YAS No. 106 – Richter Hänni

Argumente zum Bauen

Jannick Richter (1990) aus Luzern und Oliver Hänni (1991) aus Chur führen gemeinsam ein kantonsübergreifendes Büro. Ihre Streitlust im Diskutieren schärft ihre gemeinsame Haltung im Entwurf. Für sie ist Architektur das Spiel einer facettenreichen Welt, in der Gesellschaft, Nachhaltigkeit und Politik in Raum übersetzt werden.

Was ist Eure Herkunft?

Uns verbindet die gemeinsame Lust am Diskutieren. Bereits zu Studienzeiten haben wir uns ausführlich über Kunst, Philosophie und Architektur beschäftigt gestritten. Man könnte sagen, wir tragen beide eine gewisse Streitlust in uns. Diese Haltung zur kritischen Reflexion haben wir in unsere gemeinsame architektonische Praxis überführt. Für uns stellt Architektur ein Spiel zwischen allen Facetten unserer gegenwärtigen Welt dar, in der gesellschaftliche Themen wie Nachhaltigkeit, Politik in gebauten Raum übersetzt wird. Die heute vorhandene Komplexität der Architektur birgt neue Bedingungen und Spannungen, welche uns herausfordern und die wir in unserem Entwurf diskutieren.

Was ist Euch wichtig im Denken und Entwerfen?

Beim Entwerfen ist unser wichtigstes Instrument die Sprache. Sie fördert ein lustvolles Spiel mit dem Elementaren, es ist spekulativ und liefert uns die Argumente zum Bauen. Nichtsdestotrotz benötigen wir das Taktile. Die letzte Stufe der Detaillierung lassen wir im Plan jeweils offen - Entscheidungen zu Materialität, Oberfläche und Fügung treffen wir erst im unmittelbaren Kontakt mit dem Ort. Dies führt zu Räumen, die eine spannungsreiche Gemengelage konstruieren. Differenziert gehen die Themen ineinander über und konstituieren sich in der Materie. Die Komplexität der zeitgenössischen Architektur fordert uns dabei immer wieder heraus, diese Spannungsfelder offen und kritisch in unseren Entwürfen zu reflektieren. Dafür orientieren wir uns an der negativen Dialektik. Indem wir Spannungen bewusst nicht auflösen, sondern sichtbar machen, entstehen neue Perspektiven auf das scheinbar Alltägliche.

Und wie zeigen sich diese Aspekte konkret in einem von Euch ausgewählten gebauten Projekt?

Das Haus in Luzern verstehen wir als Plastik; wir denken da an Erwin Wurms To Wash Away The Dirt Of Our Time Soap. Von Beginn weg interessierte uns der minimale Einsatz von Ressourcen. Aufbauend auf diesem Gedanken entwickelten wir eine resiliente Struktur, die wir als Spielwiese betrachteten und eingehend untersuchten. Durch den kontinuierlichen Diskurs, das Erproben vor Ort formten wir mittels der Materialien nahbare Räume. Dies führte dazu, dass ein Teil der erarbeiteten Konstruktionen in Eigenleistung ausgeführt wurde. Der kontrastierende und hinterfragende Ansatz zeigt sich überall, ob als kleines Detail im Sockel oder durchgehende Element in der Fassade. Die im Laufe des Entwurfes aufgestellten Thesen und Antithesen prallen im Werk aufeinander und formen so spekulative Räume. Sie vereinen Künstliches und Wohnliches und zeigen unsere Haltung des sowohl als auch. Diese inhärente Spannung bereichert die Architektur.

Haus mit drei Wohnungen

Richter Hänni, Luzern/ Chur
www.richterxhaenni.site

Standort: Hemschlenstrasse 15, 6006 Luzern
Bauherrschaft: Privat
Architektur: Richter x Hänni Ateliers, Luzern/ Chur
Chronologie: Planungsbeginn 2020, Ausführung 2023-25

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