9 – 2016

Basel

Ist er nun gut für Basel, dieser Roche-Turm, oder hat er die kleinstädtische Szenerie verschandelt? Während man sich am Rheinknie an die neue Präsenz gewöhnt, fragen wir uns auf der werk-Redaktion, ob es statthaft sei, zu einem Urteil zu kommen. Vorneweg: Wir haben uns darum gedrückt. Denn der Turm zu Basel kann nicht mehr mit gewohnten Kriterien beurteilt werden – das höchste Haus in der Schweiz ist ein Sinnbild, welches wie eine Naturkraft das Stadtbild überformt. Der Massstab des Turms ist ein globaler, und seine Wirkung reicht bis ins Elsass. Seit mehr als 50 Jahren ist von der Regio Basiliensis die Rede, der Stoffwechsel der Stadtregion sorgt für wirtschaftlichen Erfolg, Lebensqualität, Zufriedenheit. Wie bei allen Organismen sind zur Aufrechterhaltung des sozialen Gleichgewichts auch Anstrengungen erforderlich. So staunen Zürcher und Berner darüber, dass Basel seit fast 40 Jahren eine zweckgebundene Planungs-Mehrwertabgabe von 50 Prozent in die Aufwertung seiner Grün- und Freiräume leitet. Oder darüber, dass das alternative «Unternehmen Mitte» von einer der reichsten Basler Persönlichkeiten alimentiert wird – die notabene selbst in der Stadt wohnt. Aussergewöhnliche Qualität hat seit langem schon die Basler Architektur charakterisiert und die internationale Bekanntheit schweizerischen Schaffens begründet. Und von Qualität lässt sich auch sprechen, wenn der Roche-Turm als Zeichen einer globalen Präsenz zu einem alltäglichen Begleiter wird.

Leseprobe aus wbw 9 – 2016

Stadtlandschaft

Thomas Aemmer (Bilder)

Der Fotograf Thomas Aemmer pirschte für dieses Heft durch die Stadt Basel. Er erkundet dabei Alltägliches, Lokales und Globales. Der allgegenwärtige Roche-Turm gleicht in diesem Suchspiel einem Naturphänomen, seine weisse Spitze ist allenthalben sichtbar – wie die Jungfrau in Aemmers Wohnort Interlaken.

Trojanisches Pferd

Erweiterung Kunstmuseum Basel von Christ & Gantenbein

Kersten Geers, Stefano Graziani (Bilder)

Ist der Neubau des Kunstmuseums nur eine respektvolle und leicht verdrehte Abwandlung des  bestehenden Hauses? Oder nehmen die Architekten mit den gegliederten Raumfolgen vielmehr den Kampf gegen die aktuelle Ausstellungskonvention des White Cube auf?

Originaltext Englisch

Prosperierende Monokulturen

Basel, das Schlaraffenland?

Philippe Cabane und Martin Josephy

Wie keine andere Stadt der Schweiz ist Basel geprägt vom Nebeneinander globaler Akteure und lokaler Kleinkulturen. Aber die grossen Bauvorhaben der öffentlichen Hand haben meist mit viel grösseren Widerständen zu kämpfen als diejenigen der Konzerne. Dieses Pingpong lässt leicht übersehen, dass durch das Mäzenatentum potenter Stiftungen immer wieder beachtliches Kapital aus der Industrie zurück in die Stadtentwicklung fliesst.

Im Weltmassstab

Roche Bau 1 von Herzog & de Meuron

Daniel Kurz

Der Roche-Turm von Herzog & de Meuron und der geplante Cluster von Hochhäusern sind in ihren Dimensionen ein Abbild lokal gebündelter, globaler Wirtschaftskraft. Die Effizienz im Inneren des asymmetrisch gestaffelten Neubaus erinnert an einen durchtrainierten Körper.

Roche Bau 1 von Herzog & de Meuron, Basel

Im Unterholz

Stadterneuerung im Gründerzeitquartier

Mathias E. Frey und Tibor Joanelly

Drei Beispiele zeigen die Stadterneuerung im Gründerzeitquartier. Mit Aufstockungen und Einbauten in Höfen und Baulücken ist in den letzten Jahren Beachtliches geleistet worden, um in Basel mehr Wohnraum bereitzustellen. Das Wachstumsziel von über viertausend Wohnungen in den nächsten zehn Jahren muss jedoch auf grösseren Arealen angepeilt werden.

Anspruch auf Augenhöhe

Blick von der Kreisstadt Lörrach nach Basel

Gudrun Heute-Bluhm und Frank Hovenbitzer im Gespräch mit Caspar Schärer

Dank der grosszügigen Schneise des Rheins geniesst man in Basel immer das Gefühl eines Beginns und denkt nie an die Begrenztheit des Territoriums. Trotzdem sind die zwischenstaatlichen Beziehungen nicht immer einfach. Ein Besuch in Lörrach offenbart es: lange Zeit unbemerkt und wenig ernst genommen, hat sich in der Nachbarstadt reges Leben entwickelt.

Grosse Pläne – kleine Schritte

Basel ist noch nicht gebaut

Jean-Pierre Wymann

In Basel erschweren nicht nur die kleinräumigen Strukturen, sondern auch die engen Grenzen die grossen Würfe der Stadtplanung. Darüber hinaus organisieren Interessengruppen oft laut hörbaren Protest gegenüber allzu abgehobenen Planungsvorhaben. Die Areale auf dem Dreispitz und im Nordhafen sind nur zwei Beispiele, die diese Eigentümlichkeit aufzeigen.

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Debatte

Inseln städtischer Dichte und Lebensweise, argumentiert der Zürcher Architekt Andreas Hofer, können dazu beitragen, der Agglomeration Stadtleben einzuhauchen, wenn sie entsprechend vernetzt sind. Der «Inselurbanismus», den André Bideau in wbw 5 – 2016 kritisierte, gehört zum Wesen der Zwischenstadt.

Wettbewerb

Keine Visualisierungen, dafür detaillierte Pläne der Wohnungen bis hin zu einem Konzept der Abfallentsorgung hatten die Wettbewerbsteilnehmer auf dem Baublock des Areals Volta-Ost in Basel zu liefern. Am besten ist das dem Nachwuchsteam von Gian Trachsler und Daniel Hoffmann aus Zürich gelungen.

Recht

Kostenüberschreitungen sind ein Dauerbrenner beim Bauen. Isabelle Vogt fasst die jüngsten Urteile des Bundesgerichts zum Thema zusammen und weist auf die subtilen Unterschiede hin.

Bücher

Bruno Krucker berichtet begeistert vom Buch über den sowjetischen Wohnungsbau von Philipp Meuser, Architekt und Leiter des Berliner Verlags DOM Publishers. Ein Standardwerk mit reichem Bildmaterial.

Ausstellung

Lucia Gratz hat die Ausstellung zum Werk von André M. Studer im S AM Basel besucht und beschreibt die Fülle des Materials, das aus den Katakomben des gta-Archivs der ETH Zürich für die Schau nach Basel geschickt worden ist.

Kolumne: Architektur ist … Tasten. Riechen. Hören. Schmecken.

Daniel Klos

Im besten aller Fälle maximiert Architektur die Möglichkeit der Umwelterfahrung mit allen Sinnen. Unser Autor berichtet vom Selbstversuch im Restaurant Blindekuh: Eine Bewusstseinserweiterung durch das Ausschalten des Sehsinns.

Ein Villino jenseits der Hecke

Die Mailänder Bauten von Asnago und Vender im Licht der Malerei

Giulio Bettini (Text und Bilder)

Das aktuelle Forschungsstipendium des BSA gewann Giulio Bettini mit einer Recherche zur stadträumlichen Wirkung des Werks von Asnago und Vender im Mailand der Nachkriegszeit. Im Heftbeitrag zeigt er, wie sich im Entwurf für eine kleine Villa vor den Toren Mailands entwerferische Themen ihrer späteren Stadtarchitektur bereits ankündigen.

werk-material 02.01 / 678

Raumerlebnis in der Nabe

Robert Walker, Fernando Guerra (Bilder)

Kindergarten und Hort in Prangins VD von Pierre-Alain Dupraz architecte, Genève

werk-material 02.01 / 679

Poesie des Fügens

Martin Klopfenstein, Roland Bernath (Bilder)

Doppelkindergarten in Herzogenbuchsee BE von Bernath + Widmer, Zürich

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