Alma Maki, Basel

Die Baustelle als 1:1 Modell

Alma Maki war eine Entdeckung an der letztjährigen Preisverleihung des Foundation Awards für junge Talente der Architektur. Entwerfen wollen viele, aber selber realisieren? Friederike Kluge und Meik Rehrmann erklären, was sie daran reizt, selber zur Bohrmaschine zu greifen.

Was ist eure Herkunft, was inspiriert euch?

Wir haben uns im Studium kennengelernt und bereits dort an gemeinsamen Projekten gearbeitet. Meik hatte eine Schreinerlehre absolviert und einige Jahre in der Restaurierung gearbeitet. Rike studierte während dem Studium ein Jahr an der PUCV in Valparaíso, Chile, wo sie an 1:1 Konstruktionen in der «Ciudad Abierta», dem Experimentierfeld der Universität, mitgearbeitet hat. Nach dem Diplom sammelten wir zunächst Erfahrungen bei Buchner Bründler und bei Morger Dettli Architekten. Als sich Umbauprojekte aus dem privaten Umfeld ergaben machten wir uns selbstständig und gründeten 2013 Alma Maki. Mittlerweile sind wir vier Architekten im Büro. Alle verfügen über einen handwerklichen Hintergrund.

Wichtig ist auch: Wir sind viel gereist. Unsere Inspiration ziehen wir aus diesen Erfahrungen, der Arbeit an der ETH aber auch aus Alltagsbeobachtungen und der Reflektion über gute und schlechte Räume. Jeder Bauherr und jeder Ort sind einzigartig. Sich darauf einzulassen und ohne vorgefertigte Bilder in einem Entwurf zu starten macht unsere Arbeit abwechslungsreich. Sie gleicht einer Entdeckungsreise, bei der man beim Start noch nicht weiss, wo man letztlich ankommt.

Kann der Respekt vor neuen Aufgaben nicht auch bremsen?

Wir empfinden das nicht als störend, ganz im Gegenteil: Es ist ein spannender Anlass, um das Blickfeld zu erweitern. Wir fühlen uns dann wie «Gewandmacher», die ein massgeschneidertes Kleidungsstück anfertigen dürfen. Aus dieser Auseinandersetzung kann man viel lernen.

Was ist euch wichtig im Denken und Entwerfen?

Im gesamten Arbeitsprozess offen zu bleiben und dabei gut funktionierende Grundrisse zu entwickeln ist für uns zentral. Wir verstehen Architektur als Bühne für ein gutes Leben in all seiner Komplexität. Die Architektur soll sich bemerkbar machen, aber sich nicht narzisstisch in den Vordergrund drängen. Wenn die Bewohner keine Möglichkeit haben sich zu entfalten, weil unsere Architektur das nicht zulässt, haben wir etwas falsch gemacht. Natürlich ist das stark durch das Thema geprägt, mit dem wir uns derzeit vorrangig beschäftigen: dem Wohnen.

Wir verstehen Bauherren, Architekten, Fachplaner, Handwerker und alle Beteiligte als Team, das gemeinsam etwas erreichen will. Das Ergebnis ist letztlich nur so gut wie die Zusammenarbeit. Wir können von den anderen lernen und sie von uns, daher sollte man allen mit Respekt und Interesse gegenübertreten. Wenn das alles harmonisch zusammenkommt macht Bauen richtig Freude.

Wie zeichnen sich diese Gedanken im vorgestellten Projekt ab?

Beispielhaft lässt sich das an unserem Umbau in Lörrach erklären. Das Projekt stand von Anfang an unter einem enormen Kostendruck. Es musste grundlegend saniert und neu organisiert werden. Zu Beginn dachten wir, dass wir uns architektonisch gar nicht gross einbringen können, denn das kostet Zeit und Geld. Dann aber erkannten wir das Potential, mit einfachen Mitteln einen Umbau zu verwirklichen. Unsere Idee dafür sollte trotz beschränktem Raum einen Reichtum entfalten, und das, ohne zu tief in die Substanz einzugreifen. Wir gingen collagenartig vor, um den Umfang der Arbeiten zu reduzieren. Wo immer möglich haben wir alte Bausubstanz erhalten und lediglich durch neue ergänzt. Die Anpassungen und Brüche bleiben auch im fertigen Zustand ablesbar. Alte Farbschichten erinnern an die vergangenen Tage des Hauses.

Wir beschlossen, wie auch schon in anderen Projekten, den Schreinerausbau selbst zu übernehmen. Im Erdgeschoss umfasst ein Möbel aus einfacher Dreischichtplatte den Wohn-, Ess- und Kochbereich sowie die Gästetoilette und einen Arbeitsplatz. Wir kamen mit einem groben Entwurf auf die Baustelle, viele Details sind erst vor Ort entwickelt worden. Plötzlich sieht man Qualitäten, die einem zuvor gar nicht aufgefallen sind. Das ermöglicht, auf Unvorhergesehenes spontan zu reagieren. Die Baustelle wird zum 1:1 Modell.

Umbau Wohnhaus Lörrach (D)

Alma Maki, Basel

Almamaki.ch

Umbau Wohnhaus Lörrach (D)

Bauherrschaft: Privat; Mitarbeit: Mathias Duffner (PL), Friederike Kluge, Meik Rehrmann, Thomas Schmitz; Zimmermannsarbeiten: Holzbau Lorenz-Nink GbR, Völkersweiler; Schreinerarbeiten: Alma Maki, Basel; Sanitär: Bipp GmbH, Lörrach; Elektro: Elektrotechnik Metzger, Schliengen; Maler: Jürgen Hallbauer, Lörrach; Fensterbauer: Klausmann Schreinerei und Glaserei, Hausach; Bodenleger: Parkett Studio Ganter, Lörrach; Chronologie: Planungsbeginn: Januar 2018, Fertigstellung: September 2018; Fotos: Alma Maki, Basel; Portraitfoto: Daniela Valentini, Zürich

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