JAS N° 73 – Weder Braun, Basel

Am Siedlungsrand

Das Einfamilienhaus als Erstling ist ein Klassiker. Doch Dorothea Braun und Conradin Weder haben ihm ein spannungsvolles Raumkonzept eingeschrieben. Dem Bau voran steht eine hohe Wohnhalle, von Stützen umstellt samt mittig platziertem grandiosen Kachelofen, wie in einem alten Bauernhaus.

— Roland Züger, 15.07.2022

Was sind Eure Vorbilder?

Im Kern ist unser architektonisches Empfinden ein ähnliches – wir arbeiten gemeinsam an den Projekten. Es gibt Figuren und Bauwerke in der Architekturwelt, die unser Denken beeinflusst haben: Da ist bestimmt Peter Märkli, wir haben bei ihm an der ETH diplomiert. Wir schätzen seine Poesie und Klarheit in den Projekten und seinen Sinn für Zahlen. Und da sind unzählige Bauernhäuser, die von einer bemerkenswerten Baukultur zeugen und uns mit ihrer Direktheit und Intelligenz immer wieder umhauen.

Was ist Euch wichtig im Denken und Entwerfen?

An der Architektur interessiert uns die Beziehungen zwischen Gebäude, Umgebung und Mensch. Die fortschreitende Individualisierung im Bauwesen lehnen wir ab. In den Worten von Rémy Zaugg wollen wir den unzähligen Dingen der heutigen gebauten Umwelt nicht einfach ein weiteres Ding hinzufügen. Stattdessen wollen wir auf Vorhandenes reagieren, beispielsweise auf Landschaftsräume, Gebautes oder Konstruktionsteile. Wir nehmen Traditionen auf, denn es sind kollektive Errungenschaften. Wir möchten bestehende Potentiale erkennen, um sie zu verstärken. Wir entwickeln Langzeitperspektiven, weil Lebensvorstellungen und Nutzer sich mit der Zeit ändern. Zu Beginn jedes Entwurfs suchen wir für die mannigfachen Tätigkeiten und Gefühle des Menschen Raumfiguren und setzen diese in Bezug zur Umgebung. Unsere Arbeitsweise kombiniert das Schöpferische des Analogen wie Skizzen, Bleistiftzeichnungen und Modelle mit der digitalen Zeichnung, dem Kommunikationsmittel der Spezialisten und Unternehmern. Ein früher Austausch im Entwurfsprozess mit Fachleuten ist uns wichtig, nur so kann praxisbezogenes Wissen substanziell auf den Entwurf einwirken.

Und wie zeigen sich diese Aspekte konkret im Haus in Thayngen?

Das Gebäude ist nach allen Seiten mit sehr unterschiedlichen Landschafts- und Siedlungsräumen konfrontiert: Nordwestlich fällt das Grundstück steil ab; eine Nahsicht an das Gebäude ist aus topografischen Gründen nicht möglich, hier zeigt sich das Haus abstrakt mit grossformatigen Öffnungen. Währendem zum Nachbarsgebäude kleinteilige Fenster den Ausdruck bestimmen. Talseitig eröffnet der Wechsel zur Stützen-Platten-Konstruktion mit vorgehängter Fassade den Haupträumen Ausblicke ins weite Tal; überdimensionierte Pfeiler geben den Räumen Halt. Der selektive Einsatz von Farbe verstärkt die Vielfalt an Raumqualitäten im Innern: roh belassene und weiss gestrichene Oberflächen wechseln sich ab. Im Hauptgeschoss steht im Zentrum zwischen Küche und Wohnzimmer ein Speicherofen mit roten Kacheln – er erinnert uns an so manche Bauernhäuser.

Haus in Thayngen

Weder Braun, Basel

https://wederbraun.ch/

Bröckliweg 15, 8240 Thayngen; Bauherrschaft: privat; Architektur: Weder Braun, Basel; Beteiligte Bauleitung: Michael Wipf, Oerlingen; Ingenieur: WRS, Schaffhausen; Baumeister: Gasser, Feuerthalen; Chronologie Planungsbeginn: 2017, Bezug: 2021; Bilder: Walter Mair

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