Starke Zentren sind urbaner Ausdruck einer Agglomeration, die sich von den Kernstädten emanzipiert: Sie sind Träger baulicher Dichte, bieten Aufenthaltsqualität und dienen der Wohnbevölkerung als Bezugspunkte – als Orte, die verbinden. Meist sind sie auch wichtige Mobilitätsknotenpunkte. Auf vorhandenen Eigenschaften aufzubauen, aber auch neue Bedürfnisse in qualitätsvolle Stadträume zu übersetzen, ist dabei die Aufgabe der Planenden.
Im Gespräch plädiert die ehemalige Genfer Kantonsplanerin Ariane Widmer Pham für Planungsbündnisse über Gemeindegrenzen hinweg. Effretikon, ein Retortenort aus der Nachkriegszeit, nimmt einen nächsten Anlauf, um sich eine urbane Mitte zu geben. In Geroldswil im Limmattal gibt die Gemeinde Gegensteuer, um einen Zentrumskomplex neu zu beleben. In Rotkreuz wird das Zugfenster zum Schaufenster der Urbanisierung: Beidseits der Gleise wächst eine neue Stadt. Auf dem Areal einer ehemaligen Käserei ist ein Quartier entstanden mit öffentlichen Erdgeschossen unter Arkaden und hoher Wohndichte in roten Türmen. Der Urbanist Stefan Kurath wirft für uns einen kritischen Blick auf den städtebaulichen Wert dieser Gesten.
Gutes Bauen und Rendite müssen sich nicht widersprechen. Auch private Entwickler tragen zu einer lebendigen und lebenswerten Agglo bei, das zeigt das Areal Chäsimatt in Rotkreuz. Entworfen haben es AM Architects und Helsinkizurich als öffentliche Mitte, umgeben von offenen Blockrändern mit städtischen Motiven. Anders als andere Agglozentren ist dieses rege genutzt und belebt. Was war der Schlüssel zum Erfolg? Artikel lesen
Fast niemand kennt die Westschweizer Agglomeration so gut wie sie: Architektin und Raumplanerin Ariane Widmer Pham. 15 Jahre lang hat sie die überkommunale Planung «Lausanne Ouest» begleitet – Zeit für einen Rückblick. Während sich der Fokus auf Freiräume bewährt hat, liegt die Herausforderung nun darin, neue Zentren als Bezugspunkte zu schaffen. Redaktorin Lucia Gratz sprach mit ihr über Renens, Malley sowie Chêne-Bourg und Bulles.
Wie viele Agglomerationsgemeinden wächst auch Effretikon stetig. Das Vorhaben, dem Ort zwischen Winterthur und Zürich eine attraktive Mitte zu geben, brauchte aber mehrere Anläufe. 2018 wurde der Grundstein mit dem «Masterplan Bahnhof West» gelegt. Bis 2029 sollen hochwertiger Wohnraum, öffentliche Grünflächen, Läden und Restaurants das Zentrum beleben. Die ersten Neubauten von Staufer & Hasler, BDE, Pool und Huggenbergerfries sind vielversprechend.
In den 1960er Jahren blühte die Zürcher Agglogemeinde erstmals auf. Jakob Schilling baute ihr ein brutalistisches Gemeindezentrum mit Schwimmbad, Kirchen, Café und Gemeindehaus. Der Umbau und die Erweiterung von Baumberger Stegmeier haben das Denkmal nun einer Neuausrichtung unterzogen. Architektonisch ist diese gelungen, doch wird sie auch Leben ins schwächelnde Zentrum bringen?
Unter dem Namen «Countdown 2030» schloss sich vor sechs Jahren eine Gruppe junger Architekturschaffender zusammen. Ziel ihres Aktivismus: Endlich soll das Netto-Null-Ziel im Bauwesen ankommen und ganz konkret bis 2030 umgesetzt sein. Nun war Halbzeit – Architektin und Mitgründerin Sarah Barth zieht eine Zwischenbilanz. Was hat der Verein bis jetzt erreicht?
Rotkreuz will weiterwachsen. Vier Wettbewerbe hat die Gemeinde 2025 im Bahnhofsumfeld ausgeschrieben. Zwei davon – «Zentrum Dorfmatt» sowie «Bahnhof Süd» – nimmt unser Autor Manuel Medina González unter die Lupe. Die gemischt genutzten Überbauungen zum Wohnen und Arbeiten versuchen sich daran, dem heterogenen Ort ein einprägsames Gesicht zu verleihen – mit unterschiedlichem Erfolg.
Endlich ist mit The Other Rome ein Buch erschienen, das die Lücke der Moderne in der Städtebaugeschichte Roms schliesst. Architekt Andreas Graf las es mit Begeisterung. Die Redaktion empfiehlt zwei Fotobände: Zuger Ansichten 2025 durch die Linse der Fotografin Regine Giesecke sowie Stern von Laufenburg, fotografiert von Kaspar Thalmann.
Spuren der Zeit sind kein Mangel, sondern eröffnen Möglichkeiten im Entwurf – davon sind Studio ne aus Basel überzeugt. Sie haben der Fabrikhalle von Álvaro Siza auf dem Vitra Campus eine Architekturschule eingebaut. Artikel lesen
Der Bau des Radiostudios Brunnenhof in Zürich läutete 1932 das Zeitalter des Hörfunks in der Schweiz ein. Nun ist das Radio ausgezogen, die Bestimmung der Räume für das Klingen und Hören aber blieb. Spillmann Echsle haben das Haus denkmalgerecht umgebaut und die Doppelnutzung als Schule und Konservatorium ermöglicht.
Um 1865 exportierte die evangelische «Basler Mission» nicht nur ihren Glauben, sondern auch Bautechnik: In Mangalore, Indien, baute sie eine Ziegelproduktion auf. Ein Architektenpaar erforscht Aufstieg und Niedergang und beschreibt, wie sie die industriellen Überreste architektonisch neu belebt haben. Originaltext