Der Wakkerpreis 2026 geht an die Walliser Gemeinde Brig-Glis. Die jährlich vergebene Auszeichnung des Schweizer Heimatschutzes würdigt Gemeinden mit einer vorbildlichen Siedlungs- und Ortsbildentwicklung. Das Städtchen im Oberwallis mit seinen gut 14 000 Einwohnenden lobt er für seine «kulturell und sozial bereichernde Nutzung» von Bestandsbauten. Ein Beispiel dafür liegt auf einer leichten Anhöhe hinter dem berühmten Stockalperschloss aus dem 17. Jahrhundert. Dort hat das Marienheim des Klosters St. Ursula neu eine dreifache Nutzung: Es beherbergt ein Gästehaus, eine Unterkunft für Geflüchtete und eine Seniorenresidenz. Damit lebe die Willkommenskultur der Ursulinen weiter, heisst es in der Medienmitteilung. Etwas weiter entfernt am Hang steht das neue Gemeinschaftshaus der Ursulinen, mit einheimischem Lärchenholz, Schafwolle und Permakulturgarten, von Walliser Architekten 2017–19 errichtet.
Ebenso vorbildlich wertet der Schweizer Heimatschutz den Umgang von Brig-Glis mit Naturunglücken. Im Jahr 1993 etwa zerstörten Überschwemmungen grosse Teile der Altstadt. Dies nutzte die Gemeinde als Chance, den Ortskern behutsam umzugestalten. Den Verkehr organisierte sie neu und verfügt auf dem Sebastiansplatz nun über eine kopfsteingepflasterte Flanierzone, an Stelle eines Parkplatzes.
Woher kommt diese Sensibilität im Umgang mit Baukultur? Stadtpräsident Matthias Bellwald verweist in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen auf die Rolle des Stadtarchitekten, der in Brig-Glis seit über 60 Jahren amtet. Von 2010–22 hatte Roland Imhof dieses Amt inne – seitdem wurde die Stelle bis anhin schon zweimal neu besetzt. So lobt der Stadtpräsident vor den Kameras die offene Wettbewerbskultur, die zur hohen architektonischen Qualität und damit zur guten Lebensqualität des Orts beitrage. Laufende Projekte sind die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes (Luigi Snozzi), Spitalzentrum Oberwallis (Burckhardt + Partner) und Hochschulcampus (Wulf) sowie ein neues Primarschulhaus (Balmer Architektur und Sara Gelibter).
Ebenfalls als Resultat eines Wettbewerbs war Brig-Glis in werk, bauen + wohnen zuletzt mit einem Garderobengebäude von Summermatter Ritz (wbw 12–2022) vertreten. Dessen kräftige wie intime Gesten für den Sport sind ebenso Blüten dieser lebendigen Wettbewerbskultur.