Jan Engelke (1989), Lukas Fink (1989), Tobias Fink (1992) und Charlotte Schaeben (1992) arbeiten als ANA in der Schweiz und in Deutschland. In ihren Projekten verbinden sie einen prozessorientierten Ansatz mit Freude an der architektonischen Form. Für sie ist der Planungs- und Bauprozess selbst gestaltbar und Teil der Architektur.
Unser Büro besteht aus vier Personen mit unterschiedlicher, aber doch ähnlicher Herkunft. Wir leben und arbeiten in Zürich, Berlin, München und Freiburg. Kennengelernt haben wir uns über die ETH – im Studium beziehungsweise als Assistierende am NEWROPE Lehrstuhl – oder als Brüder schon lange davor. Ausgangspunkt unserer gemeinsamen Praxis war der Wunsch, nicht auf Aufträge zu warten, sondern eigene Projekte zu starten und Themen zu setzen, die wir für relevant halten. Unsere ersten Arbeiten waren entsprechend selbst initiierte, kulturelle und aktivistische Projekte – etwa die Initiative für den Erhalt eines Gebäudes oder die Buchpublikation «Offenbach Kaleidoskop – Geschichten eines Hauses». Heute arbeiten wir auch für Auftraggeberschaften – und schätzen den Dialog, der daraus entsteht.
Wir haben Freude daran und finden es wichtig nicht jedes Mal dem gleichen Schema zu folgen, sondern für jede Aufgabe einen eigenen, angemessenen Prozess zu entwickeln. Das hängt auch mit unserem Ursprung in selbst initiierten Projekten zusammen. In gewisser Weise verbindet dieser prozessorientierte Ansatz Architektur mit einem eher städtebaulichen oder planerischen Denken.
Entsprechend arbeiten wir in unterschiedlichen Projekten mit spezifischen Planungs- und Ausführungsmodellen – etwa mit festangestellten Handwerkerinnen und Handwerkern. So lässt sich der Druck klassischer Vergabeprozesse reduzieren und es entstehen präzisere, unerwartete Detaillösungen.
Das Erhalten bestehender Bausubstanz und das Arbeiten mit ihren Qualitäten ist für uns, wie für viele andere, selbstverständlich. Neben der Prozessebene interessiert uns, wie aus dem Vorgefundenen eine Architektur entstehen kann, die zugleich einfach, präzise und freudvoll ist, ohne laut zu werden.
Die Aufstockung an der Tellstrasse in Zürich zeigt diese Haltung auf unterschiedlichen Ebenen. Es handelt sich um den Dachausbau eines gemeinschaftlich bewohnten, genossenschaftlichen Wohnhauses in Zürich, das über die Jahre von den Bewohnenden kontinuierlich weiterentwickelt und umgebaut wurde. Diese Kultur der Selbstorganisation war für uns ein zentraler Ausgangspunkt. Alle zwölf Bewohnenden waren aktiv in Planung und Umsetzung eingebunden. Der Entwurfsprozess erfolgte in Workshops und Arbeitsgruppen. Dabei beteiligte sich die Bewohnerschaft nicht nur an der Entwicklung, sondern auch an der Wiederverwendung von Bauteilen und an der Ausführung.
Gleichzeitig bleibt eine Freude an Form und Figur sichtbar. Alt und Neu bleiben dabei bewusst ablesbar. Das zentrale Element des Entwurfs ist die Spindeltreppe, die in die Aufstockung führt. Exakt in den Bestand eingepasst ist sie als eigenständiges Element vom Dach abgehängt. Die Treppe war ein Element, dem in Planung und Ausführung besondere Aufmerksamkeit galt. Andere Teile hingegen sind pragmatischer gehalten und wurden situativ im Prozess vor Ort entschieden.
ANA, Zürich
www.ana.institute
Standort: Tellstrasse 19, 8004 Zürich
Bauherrschaft: Bau- und Wohngenossenschaft Durchbruch
Architektur: ANA, Zürich; Lukas Fink, Tobias Fink
Chronologie: Planung und Ausführung 2023-25
Portraitfoto: Jonas Fischer