Ruumfabrigg Architekten, Obstalden/Zürich

Architektur ist eine öffentliche Angelegenheit

2016 wurde die Ruumfabrigg in Obstalden gegründet. Heute arbeiten Nina Cattaneo, Bettina Marti und Pascal Marx an Umbauten, genauso wie an Fragen zum Weiterbauen in Dorfkernen oder der Denkmalpflege. Die jungen Glarner mischen sich auch in politische Fragen ein und stimmen ein Loblied auf den Kontext an.

Was macht Euch aus?

Unser Einstieg in die Berufswelt erfolgte noch vor Ende des Studiums. Während dem Diplomsemester zeichneten wir Ausführungspläne für den ersten gemeinsam entworfenen Bau. Zum Spatenstich im April 2016 wurde die Ruumfabrigg, bestehend aus zwei Architekten und einer Betriebswirtschafterin, gegründet.

Allesamt aufgewachsen im Kanton Glarus, haben uns die regionalen Eigenheiten geprägt. Einerseits die Landschaft, die Nähe und starke Präsenz der Berge, die einen grossen Teil der Glarner Identität ausmachen. Andererseits die Menschen und deren Diskussionskultur, die Landsgemeinde als wohl direkteste Form der Demokratie und Mitbestimmung. Der an der Landsgemeinde im Jahr 2006 spontan entstandene und gefasste Entschluss zur radikalen Gemeindefusion auf nur noch drei Gemeinden, hat uns deutlich aufgezeigt, dass wir nicht nur Zeugen eines ständigen Veränderungsprozesses sind, sondern diesen auch unmittelbar beeinflussen können.

Was ist Euch wichtig im Entwurf?

Wir beschäftigen uns mit dem vor Ort Gefundenen und dessen offenen Möglichkeiten. Bestehende Qualitäten werden gesucht, interpretiert, gestärkt und in Beziehung gesetzt. Dabei geht es uns nicht um einen regionalen Baustil, sondern um die am Ort existierenden Besonderheiten, die sich durch das Bauen weiterentwickeln. Jeder bauliche Eingriff, sei er noch so klein, soll zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung und Aufwertung der Umgebung beitragen. Der Bauende ist nie der einzige Betroffene, der wahrnehmbare Raum reicht über die Grundstücksgrenze hinaus. Architektur ist immer öffentlich.

Der Prozess sowie die spätere Veränderung sind uns wichtiger als der einmalige Zeitpunkt beim Abschluss eines Projekts. Erst die Aneignung und die Reflexion des Benutzers bestätigt die gesellschaftliche Relevanz unserer Arbeit und ermöglicht, hoffentlich, dass von uns beeinflusste Räume überdauern.

Wie zeigt sich dies im ausgewählten Bauprojekt?

Der Umbau in Bergdietikon zeigt unser Verständnis des Vorgefundenen. Der Bestand wird nicht nur zur Kulisse degradiert, sondern beeinflusst den Entwurf. In die alte Hülle wird eine neue, auf den Aussenwänden liegende Konstruktion gestellt. Deren Achsen orientieren sich an den Öffnungen und Rücksprüngen der alten Mauern. Der Bestand behält seine statische Funktion. Die neu eingesetzte Konstruktion und die neuen Materialien ordnen sich dem Vorgefundenen unter und schaffen ein neues Ganzes.

Gleichwertige horizontale und vertikale Flächen unterteilen das leere Volumen in einen offenen, im Schnitt über drei Geschosse verbundenen Wohnraum. Im starren Raster des Bestands – mit niedrigen Raumhöhen und kleinen Fenstern – entsteht eine neue Wohnfigur in überraschender Grosszügigkeit.

Hausumbau in Bergdietikon

Ruumfabrigg Architekten, Obstalden/Zürich

www.ruumfabrigg.ch

Hausumbau, Bergdietikon

Höckler 60, 8962 Bergdietikon; Bauherrschaft: privat; Architektur: Ruumfabrigg Architekten Obstalden/Zürich; Bauleitung: Füglistaller Architekten, Rudolfstetten-Friedlisberg; Chronologie: Direktauftrag, 2016–19; Fotograf: Douglas Mandry; Film zum Umbau: Sebastian Vargas, Kairos Studios auf www.ruumfabrigg.ch/figurerresidentielle

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