseitige Befruchtung von Inhalt, medialer Materialität und Form der heute gefeierten Preisträger. Gestaltung wird hier integraler Bestandteil des konzeptionellen und architektonischen Denkens.

Vollends im internationalen Scheinwerferlicht angekommen sind Kasper, Florio, Bänziger und Hug dann letztes Jahr an der Architekturbiennale von Venedig. Dort konzipierten sie nicht nur den Katalog des Pavillons von Bahrain, der mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Sie haben für die gesamte von Carlo Ratti kuratierte Ausstellung (wbw 7/8-2025, S. 43 – 45) auch die grafische Identität entwickelt und umgesetzt. Diese wurde heiss diskutiert und war durchaus umstritten, wegen der kleinen Schrift und der schlechten Lesbarkeit im Schummerlicht.

Angesprochen auf die Kritik – und hier kehrt diese Laudatio an ihren Ausgangspunkt zurück – bricht Samuel Bänziger am Telefon in begeistertes Lachen aus. Mir fällt niemand ein, der beschwingter und spielerischer mit eigenen Fehlern umgehen könnte. Trial and error – aber dies auf der Weltarchitekturbühne. Nicht schlecht, wenn man und frau Dinge so ausprobieren kann!

Kasper, Florio, Bänziger und Hug nehmen die Dinge etwas leichter. Oder sie haben andere Prioritäten. Jedenfalls sind sie beseelt von der Überzeugung, dass eigentlich recht vieles recht leichtfüssig zu erreichen sei, wenn nur der Einsatz mit ganzem Herzen, klarem Kopf und sehr viel Arbeitsintensität geleistet werde. Und das tut uns Älteren, vom Leben bereits ins Mürrisch-Professionelle Abgeschliffenen, einfach gut. Ganz herzliche Gratulation zum BSA-Preis 2026!

— Thomas Kramer

Thomas Kramer (1966) ist Verleger der beiden Buchverlage Park Books und Scheidegger & Spiess in Zürich.

© Samuel Bänziger (oben links) und Olivier Hug arbeiten als Bänziger Hug zusammen. Larissa Kasper und Rosario Florio bilden das Duo Kasper-Florio. Gemeinsam führen sie den Verlag Jungle Books und entwickelten die Grafik der Biennale Venedig 2025. Bild: Katalin Deér
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