4 – 2017

Stadträume

Die Überbauung von ganzen Arealen führt immer wieder zu unbefriedigenden Ergebnissen. Der Freiraum ist zwar hübsch gestaltet, verharrt aber in einem diffusen Verhältnis zu den Häusern – und nimmt vor allem wenig Bezug auf die umgebende Stadt. In der halbwegs verdichteten Bauweise, wie sie in der Schweizer Agglomeration landauf, landab «gepflegt» wird, ist das Wohnen im Erdgeschoss eine echte Herausforderung, mit der sich bis anhin nur wenige Bauherren und Architekten vertieft auseinandergesetzt haben. Auf dem Areal des ehemaligen Freilagers in Zürich fanden wir dafür interessante Ansätze, die wir in diesem Heft vorstellen. Mindestens ebenso anspruchsvoll ist die Organisation und Gestaltung der wirklich öffentlichen Räume, auch und gerade wenn es hierbei um zentralste Lagen an Knoten der Infrastruktur geht. Im dicht getakteten Fahrplan der «S-Bahn Schweiz» haben sich Bahnhöfe oder wichtige Haltestellen des ÖV längst zu intermodalen Drehscheiben entwickelt, deren Wirkungskreis weit über die Perrons hinausreicht. Umso wichtiger wird deshalb ihre Anbindung an das städtische Gewebe. Anhand zweier Beispiele in Zürich und Lausanne zeigen wir die Komplexität dieser Raumbeziehungen und die Schwierigkeiten, mit denen die Architektur zu kämpfen hat, wenn schon ganz früh Fehlentscheidungen getroffen werden.

Leseprobe aus wbw 4–2017

Grosszügig oder schlicht zu gross?

Diskussion über städtische Freiräume

Christoph Schläppi und Sabine Wolf

Was macht den guten Stadtraum aus? Ist es die Proportion, seine relative Enge oder Weite? Oder ist es vor allem die Art, wie er genutzt wird? Dem Argument, es gebe zu viele und zu lose gefasste Freiräume, steht die Feststellung entgegen, dass das heutige Leben andere Räume einfordere als die traditionelle Stadt. Architekturhistoriker und Landschaftsarchitektin debattieren im Briefwechsel über das richtige Mass von Freiräumen im Städtebau.

Der sechs Hektaren grosse Eulachpark (Landschaftsarchitektur: Koepflipartner,
Luzern) liegt mitten im Transformationsgebiet
Oberwinterthur-Neuhegi.

Bilder der Enge

Bildessay von Philip Heckhausen

Dichte ja – Enge nein. So liesse sich vielleicht das allgemeine Denken zum Thema Stadtraum zusammenfassen. Wir schwimmen dagegen an und haben unseren Fotografen losgeschickt auf die Suche nach Engstellen, die – im Wechsel mit der Weite; das Bild einer lebendigen und räumlich vielfältigen Stadt prägen.

Zürich, Sihlcity

«Man muss die Instrumente nur benutzen»

Heinz Aemisegger und Alex Lehnerer im Gespräch mit Daniel Kurz und Tibor Joanelly

Der alt Bundesrichter diskutiert mit dem Städtebauer die Einflüsse des Baurechts auf den Bau der Städte. Führen Arealüberbauungen zu besserem Städtebau oder nur zu weiteren städtebaulichen Inseln? Einigkeit herrscht in der Hoffnung, dass sich durch eine geschickte Ausgestaltung der Mehrwertabgabe doch einiges besser lösen liesse. So könnten Mittel für den Freiraum eingesetzt werden, damit sich auch die Akzeptanz für Verdichtung erhöht.

Stadt statt Siedlung

Stadtquartier Freilager Zürich

Roland Züger, Georg Aerni (Bilder)

Weite Räume und enge Passagen wirken im Freilager Zürich zusammen. In ungewöhnlich dichter Konstellation ist ein Stadtquartier entstanden, das den üblichen Siedlungsbrei vergessen lässt. Im Gestaltungsplan von Meili & Peter Architekten und Vogt Landschaftsarchitekten wirkt Dichte nicht beengend. Das Quartier besticht besonders mit Ideen zu den Schwellenzonen. Ein Rundgang durch die Stadt auf Augenhöhe.

Der Südhof: Hinter der Promenadenfassade
verbirgt sich ein enger Innenhof mit dich-
tem Pflanzrelief; Vorgärten schützen vor
Einblicken: Freilager Zürich.

Netz der Stadträume

Neue Plätze rund um den Bahnhof Oerlikon

Tibor Joanelly, Rene Dürr (Bilder)

Schon lange vor dem Kapazitätsausbau am Zürcher Bahnhof Oerlikon hat die Stadt Zürich die Entwicklung der umgebenden Freiräume an die Hand genommen und mit allen Beteiligten abgestimmt. Resultat ist nicht nur eine neue, im Stadtraum deutlich markierte Gleisunterführung nach den Plänen von 10:8 Architekten, sondern auch eine Aufwertung der bestehenden Plätze und Strassen ringsum; bis hin zur neuen Fassung urbaner Räume.

Die Abgänge zu den beiden zentralen Unterführungen sorgen nebst gestalteter
Transparenz für freie Durchsicht von
Stadtkante zu Stadtkante.

Zu viel Platz?

Ein neuer ÖV-Knoten in Lausanne-La Sallaz

Anna Hohler, Matthieu Gafsou (Bilder)

An einer Station der Metro-Linie M2 im Norden von Lausanne ist ein neues Quartierzentrum entstanden. Die Durchfahrtsstrasse wurde von 2b architectes zur autofreien Place de la Sallaz umgestaltet, die sich Fussgänger und Busse teilen. Doch die beruhigte Platzsituation hat noch nicht zu einer Intensivierung des urbanen Lebensgefühls gefunden: es herrscht Leere allseits. Eine Reihe von fragwürdigen Entscheiden hat im Vorfeld der gestalterischen Planung dazu geführt, dass die Metro selbst nicht auf dem Platz ankommt.

Die als Volumen ausgebildeten Unterstände der Bushaltestellen auf dem Platz in Lausanne-La Sallaz folgen der Fahrtrichtung, während der Belag weiterhin seine Querrichtung behält
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werk-notiz

Nach acht Jahren, in denen er unsere Zeitschrift massgeblich mitgeprägt hat, verlässt Caspar Schärer die Redaktion, um Generalsekretär des BSA zu werden.

Debatte

Jürg Grasers Debatte-Beitrag über den  «Retro-Trash» in Heft 3–2016 setzt Lukas Imhof ein Plädoyer für den Entwurf mit der Geschichte entgegen. Zu gewinnen gebe es Wohnlichkeit, Vielfalt und Zeitgenossenschaft.

Wettbewerb

Der siegreiche Beitrag von Oester Pfenninger für die Zürcher Genossenschaft Frohes Wohnen im aargauischen Mägenwil zeigt, dass sie da auf ganz andere Bedingungen trifft als in der Metropole.

Recht

BIM – Building Information Modeling ist in aller Munde. Damit die mit der neuen Technologie verbundenen rechtlichen Herausforderungen bewältigt werden können, sollten Erkenntnisse aus dem IT-Recht in die Vertragspraxis einfliessen.

Bücher

Wo Architektur und Beschriftung kongenial zusammenwirken, passt der Ausdruck Archigrafie. Die Grafikdesignerin Agnès Laube und der Architekt Michael Widrig haben zu diesem Thema ein Standardwerk geschaffen, das mit theoretischen Essays und 28 Beispielen ein unerlässliches Planungswerkzeug anbietet.

Ausstellungen

Wie sich die vermehrte Nutzung des Fahrrads auf den städtischen Raum und die mentale Befindlichkeit auswirkt, erklärt Caspar Schärer anhand eines Besuchs der Ausstellung Bike | Design | City im Gewerbemuseum Winterthur.

Kolumne: Architektur ist ... Vandalismus

Daniel Klos, Johanna Benz (Illustration)

Die Ruine des einst weltgrössten Bildnisses von Josef Stalin in Prag wurde nach der Wende zum Ort des neuen Skater-Kults. Was zerstört mehr: das Monument der Diktatur oder sein rücksichtloser Gebrauch durch junge Kids?

Erstling: Gebaute Luftigkeit

Ein Gartenhaus in Mantua von Studiospazio

Philippe Jorisch, Stefano Graziani (Bilder)

Im Nirgendwo der italienischen Peripherie steht ein kleines Haus ... oder besser: ein Autounterstand mit Werkstatt für den Gärtner. Vorbilder aus Zürich und Tokio verbinden sich im Bau von Studiospazio zum minimalistischen Kunstwerk.

Ein Kartenhaus im Garten, im Niemandsland. Die prekären Auflager der auskragenden Dach-Scheiben sind in der abstrakten Komposition
verborgen. Architektur: Studiospazio

Brief aus Tbilisi

Stadt im Umbruch

Verena Huber

Die georgische Hauptstadt liegt am Schnittpunkt verschiedener Kulturen und Einflüsse. Heute sorgen junge Kulturaktivisten mit Bürgerinitiativen für Vielfalt.

Besonders bei Veranstaltungen wird der Innenhof der Fabrika in Tbilisi in Beschlag genommen.
Hier beim MitOst-Festival im Herbst 2016, an dem über den Sprachund Kulturaustausch in Mittel-, Ost- und Südosteuropa diskutiert worden ist.

werk-material 11.02 / 690

Fels, Block, Stein

Martin Klopfenstein, Yannick Andrea (Bilder)

Pensiun Laresch in Mathon GR von der Architekten Gemeinschaft 4, Aarau und Luzern

Pensiun Laresch: Alpine Architektur, urbaner
Komfort. Die Verarbeitung der Materialien aussen und innen folgt Authentizität und Einfachheit. Architektur: Architekten Gemeinschaft 4

werk-material 11.02 / 691

Fels, Block, Stein

Martin Klopfenstein, Ralph Feiner (Bilder)

Hotel Longhin in Maloja GR von Mierta & Kurt Lazzarini, Samedan

Pension Longhin: Ein Fels am Rand der Ebene. Trotz seiner Grösse ist er verträglich mit der Natur. Innen Engadiner Komfort mit spektakulären Ausblicken. Architektur: Mierta & Kurt Lazzarini

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